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Syrien

Terroristen-Laptop bestätigt Befürchtungen: Ungläubige sollen mit biologischen Waffen bekämpft werden

Auf der Festplatte wurden beunruhigende Dokumente entdeckt und auch ein (nachträglich verfremdetes) Foto des mutmasslichen Besitzers.
Auf der Festplatte wurden beunruhigende Dokumente entdeckt und auch ein (nachträglich verfremdetes) Foto des mutmasslichen Besitzers.bilder: Foreign policy
Versteckte dateien

Terroristen-Laptop bestätigt Befürchtungen: Ungläubige sollen mit biologischen Waffen bekämpft werden

Auf einem in Syrien sichergestellten Dell-Computer wurden angeblich brisante Dokumente entdeckt. Demnach sollen Fussballstadien und andere Ziele mit Beulenpest-Bomben attackiert werden.
31.08.2014, 14:4531.08.2014, 14:58

«Benutze kleine Granaten mit dem Virus und wirf sie in geschlossene Bereiche wie Metros, Fussballstadien oder Unterhaltungszentren.» Dieser aus dem Arabischen übersetzte Satz steht angeblich in einem 19-seitigen Dokument, das auf dem Laptop eines jungen Tunesiers entdeckt wurde. 

Ende letzter Woche berichtete das US-Magazin Foreign Policy über den beunruhigenden Fund. Der Laptop sei einem Reporter-Paar von einem syrischen Militärkommandanten ausgehändigt worden. Das Gerät sei in einem Versteck Nahe der Grenze zur Türkei sichergestellt worden. Bei einem Angriff im Januar.

Auf dem Dell-Computer sollen sich tausende versteckte Dateien befinden, insgesamt 146 Gigabyte Daten. Nach stundenlangem Herumstöbern habe sich gezeigt, dass die Festplatte viel mehr als das allgemein bekannte Propaganda-Material enthalte. Und zwar: Wie können tödliche Biowaffen im Eigenbau hergestellt werden?

Ehemaliger Besitzer des Laptops und Verfasser des 19-seitigen Biowaffen-Dokuments soll ein Tunesier namens Muhammed S. sein, der sich in Syrien der Terror-Organisation ISIS anschloss.

Tierversuche beschrieben

Islamistische Gruppierungen haben sich auch schon früher mit dem Einsatz von biologischen und chemischen Waffen befasst, so viel ist sicher. Osama Bin Ladens Al-Qaida verfolgte laut Medienberichten jahrelang entsprechende Angriffspläne. Ohne Erfolg.

Die sichergestellten Dokumente belegen, dass auch der Islamische Staat (IS) an todbringenden Erregern interessiert ist. Muhammed S. studierte in seinem Heimatland Chemie und Physik, bevor er sich der vermutlich reichsten Terrororganisation der Welt anschloss.

In dem Dokument soll unter anderem beschrieben sein, wie Pest-Erreger zu Testzwecken in Mäuse injiziert werden. Die Symptome der Krankheit sollten innert 24 Stunden auftauchen, heisst es.

Weiter enthalte der Laptop auch eine 26-seitige Fatwa eines saudiarabischen Religionsführers. In dem islamischen Rechtsgutachten soll der Einsatz von Massenvernichtungswaffen gutgeheissen werden, falls die Ungläubigen nicht anders besiegt werden könnten.

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Keine Beweise

Bis heute gibt es keine Beweise, dass Dschihadisten einsatzfähige biologische Waffen besitzen. Bevor es zu einem Anschlag kommen könnte, müssen die Bombenbauer ein technisches Problem lösen. Die Hauptschwierigkeit bei solchen Waffen sei, ein funktionierendes System für die Verteilung der Erreger zu entwickeln, sagte ein schwedischer Sicherheitsexperte gegenüber «Foreign Policy».

Je länger das von den IS-Kämpfern ausgerufene Kalifat existiere, desto grösser sei das Risiko, dass Mitglieder mit wissenschaftlichem Hintergrund «etwas Schreckliches» hervorbrächten.

Anzumerken bleibt, dass Warnungen vor Massenvernichtungswaffen grundsätzlich mit einer gehörigen Portion Skepsis zu betrachten sind. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush rechtfertigte in den 90er-Jahren den Angriff auf den Irak mit der angeblichen Existenz von Chemiewaffen. Die Vorwürfe erwiesen sich später als haltlos.

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