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Bei geplanter Obsoleszenz ist das schnelle Veralten eines Produktes vom Hersteller geplant und vorgesehen.
Bei geplanter Obsoleszenz ist das schnelle Veralten eines Produktes vom Hersteller geplant und vorgesehen.Bild: shutterstock

Schadensfall-Detektiv erklärt, warum geplante Obsoleszenz zu einem grösseren Problem wird

Die kurze Lebensdauer technischer Geräte ist meist keine böse Absicht. Doch die geplante Veralterung von Geräten dürfte künftig zu einem echten Problem werden.
04.12.2019, 11:3204.12.2019, 14:32

Kaum ist die Garantie abgelaufen, gibt das Gerät den Geist auf. Zwar gab es in der Vergangenheit Fälle, in denen Hersteller ihren Geräten ein Ablaufdatum einbauten. Doch meist steckt hinter der kurzen Lebensdauer keine böse Absicht, sondern enormer Kostendruck, berichten die Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa).

Am Black Friday und Cyber Monday haben sich viele Konsumenten auf Schnäppchenjagd begeben und sich insbesondere auch mit neuen Modellen elektronischer Geräte eingedeckt. Womöglich als Ersatz für eines, das just nach Ablauf der Garantie den Geist aufgegeben hat, nicht mehr rund läuft oder immer langsamer reagiert.

Hinter der kurzen Lebensdauer steckt manchmal böse Absicht der Hersteller, um den Absatz von Produkten anzukurbeln. Meistens liegt die kurze Lebensdauer allerdings nicht an solch «geplanter Obsoleszenz», sondern am enormen Kostendruck und langen Lieferketten, ist Peter Jacob von der Forschungsanstalt Empa überzeugt.

Detektive für Schadensfälle

Mit seinem Team geht Jacob Schadensfällen auf den Grund und ermittelt die Ursachen. Keine einfache Aufgabe, da oft Dutzende verschiedene Zulieferer beteiligt sind und verschiedene Faktoren zusammenkommen können. Gerade bei Produkten mit hohen Stückzahlen kann es für kleinere Zulieferfirmen um die Existenz gehen, wenn ein Fehler nachweislich bei ihnen zu finden sei, schreibt die Empa. Jacobs Team dient in solchen Fällen als neutrale Anlaufstelle.

Ein grosses Problem liegt laut Jacob im Preisdruck bei der Herstellung elektronischer Geräte. Aufgrund der engen Kostenvorgaben werden Bauteile oft bis an ihre Grenzen belastet. Und halten entsprechend weniger lang. Weil die Bauteile oft sehr anwendungsspezifisch produziert werden, sind nach wenigen Jahren meist keine Ersatzteile mehr zu haben. Die Reparatur wird unmöglich, das Gerät landet im Elektronikschrott.

Rätselhafte Ausfälle

Das Empa-Team vom Zentrum für Elektronik und Zuverlässigkeitstechnik stösst aber durchaus auch auf echte Konstruktionsfehler, die allerdings alles andere als einfach auszumachen sind. So sahen sich die Forschenden beispielsweise mit dem Fall eines Fahrzeugtyps konfrontiert, der immer nach rund 10'000 Kilometern in der Werkstatt landete, aber seltsamerweise nur in Ländern ohne Tempolimit. Zudem trat der Defekt nach der Reparatur nie wieder auf.

Wie Detektive gingen die Empa-Forschenden dem Fall auf den Grund und bauten das Puzzle der Umstände zusammen, die zu dem Ausfall führten: Ein Teil der Motorsteuerungseinheit zwischen Gummischläuchen war ohne Erdung installiert worden. Bei Geschwindigkeiten über 150 km/h entstanden plötzlich hohe elektrostatische Spannungen am Gehäuse, die bei tieferem Tempo nicht auftraten. Schuld waren der extrem hohe Luftdurchfluss und dessen Verwirbelungen. Ohne Erdung konnte die hohe Spannung nicht abfliessen, erreichte die Steuereinheit und zerstörte diese.

Nach mehr als 10'000 Kilometern trat das Problem nicht mehr auf, weil sich dann genug Dreck und Staub auf den Schläuchen angesammelt hatte, dass diese elektrisch leitfähig wurden und als Erdung dienen konnten.

Wachsendes Problem wegen Software

Auch wenn es also meist an Kostendruck oder Konstruktionsfehlern liegt, gibt es geplante Obsoleszenz aber durchaus. Heute steckt oftmals Software dahinter, schrieb die Empa: Tintenstrahldrucker sind oft mit Chips ausgestattet, die das Drucken lahmlegen, sobald das Fülllevel der Patrone unter einen gewissen Schwellenwert fällt. Komplett aufbrauchen können Konsumenten die Tintenpatrone dadurch nicht.

Ein anderes Beispiel betrifft Smartphones: Eine Untersuchung der italienischen Wettbewerbsbehörde von 2018 kam zum Schluss, dass Software-Updates von Apple und Samsung die Leistung älterer Smartphones so stark verschlechterten, dass dies Konsumenten zum Kauf neuer Geräte drängte. Zudem drosselte Apple die Prozessoren der Smartphones bewusst, sobald der Akku einen gewissen Verschleiss zeigte. Beide Konzerne mussten eine Busse in Millionenhöhe zahlen und Verbesserungen umsetzen.

Die Software-bedingte Obsoleszenz dürfte sogar künftig zu einem noch grösseren Problem werden, schreibt die Empa: Im Zuge des sogenannten «Internet der Dinge» (IoT) werden Alltagsgegenstände mehr und mehr von Software-Updates abhängig. Ist die eingebaute Elektronik nicht mehr kompatibel mit dem neuesten Update, müssen dann noch funktionierende Geräte trotzdem ersetzt werden.

Allerdings setzen Hersteller von Elektronik insbesondere auf eine andere Masche, um den Absatz ihrer Geräte anzukurbeln: Durch geschicktes Marketing legen viele Konsumenten wert darauf, auf dem neuesten Stand der Elektronik zu sein, egal ob das alte Gerät noch funktioniert oder nicht. Aktionstage wie der «Black Friday» tun ihr übriges.

(oli/sda)

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