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epa02952583 A portrait of Steve Jobs, featured on the frontpage of the Apple website and seen an iPhone screen, is reflected on the back side of another iPhone in Berlin, Germany, 06 October 2011. Co-founder and long-standing head of Apple died on 05 October 2011 at the age of 56 in California. Jobs battled pancreatic cancer for many years.  EPA/ARNO BURGI

Swatch will sich einen legendären Spruch von Steve Jobs († 2011) markenrechtlich schützen lassen. Um praktisch gleichzeitig mit Apple eine Smartwatch zu lancieren? Bild: EPA

«One More Thing» von Nick Hayek

Swatch pinkelt Apple ans Bein – Das sagt der Schweizer Smartwatch-Experte zum jüngsten Coup von Hayek

Als ausgewiesener Kenner des Wearable-Marktes nimmt Pascal Koenig zu Swatch vs. Apple Stellung und sagt im Interview, wie es um Android Wear steht.



Pirouetten kennen wir vom Eiskunstlauf. Beherrscht werden die akrobatischen Drehungen aber auch von den Bossen der Schweizer Uhrenindustrie. Und zwar wenn es um die Apple Watch geht.

Prominentes Beispiel ist Nick Hayek, der Chef des weltgrössten Uhrenkonzerns. Am Donnerstag kündigte er in einem Interview mehr oder weniger überraschend an, dass die Swatch-Gruppe in den nächsten drei Monaten eine Smartwatch herausbringe. Zuvor hatte er mehrfach betont, dass kein Grund zur Eile bestehe.

Der Zeitpunkt ist alles andere als zufällig gewählt. Zum einen ist der Gewinn der Swatch-Gruppe über ein Viertel tiefer ausgefallen als im Vorjahr. Da kam eine positive Nachricht gerade recht. 

Zum andern fällt Hayeks Smartwatch-Offensive mit der gewichtigsten Uhrenlancierung des Jahres zusammen. Im April will Apple die erste Generation seiner Smartwatch herausbringen.

Das Killerfeature?

Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg verriet Hayek Details zur Schweizer Apple-Watch-Alternative. Und blieb dabei ziemlich vage. Immerhin wissen wir, dass die Smartwatch mit Windows- und Android-Software funktionieren soll. Doch zum iPhone verlor Hayek kein Wort. Soll wohl heissen: Das meistverkaufte Smartphone der Schweiz wird nicht mit der Swatch-Uhr zusammenspielen.

Ausserdem soll man mit der Swatch-Uhr bargeldlos einkaufen können – es ist aber nicht klar, welches System für das mobile Bezahlen verwendet wird. Dass es sich um das von Swisscom, Sunrise und Orange lancierte Tapit handelt, ist nicht bestätigt. Bislang wissen wir nur, dass das Gerät via NFC-Technologie kommunizieren soll.

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video: youtube/watson

Ein eigentliches Killerfeature konnte Hayek nicht ankündigen. Oder etwa doch? Angeblich muss die Uhr im Gegensatz zur Apple Watch und anderen Smartwatches nicht (übers Stromnetz) aufgeladen werden.

Im ausführlichen watson-Interview nimmt der Schweizer Smartwatch-Experte Pascal Koenig Stellung.

Herr Koenig, wie beurteilen Sie die Smartwatch-Offensive von Swatch?
Pascal Koenig:
 Das sind enorm gute Neuigkeiten für die Schweizer Uhrenindustrie. Kurz vor dem Markteintritt von Apple ist das Timing ideal, und der Fokus auf die Stromeffizienz als Differenzierungsmerkmal erscheint mir intelligent.

Muss sich Swatch wegen der Apple Watch grosse Sorgen machen? 
Selbstverständlich – die Einführung der Apple Watch wird grossen Einfluss haben auf die Uhrenindustrie.

Wie beurteilen Sie die Erfolgsaussichten der Apple Watch? 
Wir rechnen damit, dass bereits zu Beginn Millionen von Apple Watches verkauft werden – und auf dieser Basis eine Fülle relevanter Smartwatch-Apps programmiert werden, die die Verkaufszahlen weiter ankurbeln.

«Die Uhrenindustrie wird momentan vollständig umgekrempelt.»

Welche Auswirkungen wird die Apple Watch auf die Schweizer Uhrenindustrie haben?
Die Uhrenindustrie wird momentan vollständig umgekrempelt. Während über lange Zeit das Marketing im Fokus war, steht nun plötzlich die Entwicklung neuer Funktionalität im Zentrum.

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Laut «Handelszeitung» will Swatch den Slogan «Swatch One More Thing» schützen lassen. Ein klarer Angriff auf Apple, handelt es sich doch um einen legendären Spruch von Steve Jobs?
Das kann so interpretiert werden, und der Markteintritt von Apple hat sicherlich bei der Entwicklung der Smartwatch von Swatch eine wesentliche Rolle gespielt.

Laut Hayek muss die Smartwatch nicht aufgeladen werden. Demnach wäre das Akkuproblem gelöst. Wie beurteilen Sie das? 
Nick Hayek hat verschiedentlich angedeutet, dass er die Batterielaufzeit als zentral erachtet. Die Lösung von Swatch scheint dem Rechnung getragen zu haben, wahrscheinlich durch einen Verzicht auf allzu viel Sensorik und ein hochaufgelöstes Farbdisplay. Das Akkuproblem ist damit aber nicht gelöst.

«Eine konsequente Ausrichtung auf Android und Windows erscheint sinnvoll, auch wenn die iPhone-Nutzer selbstverständlich ein attraktives Kundensegment wären.»

Sie haben in einem früheren Interview gesagt, es gebe eine grosse Dynamik im Bereich «Micro Energy Harvesting», wo über Lichteinstrahlung, Temperaturunterschiede und Bewegung zukünftig genügend Energie erzeugt werden könne, um viele spannende Anwendungen ohne Ladevorgänge zu ermöglichen. Liegen Ihnen diesbezüglich neue Informationen vor?
Dazu kann ich Ihnen nichts sagen, aber sicherlich werden solche Technologien in das neue Produkt von Swatch einfliessen.

Mit der Smartwatch soll man dank NFC mobil bezahlen können. Es ist aber nicht klar, um welche Bezahllösung es sich handelt. Können Sie diesbezüglich eine Vermutung anstellen? 
Momentan fliesst sehr viel Geld in die Entwicklung von Bezahlsystemen über NFC. Um Erfolg zu haben damit muss man sich Standards anschliessen. Swatch wird in diesem Bereich Partnerschaften eingehen.

Die Swatch-Smartwatch soll mit Android- und Windows-Phone-Smartphones kommunizieren können, nicht aber mit dem iPhone. Ist das sinnvoll, oder riskant? 
Es widerspiegelt die Tatsache, dass man Apple als Hauptkonkurrenten sieht, und gegenüber der Apple Watch sicherlich im Bereich iOS im Nachteil wäre. Eine konsequente Ausrichtung auf Android und Windows erscheint entsprechend sinnvoll, auch wenn die Nutzer von iPhones selbstverständlich ein attraktives Kundensegment wären.

Können Sie etwas zum bisherigen Markterfolg von Android Wear bzw. den Herstellern entsprechender Smartwatches sagen? 
Diverse Unternehmen wie Samsung, LG und Sony haben Smartwatches auf den Markt gebracht, die auf Android Wear laufen. Die Verkaufszahlen halten sich in Grenzen, aber es gibt mehr und mehr relevante Apps, die auf diesem System laufen. Der Launch der Apple Watch wird das Ökosystem weiter stärken.

Wie viel Geld wird in den nächsten Jahren mit «schlauen Uhren» verdient?
Basierend auf unseren Marktanalysen erwarten wir, dass die Smartwatch-Industrie im Jahr 2020 Umsätze von rund 60 Milliarden Schweizer Franken generieren wird.

Alles Wissenswerte zur Apple-Uhr

Als Apple im vergangenen September seine Watch enthüllte, hagelte es wie zu erwarten Spott und Häme von den bekannten Vertretern der Schweizer Uhrenindustrie. Hublot-Präsident Jean-Claude Biver, der beim französischen Luxusgüterkonzern LVMH das Uhrengeschäft leitet, liess sich zu folgender Äusserung hinreissen:

«Die Apple Watch erinnert mich fast an die Autos, die Toyota vor 20 Jahren herstellte: Sie waren zwar perfekt, aber hatten keine eigene Seele.»

Jean-Claude Biver, LVMH handelszeitung

Es war dem Manager wohl nicht bewusst, dass er mit seinem Toyota-Vergleich einen Bezug zum schwärzesten Kapitel der Schweizer Uhrenindustrie herstellte. In den 1970er-Jahren überschwemmten billige und trotzdem präzise Quarzuhren aus Japan die internationalen Märkte. Die traditionsbewussten Schweizer Uhrenhersteller verschliefen den Trendwechsel, die Branche geriet in schwerste Turbulenzen.

Die Rettung kam durch den erfahrenen Unternehmensberater Nicolas Hayek († 2010), den Vater des heutigen Swatch-Chefs.

40 Jahre nach der Quarzkrise sehen sich die Schweizer Uhrenbosse mit der Tatsache konfrontiert, dass der mächtigste Techkonzern der Welt in den Kampf ums Handgelenk der Kunden einsteigt.

Interessantes Detail: Jean-Claude Biver scheint sich mittlerweile vom grossen Kritiker zum Apple-Fan gewandelt zu haben. Die Apple Watch sei «ein fantastisches Produkt, eine unglaubliche Leistung», sagte er im Januar in einem Interview mit Bloomberg.

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