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epa07131498 Apple CEO Tim Cook speaks during an Apple special event at the Howard Gilman Opera House at the Brooklyn Academy of Music before the start of an Apple event in New York, New York, USA, 30 October 2018. The event follows soon after a major Apple iPhone product launch in September 2018.  EPA/JUSTIN LANE

Nach iPhone, iPad und Co. setzt Apple auch bei den Macs auf eigene Chips. Die Integration von Hardware und Software könnte die User noch stärker ans Ökosystem binden. archivBild: EPA

Analyse

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Apples Mac-Revolution und den Folgen für die User

Nach dem iPhone und iPad designt Apple nun auch die Chips für seine Laptops und Desktop-Computer selber. Das sind die wichtigsten Fakten.



Wie bei den iPhones und iPads setzt Apple nun auch bei seinen Mac-Computern auf eigene Chips. Die Abkehr von Intel-Prozessoren hat weitreichende Folgen. Dieser Beitrag dreht sich um die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum tut Apple das?

Apple erhofft sich vom Alleingang gewichtige Wettbewerbsvorteile gegenüber der Windows-Konkurrenz. Den gleichen Schritt hatten die Kalifornier bei den iPhones und iPads schon vor zehn Jahren gewagt. Heute gelten Apples hauseigene mobile «Chips» als weltweit führend.

Im hart umkämpften PC-Geschäft könnte Apple den bislang kleinen Marktanteil (um die 10 Prozent) deutlich vergrössern: Apple verspricht mit der Umstellung auf die hauseigenen M1-Chips einen spürbaren Leistungszuwachs und geringeren Stromverbrauch, also viel längere Akkulaufzeiten.

Richtig interessant werde es, wenn Apple in rund zwei Jahren den Umstieg auf eigene Mac-Chips vollzogen habe, hält der deutsche Tech-Journalist Mathias Kremp vom «Spiegel» in einer lesenswerten Analyse fest (siehe Quellen).

«Auf Basis eines integrierten Chips – dann könnte es schon der M3 sein – wären etwa noch dünnere Notebooks und kleinere PCs denkbar. Vor allem aber neue Funktionen und Fähigkeiten, die mit einem Computer auf Basis herkömmlicher Bauteile nicht realisierbar wären. Genau das hat Apple beispielsweise beim iPhone mit der Gesichtserkennung Face ID getan.»

quelle: spiegel.de

Mit dem Umstieg auf eigene Chips werfe Apple auch verschiedene Zusatz-Chips, wie etwa externe Grafikprozessoren und den eigenen T2-Sicherheitschip, über Bord, heisst es in der «Spiegel»-Analyse. Weniger zusätzliche Chips bedeuteten, «dass die Hauptplatinen einfacher und kleiner werden, sich die Zahl der Bauteile verringert und damit auch die Herstellung einfacher und billiger wird». Darum freuten sich auch die Aktionäre über die neue Technik, weil sie höhere Gewinnmargen und damit fettere Dividenden einbringe.

Zudem kann das Unternehmen mit eigenen Chips seine Unabhängigkeit stärken und wirtschaftliche Risiken verringern. In der Vergangenheit hatte sich Intel als nicht immer verlässlicher Partner erwiesen. Wiederholt kam es bei der Lancierung neuer Prozessor-Generationen zu Verzögerungen. Zudem droht durch Huawei, das wegen der US-Sanktionen die Chip-Entwicklung forciert, starke neue Konkurrenz.

«Ein eigenes Betriebssystem, Harmony OS, hat der Konzern nahezu betriebsbereit. In ein paar Jahren könnten die Chinesen mit dieser Kombination in der Lage sein, ein ebenso integriertes System zu erschaffen, wie es Apple gerade vorgestellt hat.»

quelle: spiegel.de

In welchen neuen Geräten steckt der Apple M1?

Vorläufig nur in drei neuen Modellen, die ab sofort bestellt werden können. Weitere werden 2021 folgen.

Wobei es weiter Macs mit Intel-Prozessor gibt. Zumindest vorläufig, bis der Umstieg vollzogen wurde. Auf der Software-Seite sind Änderungen nötig (siehe unten). Apple räumt sich und den Entwicklern eine zweijährige Übergangszeit ein.

Was ist «Apple M1»?

So nennt Apple die erste Generation seines neuen Chips, der neue Mac-Modelle antreibt. Es ist nicht nur ein Prozessor, sondern ein System-on-a-Chip (SoC), bestehend aus verschiedenen Prozessorkernen und diversen Chips. (Der Einfachheit halber bezeichnet Apple das SoC als «Chip».)

Im Apple-M1-Chip stecken neben den Prozessorkernen ein Grafikprozessor, die sogenannte Neural Engine für maschinelles Lernen, Arbeitsspeicher (RAM) und etliche weitere auf bestimmte Aufgaben spezialisierte Schaltkreise.

In der «tiefen Integration von Hardware und Software» liegt laut «Spiegel»-Analyse das Geheimnis für «die erstaunliche Steigerung von Leistung und Ausdauer», die Apple für die ersten mit dem M1 bestückten Geräte verspreche.

Wo ist aus Käufersicht der Haken?

Zwar belässt Apple die Einstiegspreise für die neuen Macbooks mit M1-Prozessor in etwa gleich, und den neuen Desktop-Rechner Mac Mini gibts sogar etwas günstiger (im Vergleich zum 2018 lancierten Vorgängermodell). Zusätzlicher Arbeitsspeicher (RAM) ist allerdings teuer, wie der «Spiegel»-Journalist Kremp in seiner Analyse festhält.

Wer eines der neuen Macbooks mit 16 statt der standardmässig verbauten acht Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher bestellt, muss für die Speicherverdopplung 270 Franken hinblättern – fast 34 Franken pro Gigabyte. Für Windows-Notebooks würden im Zubehörhandel Nachrüst-Speicherbausteine zu Preisen um vier Euro pro Gigabyte angeboten. Doch dieser Weg sei bei den neuen Apple-Rechnern ausgeschlossen.

Zu einem späteren Zeitpunkt erweitern lässt sich die bei der Bestellung getätigte Hardware-Konfiguration nicht. Man kann also nicht mit mehr Arbeitsspeicher aufrüsten.

Der österreichische Techjournalist Andreas Proschofsky weist in seiner auffallend kritischen Analyse darauf hin, dass eine der bisher spannendsten Möglichkeiten der Thunderbolt-Schnittstelle wegfalle, nämlich dass externe Grafikkarten genutzt werden konnten – sogenannte eGPUs.

«Auch das kann man mit der neuen Hardwaregeneration vergessen, eGPUs werden da nämlich nicht mehr unterstützt. Grund dürfte hier ebenfalls die enge Integration der Komponenten sein. Das Aufbrechen dieses Pakets würde wohl dazu führen, dass man viele der abgegebenen Versprechen nicht mehr halten kann. Hier zeigen sich einmal mehr die Vor- und Nachteile eines hochintegrierten vs. eines modularen Systems.»

quelle: derstandard.at

Was ist mit ARM-Macs gemeint?

Apples M1-Chip basiert auf der ARM-Architektur, die vom gleichnamigen britischen Unternehmen stammt und sich grundlegend von den Prozessoren des Marktführers Intel und des Konkurrenten AMD unterscheidet. Der Apple M1 beinhaltet diverse Zusatz-Chips, die auch selbst produziert werden bzw. vom Apple-Partner TSMC (Taiwan) kommen.

Von den neuen Macs als ARM-Macs zu sprechen, wäre laut «Spiegel»-Journalist Mathias Kremp falsch. Zwar stecke auch im M1 Technologie von ARM, aber nur ein kleiner Teil. Denn Apple habe von ARM nicht das eigentliche Prozessordesign lizenziert, sondern nur den Befehlssatz, den die Chips benutzen, «im Grunde also Software». Die Prozessoren, auf denen diese Software laufe, entwickle Apple seit Jahren selbst – und mache dabei vieles anders als die Konkurrenz.

Was ist mit dem Lüfter?

Zwar ist in den drei am Dienstag vorgestellten, neuen Mac-Modellen der gleiche M1-Chip verbaut. Doch unterscheiden sich die Geräte bezüglich Performance, weil nicht in allen eine aktive Lüftung vorhanden ist. Das Macbook Air besitzt keinen Ventilator und muss von sich aus abkühlen.

Anders als bei den Macs mit Intel-Prozessor gibt Apple für die Geräte mit M1-Chip keine Taktfrequenz an. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen auf die Metrik «Leistung pro Watt». Und die unterscheidet sich bei den am Dienstag vorgestellten neuen Macs, wie «Spiegel» schreibt.

Im lüfter- und deshalb lautlosen MacBook Air stosse der M1 bei lang anhaltend hoher Belastung an seine thermischen Grenzen und reduziere seine Geschwindigkeit, um nicht zu überhitzen. «Im MacBook Pro und Mac Mini hingegen pusten kleine Lüfter die Abwärme des Chips aus dem Gehäuse weshalb dieser länger mit Vollgas, also hoher Taktfrequenz, laufen kann, was etwa beim Videoschnitt wichtig ist.»

Bild

Ob die Performance-Versprechen gehalten werden, müssen Praxistests zeigen. grafik: apple

Laufen iPhone- und iPad-Apps neu auf dem Mac?

Ja.

Während der Veranstaltung von Apple am Dienstag kündigte Adobe an, dass man «Lightroom» und «Photoshop» auf Apples neue M1-Computer bringen werde. Und auch Microsoft will seine Office-Bürosoftware zeitnah portieren.

Zuvor hatte 9to5Mac berichtet, dass einige grosse iOS-App-Entwickler entschieden hätten, ihre Apps nicht im Mac App Store für Besitzer eines Apple-Silicon Mac anzubieten – zumindest vorläufig nicht.

Obwohl standardmässig alle iOS-Apps im Mac App Store verfügbar seien, erlaube Apple den Entwicklern, ihre iOS-Apps aus dem neuen «Unified Store» zu entfernen.

Zu den grossen Abwesenden gehören laut 9to5mac diverse Google-Apps, darunter YouTube, Google Maps und Google Drive. Auch Facebook mache vorläufig nicht mit. Wie auch Instagram, WhatsApp und Facebook Messenger.

9to5mac ruft in Erinnerung, dass sich in der Übergangsphase vieles sehr schnell ändern könne: Einige Entwickler hätten sich vielleicht dafür entschieden, ihre Anwendungen vorübergehend aus dem Mac App Store zu entfernen, «bis sie sichergestellt haben, dass die Anwendungen auf dem Apple Silicon Mac einwandfrei funktionieren», während andere Anbieter sich noch nicht entschieden hätten, ob sie ihre Anwendungen aus dem Store entfernen wollen oder nicht.

«Designed for iPad. Not verified for macOS.»

Diesen Hinweis gibts im Mac-App-Store bei iPad-Apps, die auch auf den neuen Macs laufen sollten

Was merken User von den neuen Chips?

Wie schnell und leistungsfähig ist der neue Chip?

Dazu gibts noch keine verlässlichen Angaben von unabhängigen Dritten. Rund um den Verkaufsstart dürften solche Vergleichstests (Benchmarks) bald vorliegen.

epa08812394 In this still image provided by Apple at Apple Park in Cupertino, California, USA, 10 November 2020, Apple introduces three new Macs, kicking off the company's transition to its own custom silicon for the Mac in the new MacBook Air, MacBook Pro 13 inch, and Mac mini.  EPA/APPLE INC. / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Die drei Neuen: Macbook Air und Macbook Pro (je 13,3 Zoll) und der Mac Mini (von links). Bild: apple

Läuft Windows-Software auch auf den M1-Macs?

Auf Intel-Macs läuft bekanntlich auch das Microsoft-Betriebssystem Windows. Apple selbst bietet dafür das Software-Tool Boot Camp an, das allerdings mit macOS Big Sur nicht unterstützt wird. Dann gibts sogenannte Virtualisierungs-Programme, um eine Windows-Umgebung zu emulieren. Zu den populärsten Anbietern gehört die Firma Parallels. Sie stellt Mac-Nutzern eine baldige Lösung in Aussicht:

«Es ist wichtig zu beachten, dass derzeit verfügbare Versionen von Parallels Desktop für Mac keine virtuellen Maschinen auf Mac mit Apple M1-Chip ausführen können. Gute Nachrichten: Eine neue Version von Parallels Desktop für Mac, die auf Mac mit Apple M1-Chip ausgeführt werden kann, befindet sich bereits in aktiver Entwicklung.»

quelle: parallels.com

Welche Risiken birgt die Umstellung für Apple?

Aktuell sei die Situation für Apple mehr als günstig, einen solchen Umstieg zu verkünden, kommentierte «MacTechNews». Apple mache mit seinen eigenen Chips riesige Fortschritte auf hohem Niveau und bei den x86-Prozessoren gehe es nur langsam voran. Doch was, wenn das Blatt sich wende und plötzlich AMD oder Intel einen Durchbruch erzielten?

«Sollte Apple nicht Schritt halten können, wäre dies ein grosses Risiko für den Mac: Normalanwender haben zwar in der heutigen Zeit auf halbwegs aktueller Hardware kaum noch mit Performance-Problemen zu kämpfen – doch sobald sich herumspricht, dass Apple-Chips langsamer als die Konkurrenz sind, werden weniger Käufer bereit sein, höhere Preise für Macs auf den Tisch zu legen.»

Apples zehnjährige Erfolgsgeschichte mit der Entwicklung von iPhone- und iPad-Chips lässt diesbezüglich wenig befürchten. Der Alleingang ist aber sicher ein Wagnis.

Microsoft, Lenovo und andere Hersteller hätten in der Vergangenheit immer wieder Notebooks mit einer ARM-Version von Windows 10 auf den Markt gebracht, die aber nie Erfolg hatten. Laut Experten wegen mangelnder Kompatibilität.

Wann kommt das neue Mac-Betriebssystem?

Apple hat am Dienstagabend das Veröffentlichungsdatum des neuen Mac-Betriebssystems macOS 11 Big Sur kommuniziert. Das Software-Update sei am 12. November verfügbar.

macOS Big Sur wurde unter der Haube komplett neu gestaltet, damit es auch mit den neuen Apple-Silicon-Macs läuft. Zudem rückt die Benutzeroberfläche näher an die iPhone-Software iOS heran. Alles ist bunter und moderner.

Kompatibel sind folgende Macs:

Was ist «Rosetta 2»?

Um den Wechsel auf die neue Prozessor-Architektur reibungslos ablaufen zu lassen, beinhaltet macOS Big Sur eine Art automatisches Übersetzungsprogramm für bisherige Software. Apple bezeichnet dieses Tool als Rosetta 2.

Mit Rosetta 2 sollen vorhandene Anwendungen während der Installation automatisch übersetzt werden. Damit soll es also möglich sein, dass Programme, die von Entwicklern noch nicht vollständig (für die neue Apple-Prozessoren) angepasst wurden, dennoch ohne Änderungen funktionieren.

Die erste Generation von Rosetta hatte Apple für die Umstellung von Macs mit PowerPC-Prozessor auf Intel-basierte Macs in den Jahren 2006 bis 2009 eingesetzt.

Laufen alte Programme auf den neuen Macs?

Siehe oben (Rosetta 2).

Kurzfassung: Ältere Mac-Programme laufen als Emulation auf den neuen Macs. Das sollte automatisch geschehen. Hier besteht aber noch ein gewaltiger Aufklärungsbedarf. Apple sollte unbedingt aktiv informieren in den nächsten Tagen respektive wenn dann macOS 11 Big Sur verfügbar ist.

Was passiert mit den bisherigen Macs?

Sie können natürlich weiter genutzt werden.

Einen harten Bruch mit der Intel-Generation will Apple ganz im Sinn der Mac-Nutzerschaft vermeiden.

Alle Macs mit Intel-Prozessor sollen noch viele Jahre macOS-System-Updates erhalten, man werde auch noch einige Macs mit Intel-Prozessor vorstellen, versprach Apple schon im Sommer 2020 bei der Vorankündigung der Umstellung.

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA-Keystone.

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