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Der Schweizer Uhrenkonzern piesackt den iPhone-Hersteller mit Werbe-Slogans. screenshot: swatch

«Tick different» – Apple geht gegen Swatch vor Gericht

Nick Hayek provoziert weiter im Marketing-Duell mit Apple. Nun will der US-Konzern seinen berühmtesten Slogan schützen und schickt die Anwälte los.

andreas Maurer / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Swatch weiss, wie man mit kleinem Aufwand einen grossen Marketingeffekt erzielt: mit Markenpiraterie. Der Schweizer Uhrenkonzern kupferte von Apple den Slogan «Think different» ab und schrieb auf seine Uhren «Tick different». Damit war Swatch die Medienaufmerksamkeit gewiss.

Firmenchef Nick Hayek spielte seine Rolle perfekt: Er heizte die Spekulationen an, indem er behauptete, die Ähnlichkeit sei rein zufällig. Swatch lehne sich vielmehr an einen eigenen Claim aus den 80er-Jahren an: «Always different, always new».

epa05851632 Nick Hayek, CEO Swatch Group, speaks during a press conference in Biel, Switzerland, 16 March 2017. The first months of 2017 have been 'encouraging', the company said in its annual report.  EPA/PETER SCHNEIDER

Der Swatch-CEO gefällt sich in der Rolle des Provokateurs. Bild: EPA/KEYSTONE

Damit die Provokation auch in Kalifornien bemerkt wurde, liess Swatch den geklauten Slogan ins Markenregister eintragen. Apple hat die renommierte Zürcher Kanzlei Lenz & Staehelin darauf angesetzt, gegen alle möglichen Markenverletzungen in der Schweiz vorzugehen. Sie biss auch in diesem Fall an und legte im Namen von Apple beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum Widerspruch ein. Es lehnte ihn aber ab.

Nun zieht Apple den Fall vor das Bundesverwaltungsgericht. Die Richter werden zu unfreiwilligen Markenbotschaftern, wenn sie demnächst die Bedeutung des Slogans verhandeln.

Bester Fernsehspot von 1998

Die rechtliche Auseinandersetzung führen die beiden Konzerne mit grossem Ernst. Apple rühmt sich in einem Anwaltsschreiben, mit dem TV-Spot der «Think different»-Kampagne 1998 einen Emmy und damit die höchste denkbare Auszeichnung gewonnen zu haben. In der einschlägigen Marketingliteratur werde der Slogan als eine der besten «Taglines» aller Zeiten und als «Kern der Marke Apple» bezeichnet.

«Think different»

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Video: YouTube/Aurum

Um die Schweizer Richter zu überzeugen, müssten die Amerikaner nachweisen, dass ihr Spruch hierzulande über einen Bekanntheitsgrad von über fünfzig Prozent verfügt. Um diesen Beleg zu erbringen, haben die Anwälte bisher wenig Aufwand betrieben.

Ihrem Schreiben haben sie lediglich ein paar NZZ-Artikel beigelegt. Um beim Institut für Geistiges Eigentum auf Gehör zu stossen, hätte Apple aber etwa Verkaufszahlen der iMacs in der Schweiz bekannt geben müssen. Seit 2009 steht der Spruch auf allen Verpackungen.

Das Spiel von Swatch mit den Markenrechten von Apple hat System. Schon vor Jahren haben die Schweizer die Marke «iSwatch» registrieren lassen, um der potenziellen «iWatch»einen Schritt voraus zu sein. Doch diese heisst nun «Apple Watch».

Swatch liess zum Entsetzen von Apple zudem den Satz «One More Thing» ins Markenregister eintragen. Die Zürcher Kanzlei reagierte umgehend. Apple-Guru Steve Jobs pflegte bei seinen Auftritten diesen Satz zu sagen, bevor er eine Weltneuheit ankündigte, als handle es sich um eine Nebensächlichkeit.

Auch in dieser Auseinandersetzung konnte sich Apple bisher nicht durchsetzen. Swatch wandte ein, Jobs habe den Spruch nicht selber erfunden, sondern vom Fernsehdetektiv Columbo übernommen. Für weitere Akte des Markentheaters ist gesorgt.

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31Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • ujay 09.04.2017 10:41
    Highlight Highlight "Different" ist kein Slogan, sondern ein Wort. Auf ein Wort gibts kein Copyright. Die Amis würden am liebsten das ganze Alphabet dem Kopierschutz unterstellen und dafür happig Gebühren abkassieren.
  • the_american 08.04.2017 13:24
    Highlight Highlight Swatch ist klein und unwichtig. Das Verhalten eines Spiessers der gerne mit grossen companies mithalten möchte. ridiculolous
    • ujay 09.04.2017 10:42
      Highlight Highlight ....und Amerika ist ein Land mit einem lächerlichen Präsidenten. Also gleicht sich das wieder aus.
    • Alnothur 09.04.2017 11:01
      Highlight Highlight Die Swatch Group ist der weltgrösste Uhrenkonzern.
  • Crecas 08.04.2017 11:48
    Highlight Highlight Hayek ist einfach nur lächerlich. Wenn man als Weltkonzern solche billigen Spiele nötig hat...
  • Chääschueche 08.04.2017 11:25
    Highlight Highlight Also die google Bildersuche findet zu Tick Different keine Appleprodukte, sondern vor allem Insekten. 🤣 😇
  • DocM 08.04.2017 11:05
    Highlight Highlight Eva hat doch in den Apfel gebissen. Somit hat die katholische Kirche das Anrecht auf das Apfellogo und die Apfeljünger waren doch beim letzten Abendmahl und haben bestimmt all die so tollen Slogans, nach dem zu Wein gemachten Wasser gedichtet.... Somit ohne Kirche, kein angebissener Apfel. Wer ist nun daran Schuld, dass all die Anwälte Arbeit haben?

    Unter dem Strich: Ich finde alle drei überflüssig.
  • shinaueea 08.04.2017 10:41
    Highlight Highlight Billige Uhren - billige Werbekampagne. Einfach nur lächerlich. Mittlerweile will kaum jemand mehr (Touristen ausgenommen) die falsch tickenden Plastikklumpen am Armgelenk. Da muss der Bubi halt was tun, um im Gespräch zu bleiben. Vielleicht sollte er es tun wie sein (offenbar) grosses Vorbild Apple, echte Innovationen bringen. Nicht immer denselben Schrott mit wechselnden Farben und irgendwelchen Features, die niemand braucht.
    • shinaueea 08.04.2017 12:04
      Highlight Highlight @Captain😄 Cha...ching ähm vom technischen Standpunkt her mit dem Sandboxing Software Konzept ist Apple wohl eher the one and only. Die Google Jünger kastrieren ja leider jedes an und für sich mal gut konzipierte Linux Phone (Android) Nokia ohne Windoof Mobile oder Android gibts nicht mehr und die paar anderen OS waren Rohrkrepierer. Es braucht definitiv einen dritten starken Player
    • chasseral 08.04.2017 12:49
      Highlight Highlight touché!
    • who cares? 08.04.2017 14:56
      Highlight Highlight Geh mal googeln was alles zur Swatch-Gruppe gehört und dann nochmal Maul aufreissen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Peter Wolf 08.04.2017 09:37
    Highlight Highlight Die Swatch Group provozierte mit "iSwatch" nicht nur Apple, sondern ging nachher ihrerseits mit schwerem juristischem Geschütz auf "Ice Watch" aus Belgien los, die auch im untersten Preissegment geschäftet. Wenn zwei das Gleiche tun ...
    PS: Mit "Ice Watch" kam es später zu einem Vergleich.
  • Süffu 08.04.2017 09:15
    Highlight Highlight Och süss - will jemand ein bisschen Medienaufmerksamkeit (und bekommt sie auch). Nützt leider nichts, wenn man mit einem nicht mehr aktuellen Artikel auf dem Markt ist. Billige Uhren brauchen halt nicht mehr viele Menschen - ob man nun damit bezahlen kann, oder was auch immer ist da egal.
    • Maragia 08.04.2017 13:04
      Highlight Highlight @Süffu: Weil ja auch jeder eine IWC oder Rolex trägt gell? Und sag jetzt nicht, du zählst die Smart Watches nicht zu dem billigen Kram!
    • the_american 08.04.2017 18:11
      Highlight Highlight Genau so sehe ich das auch. Swatch ist billigst und der Rest der Swatch Group Abzocke. Die Leute wollen weder billge Swatch noch Breguet, Harry Winston, Blancpain, Glashütte Original, Jaquet Droz, Léon Hatot, Omega, Longines, Rado, Union Glashütte, Tissot, Balmain, Certina, Mido, Hamilton, Calvin Klein watches + jewelry, Swatch, Flik Flak - alles nur Marken die gerne Premium sein möchten, aber bloss Massenware sind.

      Die ganz grossen Marken verfügen über ausgefeilte mechanical Uhrwerke.
    • ujay 09.04.2017 10:51
      Highlight Highlight @the american. Mechanische Uhren kannst du auch in China kaufen. So ein Quatsch. Die genannten Marken bauen alle günstige Uhren, aber wollen den Kunden, nicht wie Apple, suggerieren, innovativ zu sein. Apple ist nur innovativ darin, denselben Schrott in anderen Farben und zu Wucherpreisen jedes Jahr fürs Neue zu verkaufen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jsgkl 08.04.2017 09:14
    Highlight Highlight Billig von Swatch. Seid doch selbst innovativ bei den Werbesprüchen.
    • Chääschueche 08.04.2017 11:20
      Highlight Highlight Swatch hatte schon Smarte Uhren als Apple noch kurz vor der Pleite stand ^^
    • the_american 08.04.2017 18:12
      Highlight Highlight Apple hatte schon Computer als Swatch noch nicht geboren war
  • Calvin Whatison 08.04.2017 09:11
    Highlight Highlight Wie geistreich von Apple! Irgendwie verleidet mir mein Äpfelchen. 👎🏻😂
    • α Virginis 08.04.2017 13:19
      Highlight Highlight Calvin, Apple verfolgt seit je her die Taktik, kleinste Änderungen als DAS neue Feature ihrer Produkte anzupreisen und alle drei Monate neue Modelle, die jeder haben muss auf den Markt zu werfen. Die dummen rennen dann und machen nen Hype drum herum, bis die ersten Probleme mit der "Neuheit" auftauchen. Aber keine Sorge, bis dahin hat Apple bestimmt schon wieder eine neues, "grossartiges" (Trump-Jargon) Gerät, das gaaanz bestimmt mit den alten Problemen aufräumt. Dann stehen sich die Apple Jünger wieder die Beine in den Bauch beim Schlange stehen, um Apple reich zu machen. So geht das!
    • α Virginis 10.04.2017 01:13
      Highlight Highlight Aye, so ungefähr ;-))

Das steckt hinter den merkwürdigen Post-SMS, die Tausende Schweizer seit Tagen erhalten

Kriminelle versenden im Namen der Post SMS, die über eine angebliche Zustellung informieren. Betrüger versuchen so auf Android-Geräten eine Spionage-App zu installieren oder an die Apple-ID von iPhone-Nutzern zu gelangen.

Tausende Schweizer haben in den letzten Tagen eine SMS erhalten, die angeblich von der Post kommt. Flüchtig betrachtet sieht sie wie eine typische Zustell-Benachrichtigung aus. In Tat und Wahrheit versuchen Kriminelle an die Apple-ID von iPhone-Nutzern zu gelangen, bzw. Android-Nutzer dazu zu verleiten, eine Spionage-App zu installieren. Gekaperte Handys versenden anschliessend automatisch und auf Kosten der Opfer Tausende von SMS an weitere Handynutzer.

Die Kantonspolizei Zürich und Swisscom …

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