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Tinder-Gründer Jonathan Badeen: «In meinen Zwanzigern hatte ich nicht viele Dates».
Tinder-Gründer Jonathan Badeen: «In meinen Zwanzigern hatte ich nicht viele Dates».Bild: tinder
Tinder-Gründer Jonathan Badeen

Der König der Dating-Apps: «Vor Dates hatte ich Schiss»

Tinder hat sich innerhalb von zwei Jahren vom Start-up zum sozialen Phänomen entwickelt. Bekannt ist die App vor allem für schnelle Sex-Dates. Gründer Jonathan Badeen verrät hier, wie er sein eigenes Produkt nutzt. 
09.02.2015, 08:0009.02.2015, 09:15
Alexander Demling / spiegel online
Ein Artikel von
Spiegel Online

Spiegel Online: Herr Badeen, Ihre Dating-App Tinder nutzen inzwischen mehr als 30 Millionen Menschen weltweit. Sie selbst auch?
Badeen: Ja, aber wahrscheinlich anders, als Sie denken. Ich schliesse auf Tinder auch berufliche Kontakte. Auf einer Konferenz habe ich kürzlich eine Frau kennengelernt, die mich dann zum Flughafen mitgenommen hat. Das war absolut kein Date. Oder wenn ich auf Reisen bin, schreibe ich Leute an, welches Restaurant sie mir empfehlen können. 

Tinder ist eher als App für schnellen Sex bekannt. 
Wenn Tinder eine Hook-up-App ist, bin ich wirklich miserabel darin, sie zu nutzen. Ich lerne damit alle möglichen Leute kennen. Ortsansässige, neue Freunde oder Kollegen. 

Jonathan Badeen, 33, gründete Tinder 2012 mit zwei Freunden in einer Start-up-Werkstatt des Internetkonzerns IAC. Seitdem ist Tinder zur erfolgreichsten Dating-App der Welt aufgestiegen. 

Sie haben es nie genutzt, um einen One-Night-Stand zu suchen? 
Na ja, nicht direkt. Nicht für einen One-Night-Stand. Im engeren Sinne. Aber klar, Tinder hat es mir erleichtert, Frauen kennenzulernen. 

Wie das? 
In meinen Zwanzigern hatte ich nicht viele Dates. Als ich neu in Los Angeles war, wusste ich nie, wie lange ich hierbleiben würde. Dann war ich auch sehr auf meine Arbeit konzentriert. Vor allem aber hatte ich Schiss. Jedes Date setzte mich unheimlich unter Druck, mit Tinder ist es besser geworden. 

Besser? Tinder reduziert jede Person auf ein Bild und ein paar Facebook-Likes. Mit einem Wisch ist sie weg. 
Zunächst einmal bietet es eine unheimliche Auswahl von Leuten, die sich treffen wollen. Ich sage mir: Okay, ich gehe jetzt auf dieses Date und wenn es schrecklich ist, suche ich mir morgen eine neue Verabredung. Ich bin dadurch viel offener geworden, mich auf Leute einzulassen. 

Jeder ist austauschbar. Das ist doch genau die Oberflächlichkeit, die manche an der App stört. 
Wir wollen gar nicht, dass sich jemand zu stark auf eine Person fokussiert. Das verringert das Gefühl der Zurückweisung. Man schaut jemanden fünf Sekunden an, wischt ihn nach rechts und dann ist da schon der Nächste. Keiner hat Lust, Fragebögen auszufüllen, bevor er mit einer App rumspielt. 

Was ist Tinder? 
Die Smartphone-App Tinder präsentiert dem Nutzer einen schier endlosen Stapel von Profilbildern von Menschen, die sich gerade in der Nähe aufhalten. Ob man Interesse an einer Person hat, signalisiert man durch Wischen. Ein Nutzer, den man nach links gewischt hat, wird nicht mehr vorgeschlagen. Mit einem Rechtswisch merkt man das sich das Gegenüber. Finden sich zwei Nutzer attraktiv, kommt es zum «Match». Jetzt können sich die beiden Nachrichten schreiben und ein Treffen verabreden. Die App ist vor allem als Portal für schnelle Sex-Dates bekannt geworden. 

Sie gelten als der Erfinder dieses «SwipeRight», der Wischgeste, mit der man bei Tinder Interesse zeigt. Sogar Nachrichten-Apps kopieren das Prinzip inzwischen. 
Wir waren auf der Suche nach einer Technik, bei der man wie mit einer Karte die Entscheidung zwischen «Nope» und «Like» möglichst einfach treffen kann. Nur mit der Hand, mit der man das Smartphone hält. Knöpfe waren die erste Idee. Aber was ist die natürliche Lösung? Man sortiert Karten nicht, indem man Knöpfe drückt. Man nimmt eine Karte und legt sie auf einen Stapel. 

War das in einem Kreativ-Meeting, in dem Sie und Ihre Mitgründer um einen Tisch sassen und auf einen Kartenstapel starrten? 
Ich glaube, die Idee ist mir auf dem Weg in die Dusche gekommen. Es ist mir heute fast peinlich, weil es so simpel ist. Aber niemand anderes machte das bis dahin. Tinder bekommt dadurch etwas Spielerisches. Manchen reicht ein «No» nicht, sie wollen ein «Noooooooo» aussprechen (macht ein übertriebene Wischgeste nach links). 

Jetzt auf

Bald soll es ein komplizierteres «Tinder Plus» geben, dessen Extra-Features Geld kosten. 
Ja, wir testen gerade «Passport», ein Feature, mit dem man Leute in anderen Städten suchen kann, ohne selbst dort zu sein. Und es wird einen «Undo»-Knopf geben. Man hat so schnell jemanden weggewischt, der dann nie wieder auftaucht. Drückt man «Undo» kommt das Profil zurück, mit einem «Oops»-Stempel. 

Also doch ein Knopf. War die Idee bei Tinder nicht, die Bedienung einfacher zu machen? 
Wir haben mal darüber nachgedacht, ob man das Smartphone dafür schütteln soll. Aber wir wollten unseren Nutzern ersparen, wie Idioten in der Fussgängerzone zu stehen, und «Neeeeeeeein, komm zurück» zu schreien. 

Lesen Sie mehr zu Tinders Zweikampf mit seinem deutschen Konkurrenten Lovoo im aktuellen «Spiegel». 

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