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maulan und jennifer lawrence

Warum das Internet tobt, wenn eine weisse Schauspielerin Mulan spielen soll

Disney interessiert sich für Jennifer Lawrence. Zu Recht – sie ist eine tolle Schauspielerin. Doch müssen es immer Weisse sein, die die Rollen von Asiaten, Afroamerikanern, Hispanier oder Transmenschen spielen? Zumindest auf Twitter regt man sich über Hollywood mächtig auf. 



Am vergangenen Montag streute die satirische Entertainment-Nachrichtenagentur Unreel News folgende Information via Twitter: «Berichten zufolge ist Disney an Jennifer Lawrence als Protagonistin in der Realverfilmung von ‹Mulan› interessiert.» 

Whitewashing

engl. für Weisswascherei

Der Begriff «Whitewashing» wird in den Kulturwissenschaften für die Verzerrung von Tatsachen und Geschichten durch eine weiss dominierte westliche Sicht verwendet.
Zum Beispiel wenn weisse Schauspieler die Rolle einer schwarzen Figur besetzten. Damit wird nicht nur die Wirkung der eigentlichen Geschichte verfälscht, sondern auch schwarzen Schauspielerinnen und Schauspielern die Chance auf Arbeit und Sichtbarkeit verwehrt.  

Wer den Disney-Klassiker «Mulan» nicht kennt, hat eine Bildungslücke und definitiv einen Film mehr auf der To-watch-Liste. Der bahnbrechende Animationsfilm aus dem Jahre 1998 handelt von Mulan Fa, einem chinesischen Mädchen aus einer mittelständischen Familie, das anstelle ihres Vaters als Mann verkleidet in den Krieg zieht. Mulan rettet ihr gesamtes Land vor den Hunnen, befreit den Kaiser aus der Geiselhaft und wird zur Nationalheldin. Als Frau. In China.   

«Mulan» war einer der ersten (und immer noch wenigen) Filme aus dem Hause Disney, der sich vom passiv dekorativen Frauenbild entfernt und zudem noch in China spielt. Er widerspricht dem Vorurteil der zierlichen asiatischen Frau und wurde dementsprechend von Feministinnen und vor allem auch von im Westen lebenden Asiatinnen sehr geschätzt. 

Jennifer Lawrence als Mulan??? Was für eine Art von Rumfickerei ist das denn.

Die Produktion steht noch ganz am Anfang. Was bis jetzt bekannt ist, brodelt noch aus der Gerüchteküche. Der Shitstorm, um die Besetzung der Hauptrolle ist jedoch schon voll im Gange. 

Das ist äusserst hässlich. Es gibt duzende asiatische Schauspielerinnen.

@adovremendes: Ernsthaft? Jennifer Lawrence ist so hübsch.
@TDKAU_783: Sie meinte, dass die Idee, dass ein weisses Mädchen eine Asiatin spielt, die China rettet, irgendwie hässlich und traurig ist.

«Mulan»-Fans und Medienkritische sind über die Vorstellung empört, dass die Rolle von einer weissen Frau besetzt werden könnte. 

Mulan ist eine zu knallharte Badass-Bitch, um von einer weissen, mustergültigen Jennifer Lawrence gespielt zu werden. 

Für die Realverfilmung von Mulan wurde nun eine Petition lanciert, die verhindern soll, die bestärkende chinesische Legende in einen weissgewaschenen Blockbuster zu verwandeln.  

Eine berechtigte Angst, denn die Film-Industrie um Hollywood betreibt Whitewashing quasi als Tradition. Das beweisen folgende Beispiele aus der Filmgeschichte. 

Hei Hollywood, manchmal bist du ein echter Dubbel! 

«The Good Earth» (1937)

whitewashing

bild: complex

Früh hat's schon begonnen. Der Film The Good Earth, der auf dem gleichnamigen Roman von Pearl S. Buck basiert, gilt als einer der rassistischsten Filme der Geschichte. Er handelt von einer chinesischen Bauernfamilie, doch jeder einzelne Hauptcharakter ist weiss. Im Film ist also ein Haufen weisser amerikanischer Schauspieler mit einer Tonne gelber Schminke und aufgemalten Schlitzaugen zu sehen. Bääh! 

«Apache» (1954)

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bild: complex

Haben die USA den amerikanischen Ureinwohner nicht schon genug angetan? – Hollywood meint nein. Deshalb engagierten sie wohl den blauäugigen Burt Lancaster als  Kriegshelden der Apachen. Ein paar mal für zwei Minuten zu lange ins Solarium und wir haben den perfekten Indianer. Niiiicht. 

«Breakfast at Tiffany's» (1961)

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bild: complex

Breakfast at Tiffany's ist für viele ein romantischer Evergreen. Neben der Romantik steckt auch eine gehörige Portion von «humorvollem» Rassismus in diesem Streifen. Mickey Rooney spielt einen japanischen Mann, der vor stereotypischen Klischees strotzt, sodass der Charakter sogar mit einer japanischen Besetzung noch ein No-go wäre.  

«The Greatest Story Ever Told» (1965)

whitewashing

bild: moviepilot

Jesus von Nazareth ist zweifelsohne eine der spannendsten Figuren der Weltgeschichte. Wir vermuten, glauben und rätseln um ihn und sein Leben herum, doch eines wissen wir, er war bestimmt nicht weiss. Weiss sind aber alle Darsteller, die in einer Grossproduktion den christlichen Messias verkörpern. Weder Max von Sydow, noch William Dafoe («The Last Temptation of Christ») oder Jim Caviziel («The Passion») kommen also der Figur nahe. 

«A Beautiful Mind» (2001) 

Bild

bild: complex

Bei den Verfilmungen von wahren Geschichten, nehmen sich die Produzenten die Freiheit, die Geschichte zu verändern. In A Beautiful Mind geschieht diese Änderung darin, dass Jennifer Connelly an der Seite von John Nash als seine Frau Alice steht. Alice ist aus El Salvador und somit der hispanischen Ethnie zugehörig. Eine freie Änderung für die Filmemacher, eine Job-Barriere für hispanische Schauspielerinnen. Penelope Cruz hätte das bestimmt genau so gut gemacht. 

«The Hunger Games» (2012)

whitewashing

bild: complex

Jennifer Lawrence zum zweiten. Die junge Schauspielerin war der Star der vierteiligen Filmreihe Tributes of Panem, wofür sie auch mit zahlreichen Auszeichnungen belohnt wurde. Bei impulsiven und furchtlosen Figur der Katniss Everdeen aus District 12 handelt es sich im Roman jedoch explizit um eine nicht-weisse Person. Katniss wird als junge Frau mit schwarzem Haar und olivenholzfarbener Haut beschrieben.  

«Doctor Strange» (2016)

Tilda Swinton in Doctor Strange

bild: variety

Tilda statt Tibet. Die aus einem uralten schottischen Clan stammende Schauspielerin Tilda Swinton spielt in der Realverfilmung eines Marvel-Comics die Figur namens «Ancient One». Dabei handelt es sich um den tibetischen Mentor des Superhelden, der dem Film als Hauptfigur dient. Die Filmemacher rechtfertigen die Besetzung mit politischer Vorsicht. Hätte man einen Tibeter für die Rolle engagiert, wäre der Film in chinesischen Kinos nicht gezeigt worden. 
Der Film wird voraussichtlich ab Oktober in den Schweizer Kinos
laufen.

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