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Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel der Swisscom. Der kleine Provider Init7 aus Winterthur widersetzt sich der Marktmacht des «Blauen Riesen» und will direkten Zugang zu den ultraschnellen Datenautobahnen der Zukunft erkämpfen – bislang mit Erfolg.
Ein Arbeiter montiert Glasfaserkabel der Swisscom. Der kleine Provider Init7 aus Winterthur widersetzt sich der Marktmacht des «Blauen Riesen» und will direkten Zugang zu den ultraschnellen Datenautobahnen der Zukunft erkämpfen – bislang mit Erfolg.archivBild: KEYSTONE

Im Glasfaserstreit mit der Swisscom nimmt der Init7-Chef kein Blatt vor den Mund

13.01.2022, 16:5413.01.2022, 17:20

Der kleine Internet-Provider Init7 zeigt sich im Glasfaserstreit mit dem Marktriesen Swisscom unnachgiebig: Ein Kompromissangebot der Swisscom für den Zugang zu den Datenautobahnen lehnt Init7-Chef Fredy Künzler vehement ab. In einem aktuellen Interview (siehe Quellen) erklärt der Unternehmer und SP-Politiker aus Winterthur, was ihn antreibt.

Um was geht es?

Im Streit geht es darum, ob die Swisscom das Glasfasernetz nach dem Einfasermodell mit nur einer Zuleitung von der Telefonzentrale bis zum Strassenschacht bauen darf, oder ob sie wie bisher vier Fasern pro Haushalt legen muss.

Ein Ausbau nach dem Einfasermodell («Point-to-Multipoint») wäre günstiger und schneller. Das Vierfasermodell («Point-to-Point») würde die Erschliessung der ländlichen Gebiete laut Swisscom deutlich verzögern, da in 80 Prozent der Gemeinden die Strassen aufgerissen werden müssten, um die Kabelschächte zu erweitern, argumentierte das grösste Telekommunikations-Unternehmen der Schweiz.

Gegen das Einfasermodell hatte Init7 vor der Eidgenössischen Wettbewerbskommission (Weko) geklagt, da Swisscom den Wettbewerb dadurch verunmögliche.

In der Folge erliess die Weko vorsorgliche Massnahmen gegen die Swisscom und stoppte damit den weiteren Ausbau mit dem Einfasermodell. Mehrere 10'000 schon verlegte Anschlüsse können nun nicht aufgeschaltet werden.

Einen Rekurs der Swisscom gegen die Weko hatte das Bundesverwaltungsgericht Anfang Oktober abgewiesen. Die Richter gehen davon aus, dass ein Ausbau des Glasfasernetzes mit dem Einfasermodell ein missbräuchliches Verhalten eines marktbeherrschenden Unternehmens darstellt. Auch vor Bundesgericht blitzte die Swisscom ab.

«Die Schweiz hat das Bedürfnis und das Recht auf eine nachhaltige Telekom-Infrastruktur, die für die nächsten 30 bis 40 Jahre brauchbar ist. Ohne ein offenes Point-to-Point-Glasfasernetz steht die Innovation still.»
Fredy Künzler, Init7

Was für einen Kompromiss bietet die Swisscom?

Um den Streit beizulegen, unterbreitete die Swisscom Ende Dezember der Weko einen Lösungsvorschlag mit einem virtuellen Zugang auf Layer 1 des Glasfasernetzes (V-ALO).

Bei einem Layer-1-Produkt stellen die Wettbewerber der Swisscom ihre eigenen technischen Anlagen in die Telefonzentralen der Swisscom. Damit können sie eigene Angebote lancieren, die sich von den Produkten der Marktführerin abheben.

Allerdings wäre diese mit der von der Swisscom vorgeschlagenen Lösung nur virtuell möglich, aber nicht physisch wie im Vierfasermodell. Der virtuelle Zugriff sei also nicht ganz dem physischen gleichzusetzen, hatte Swisscom-Technikchef Christoph Aeschlimann damals eingestanden.

Der Init7-Chef geht in den Angriffsmodus

Von der Swisscom-Lösung hält Init7-Chef Künzler gar nichts: Der virtuelle Zugang V-ALO sei viel schlechter als ein Layer-1-Produkt. «Es ist limitiert auf 10 Gigabit-Leitungen», sagt er in dem Interview mit dem Portal «Inside-IT».

«Daher ist der Innovationswettbewerb beseitigt, und die Swisscom kann auch hier kontrollieren, welche Produkte die anderen Provider anbieten können. Der Zugang ist zudem nicht kostenorientiert, also auch beim Preis bliebe es beim Pseudo-Wettbewerb. Deshalb wehren wir uns dagegen.»
Fredy Künzler, CEO und Gründer des Providers Init7.
Fredy Künzler, CEO und Gründer des Providers Init7.Bild: SP Winterthur

«V-ALO ist ein weiterer Versuch von Swisscom, der Weko Valium einzuflössen», sagt Künzler. Das merke man schon daran, dass V-ALO genau besehen ein Layer-2-Produkt sei und kein Layer-1-Produkt. «Die Bezeichnung 'ALO', also wie das bisherige Layer-1-Produkt bezeichnet wird, ist also gezielt irreführend. Man will die Weko täuschen.»

Mit Blick auf die Konkurrenz, die sich für die Swisscom-Strategie ausgesprochen hat, sagt der Init7-Chef:

«Wir setzen auf Layer 1 von Vorleistern und investieren in den eigenen Layer 2, nicht so wie andere, die nur vorkonfektionierte Swisscom-Produkte weiterverkaufen. Damit zwingen wir die Konkurrenz, nachzuziehen und besser zu werden.»

Init7 zahle für jede Faser eine anständige Miete.

Den Vorwurf, dass über 100'000 Haushalte auf ihren Glasfaserschluss warten müssten, weist Künzler zurück:

«Wir haben nicht vorsätzlich nach dem falschen Modell gebaut und einen Millionenschaden verursacht. Das hat die Swisscom-Geschäftsleitung ganz allein zu verantworten.»

Dass dies so sei, könne man im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts nachlesen, sagt Künzler. Das sei ein unternehmerischer Entscheid von Swisscom gewesen.

«Aber der Bund als Mehrheitsbesitzer und wichtigster Stakeholder ist genauso davon betroffen wie die Bevölkerung, und man wundert sich eigentlich, dass eine Geschäftsleitung, die vorsätzlich und wissentlich Millionen in den Sand gesetzt hat, nicht längst abgesetzt worden ist.»

Warum setzt man statt auf Glasfaser nicht einfach auf 5G-Mobilfunk?

Dazu der Init7-Chef:

«Mobilfunknetze sind rasch hoffnungslos überlastet, sie skalieren nicht genügend. Glasfasern bieten auf Jahrzehnte hinaus eine funktionierende, sichere und solide Telekominfrastruktur.»
quelle: inside-it.ch

Quellen

(dsc/sda/awp)

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