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Eine App soll Frauen helfen, «starke» Mails zu schreiben. Wir machen mit ihr den Hugh-Grant-Test



Die gleichstellungstechnisch total engagierte Firma Cyrus Innovations hat für den Internetbrowser Google Chrome zum Jahreswechsel eine App lanciert, die's wahnsinnig gut meint, am Ende aber wahnsinnig wenig kann. Sie heisst «Just Not Sorry» und hilft sprachlich unsicheren Leuten – nach Meinung von Google Chrome sind das Frauen –, endlich sackstarke Mails an Mitarbeiter und Vorgesetzte zu schreiben.

Also Mails ohne Verunsicherung suggerierende Ausdrücke wie «sorry», «just», «actually», «I'm no expert», «does that make sense» und «I think» (vorerst gibt's die App nur auf Englisch). Diese schwerverbrecherischen, angeblich jede weibliche Autorität unterminierenden Ausdrücke werden von der App sofort erkannt und bös dunkelrot unterpunktet.

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Das Logo von «Just Not Sorry».
bild: google chrome

Was kann das Dunkelrot nur bedeuten, fragt man sich da als naturgemäss unsichere Mail-Schreiberin sofort. Geronnenes Mens-Blut? Aber gut sagt's mal jemand! Das winzige «just» («nur», «bloss», «eben») etwa, dieses harmlose Gleitmittelchen, das grosse Sätze geschmeidiger macht, «shrinks your power», heisst es. Eine Törin, wer dabei nicht an schmelzende Bankkonti oder schrumpfende Eierstöcke denkt. Sorry, this is just a very geschmackloser Vergleich. 

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Das Logo von «Ghostbusters».
bild: wikimedia

Mehr, als nach den erwähnten sechs «schwachen» Ausdrücken zu fahnden, kann die App aber nicht. Begriffe wie «ich würde/hätte gern», «ich schlage vor», «ich möchte», «ich bin nicht sicher», «ich frage mich», «vielleicht», «meiner Ansicht nach», «es scheint», «eventuell», «es könnte sein», «es ist wahrscheinlich», «wenn du magst» dürfen weiterhin unsicher in der Gegend herum schwanken.

Sie machen also weiterhin die Mail-Welt umständlich. Verströmen aber bei allem Überfluss auch eine Höflichkeit, die oft ganz einfach angenehm ist. Übrigens werden sie auch von Männern gern verwendet. Ach ja, Kontexte erkennt die App ebenfalls nicht. Wir haben es ausprobiert. Sie ist in sämtliche Fallen getappt.

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bild: watson

Der Blog language: a feminist guide hat die App umgehend zur «crap app» gekürt, also zur Scheissapp. Und das, obwohl ihre Erfinderin Tami Reiss doch möchte (pardon, will), dass jede Frau sich «Just Not Sorry» zum Neujahrsvorsatz nimmt. Just. Not.

(sme)

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