Food
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Marcella Hazan

Signora Hazan auf der Suche nach gutem Gemüse.
Bild: Andri Pol

Jubelt, Leute! Marcella Hazan ist zurück! La Mamma, die wir mit vollem Mund und Magen lieben

Ein Weihnachtswunder ist geschehen: Das beste italienische Kochbuch der Welt ist endlich wieder auf Deutsch erhältlich. Unter den Baum damit!



Am Tag vor ihrem Tod kochte sie noch einmal ligurische Trofie mit Basilikumpesto für sich und ihren Mann Victor. Und rauchte ein paar Päckchen Zigaretten. Das war an einem Samstag im Oktober 2013, das Basilikum hatte sie selbst gezogen in ihrem Garten in Longboat Key, Florida, wo sie seit Jahren Fans und Journalisten empfing.

Am Sonntag starb Marcella Hazan mit 89 Jahren. «Gott hat jetzt die beste Köchin in seiner Küche stehen», hiess es in einem Nachruf. Sie hatte ihr Leben und ihr Essen genossen. Sie, die Patin der italienischen Kochkunst. Deren Kochbuch «Die klassische italienische Küche» seit seinem Erscheinen 1992 auf ungefähr jeder Wunschliste jedes Foodies auf diesem Planeten steht. Ein Buch, viiiiel besser als die Bibel!

Marcella Hazan

alle illustrationen: Echtzeit Verlag

Marcella Hazan

Gerade wurde es von Köchen, Foodbloggern und Kritikern zum weltweit neuntbesten Kochbuch von 1000 und zum wichtigsten italienischen Kochbuch überhaupt gewählt. Der erste Jamie Oliver befindet sich exakt 70 Ränge weiter hinten.

Auf Deutsch war es jahrelang vergriffen, jetzt hat es der Basler Echtzeit-Verlag neu herausgegeben. Unter den Weihnachtsbaum damit! Denn was wären wir alle ohne Italiens Küche! Und da sind sie: Die berühmteste, sähmigste, leckerste, reinste und einfachste Tomatensauce der Welt, die einzig aus Tomaten, Butter, Salz und einer Zwiebel besteht. Das legendäre, mit Zitronen gefüllte Poulet. Der in Milch geschmorte Schweinebraten. Die Granita die caffè con panna. 600 Seiten Italien. 600 Seiten Glückseligkeit.

Und da sind ihre Menü-Vorschläge, etwa «Ein elegantes Menü mit hausgemachter Pasta» oder «Ein Fischmenü für Feinschmecker», beide natürlich mit unzähligen Variations-Möglichkeiten. Oder das grosse Grundlagen-Glossar der italienischen Küche, mit dem wir ab sofort jede italienische Speisekarte viel besser verstehen. Die grandios genauen Mengenangaben wie «15 g Butter», «225 g frischer Ricotta», oder «675 g Rigattoni», «170 g Mangoldstiele». Dazu nüchterne Beschreibungen, kein Softporno wie bei Nigella Lawson.

Marcella Hazan

Marcella Hazan

Marcella Hazan mochte sowas nicht, eine Verschwendung von Worten und Bildern war ihr zuwider. Weshalb ihr Buch auch nur im äussersten Notfall mit sparsamen Illustrationen (siehe Bilder) auskommt. Sie war ganz streng auf der Suche nach der ultimativ besten Fassung eines Rezepts. Und die fand sie immer. Und deshalb gelingt auch alles. Wenn man ihr gehorcht.

Zur Welt kam die Frau, die auf Adriano Celentano und Barack Obama stand, 1924 als Marcella Polini in der Emilia Romagna. Ihr Vater war ein italienischer Schneider, die Mutter kam aus Beirut, Marcellas frühe Jahre verbrachten die Polinis in Ägypten. Mit sieben verunfallte sie am Strand, brach sich den rechten Arm, er blieb fortan verkrüppelt. Sie konnte mit ihrer rechten Hand nur gerade ein Messer oder eine Zwiebel halten. Den Rest ihrer Kochkunst erledigte sie mit links.

Marcella Hazan

Marcella Hazan

Doch zuerst konnte sie gar nicht kochen. Zuerst studierte und lehrte sie nämlich Biologie. Bis Victor kam und mit ihm die grosse Liebe. Victor war ein sephardischer Jude, seine Familie war bei Kriegsausbruch von Italien nach New York geflohen, und Victor nahm seine Marcella 1955 mit nach New York. Sie arbeitete zuerst als Zahntechnikerin, aber ihr Englisch war inexistent – und wurde auch nie perfekt –, und Victor wollte eine gute Köchin zuhause. Marcella sass also in ihrer Wohnung, schaute Sport im Fernsehen, lernte so ihr erstes Englisch, rauchte viel und beugte sich über italienische Kochbücher.

Bild

Junge Liebe: Marcella und Victor, 1952 in Italien.
bild: victor hazan

Bild

Marcella Hazans italienische, handschriftliche Fassung eines Fenchelsalat-Rezeptes.
bild: echtzeit verlag

Und dann kam alles wie von selbst. Ihre Zunge erinnerte sich an Zuhause. Ihre Kenntnisse als Naturwissenschafterin halfen ihr, die exakten Dosierungen, Temperaturen und Kochzeiten zu finden, die es brauchte, um eine Textur, um einen Geschmack «auf den Punkt» zu bringen, wie es in den TV-Kochsendungen immer heisst.

Marcella Hazan

Marcella Hazan

Alles war gut, jedenfalls solange sie zuhause am Herd stand. Sobald sie aus dem Haus ging, wurde es furchtbar. Erstens, weil New York unter «italienischer Küche» rot-weiss-karierte Tischtücher, in Stroh gepackte Chianti-Flaschen, Spaghetti mit Ketchup und viel zu viel Knoblauch verstand.

Zweitens wegen der Supermärkte. «Ich hatte in Italien noch nie einen Supermarkt gesehen», sagte sie, «die Hühner kamen vom Bauern und waren lebendig. Und im Supermarkt waren sie sehr tot. Sie waren eingepackt. Wie in einem Sarg. Nichts war natürlich.» Sie suchte nach Märkten. An Orten, die andere Hausfrauen mieden. Zum Beispiel in der Bronx.

Und so kam Marcella zu ihrer italienischen Mission. Die wiederum mit einem chinesischen Kochkurs begann, den sie besuchte. Wo sie derart bestechend die Beste war, dass alle Teilnehmerinnen bei ihr einen italienischen Kochkurs besuchen wollten. 1970 schneite ein Foodkritiker der «New York Times» bei ihr herein, «seither musste ich mir keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich mich beschäftigen soll».

Marcella Hazan

Marcella Hazan

Ihr Victor, der sich so sehr eine perfekte Köchin gewünscht hatte, wurde zum perfekten Köchinnengatten. Er übersetzte Marcellas italienische Rezepte auf Englisch, und ihre Bücher eroberten New York, Amerika, die Welt.

Heute führt er treusorgend ihren Facebook-Account weiter. Beschreibt, wie er ihre Rezepte nachkocht, auf welchen italienischen Märkten er ihren Lieblings-Radicchio findet, und dass ihr liebstes, von Amerikanern erfundenes Gericht ein deftig mit Senf garnierter Hot Dog war. Aber nicht überall, sondern mit besonderer Vorliebe auf Flughäfen. 

«Die klassische Italienische Küche» ist nicht einfach ein Buch. Es ist auch die Geschichte einer riesengrosse Liebe, die tatsächlich durch den Magen ging. 

Marcella Hazan: Die klassische italienische Küche. 450 Rezepte. Echtzeit Verlag. 600 Seiten, ca. 60 Franken. Überall im Buchhandel oder direkt beim Verlag («bestellen» anklicken).

Spaghetti alla carbonara – und zwar richtig

Das könnte dich auch interessieren:

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

157
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

57
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Lehrer M. zur Pisa-Studie: «Schüler erzählen mir fast triumphierend, dass sie nicht lesen»

157
Link zum Artikel

Toiletgate im Weissen Haus: Wegen Trumps Klo-Tirade lacht das Internet Tränen

48
Link zum Artikel

Stell dir deine Pizza zusammen und wir sagen dir, ob du Gourmet oder Banause bist

157
Link zum Artikel

8 Zeichnungen des ersten Terrorhäftlings, die zeigen, wie die Amerikaner folterten

229
Link zum Artikel

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

57
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

15
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

8
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Likos 13.12.2015 21:55
    Highlight Highlight Wie praktisch das es gerade 30% auf alle Bücher bei einem grossen grün/blauen schweizer Buchhändler gibt :).
    • Simone M. 14.12.2015 09:22
      Highlight Highlight Soso!
  • SanchoPanza 13.12.2015 20:01
    Highlight Highlight ZACK bestellt, nicht das ich keins mehr erwische 😋
    • Simone M. 13.12.2015 21:13
      Highlight Highlight Da kann ich nur gratulieren!
    • SanchoPanza 20.12.2015 12:07
      Highlight Highlight und schon ist es in Gebrauch: "Tortellini con ripieno di carne e ricotta" an einer "Sugo di prosciutto crudo e panna" mit Kürbis & Pilzen.
      mjamm! Für meinen Geschmack ist der Ricotta nach diesen Mengenangaben etwas zu dominant, aber lecker ists trotzdem :-)
      Benutzer Bild
    • Simone M. 23.12.2015 11:04
      Highlight Highlight OMG! Das sind ja Tortellini wie aus dem Kochbuch! Perfetto!
  • LaTschuberlinca 13.12.2015 14:17
    Highlight Highlight Danke!
    Das Kochbuch ist wunderbar und schmackhaft beschrieben!
    & Spaghetti Carbonara sind mein Leibgericht! (Also nur wenn sie richtig gemacht sind😉)
    • Simone M. 13.12.2015 19:36
      Highlight Highlight Jajaja! Wie machst du denn die Carbonara? Ohne Rahm und das Ei mit Parmesan anrühren? Könnt ich grad jeden Tag kochen...

Leute, wenn ihr euch dieses Jahr nur ein Kochbuch zutut, dann dieses

Dishoom – eines meiner Lieblingsrestaurants – hat sein Kochbuch veröffentlicht. Und es ist der Hammer. Als Schmankerl hier einige Rezepte daraus.

Neun Jahre ist es her, seit Shamil Thakrar im Londoner Stadtteil Covent Garden sein erstes «Irani Café» namens Dishoom eröffnete. Ich selbst entdeckte Dishoom verhältnismässig spät. 2017 nahm mich eine Freundin mit in die Carnaby-Street-Filiale ... und es war nichts weniger als eine Offenbarung!

Hier bekam man hammerfeine, frische indische Küche in einem hippen aber trotzdem gemütlichen Ambiente, die wohltuend anders daherkam als die üblichen Curry Houses mit ihren generischen …

Artikel lesen
Link zum Artikel