Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundesraetin Simonetta Sommaruga, rechts, diskutiert waehrend der Einbuergerungsdebatte mit Martin Baeumle, GLP-ZH, am Mittwoch, 13. Maerz 2013 an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Der 49-jährige Martin Bäumle erlitt am Donnerstag einen Herzinfarkt. Bild: KEYSTONE

«Viele laufen am Limit»

Politisieren mit vollem Körpereinsatz: Bäumles Herzinfarkt als Warnsignal

Stress, ununterbrochene Erreichbarkeit und Termindruck: Wie steht es um die Gesundheit unserer Bundespolitiker? Nicht sehr gut, sagen viele.

Stefan Schmid, aargauer Zeitung



Erneut gibt der Gesundheitszustand eines Ratskollegen im Bundeshaus zu reden. Nach dem krebsbedingten, sofortigen Rücktritt des Glarner SVP-Ständerats This Jenny kurz vor Beginn der Frühlingssession, gibt jetzt Martin Bäumles Verfassung Anlass zur Sorge.

Der Zürcher Nationalrat und Präsident der Grünliberalen (GLP) hat Anfang Woche einen Herzinfarkt erlitten. Dies gab Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger (CVP, LU) während der Debatte bekannt. Die Gründe für den Infarkt sind nicht bekannt. Bäumle befinde sich auf dem Weg der Besserung, sagte Lustenberger. Er werde in den kommenden Wochen jedoch nur vereinzelt Termine wahrnehmen können.

Bäumle: Bereits 2012 ein Schwächeanfall

Der 49-jährige Bäumle sitzt seit 2003 im Nationalrat. Er erlitt bereits 2012 einen Schwächeanfall. Laut eigenen Aussagen waren damals «zu wenig Schlaf, Stress und zu viel und schweres Essen» ausschlaggebend für die gesundheitlichen Probleme. Bäumle verzichtete in der Folge auf mediale Auftritte und gab die Führungsverantwortung innerhalb der GLP, die er gegründet hatte, ab.

«Viele laufen am Limit.»

Lukas Reimann (SVP).

Der Fall Bäumle wirft ein Schlaglicht auf den Gesundheitszustand unserer Milizpolitiker, die einen Beruf und das politische Amt unter einen Hut bringen müssen. «Viele laufen am Limit», sagt Lukas Reimann – mit 31 Jahren einer der Jüngsten unter der Bundeshauskuppel.

Der St. Galler SVP-Nationalrat hat – angesprochen auf den Gesundheitszustand seiner Kollegen – grundsätzlich «kein gutes Gefühl».

Viele Politiker stehen unter Dauerstress

«Potenziell sind wir alle gefährdet», sagt die Baselbieter Nationalrätin Maya Graf. Viele Politiker stünden unter Dauerstress. Dafür verantwortlich seien die vielen Termine, die sozialen Medien wie Twitter und Facebook, die ständige Erreichbarkeit sowie der Druck, in den traditionellen Medien präsent zu sein. Graf weiss, wovon sie spricht. Letztes Jahr präsidierte sie den Nationalrat und hetzte von Termin zu Termin. Ihr Rezept gegen ein Burnout: «Ich habe mein Handy immer wieder ausgeschaltet und mir Ruhepausen gegönnt.»

«Potenziell sind wir alle gefährdet.»

Maya Graf (Grüne).

Auch der Aargauer SVP-Nationalrat Maximilian Reimann plädiert für Ruhephasen. «Das Wichtigste ist, sich für Sport und Erholung Zeit zu nehmen.» Man könne nicht ständig unter Strom stehen. Reimann fragt sich, ob nicht einige Kollegen zu viele Ämter kumulieren. Das gehe auf Kosten der Gesundheit.

Jeder hat sein eigenes Rezept

Einer, der nebst seinem Sitz im Nationalrat weitere, zeitraubende Ämter innehat, ist Kurt Fluri. Der Freisinnige ist Stadtpräsident von Solothurn und in zahlreichen Stiftungen engagiert. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Darum fühle ich mich nicht gestresst», sagt Fluri. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. «Ich schaue darauf, dass ich zu Hause nicht arbeite und mich ganz auf meine Familie konzentriere.»

«Ich achte auch darauf, an höchstens zwei Anlässen pro Woche teilzunehmen.» 

Max Chopard (SP).

Ein anderes Rezept hat Max Chopard. Der Aargauer SP-Politiker bleibt während der Sessionen in Bern, um dem Pendlerstress auszuweichen. «Ich achte auch darauf, an höchstens zwei Anlässen pro Woche teilzunehmen.» Die Sessionswochen seien dicht befrachtet. Die Herausforderung sei, sich nicht überall blicken zu lassen.

Bäumle ist nicht der erste Bundespolitiker mit Herzproblemen: Der Freiburger FDP-Nationalrat Jacques Bourgeois erlitt 2012 einen leichten Herzinfarkt. Und 2007 starb die Freiburger SP-Nationalrätin Liliane Chappuis an den Folgen eines Herzinfarkts.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Basler Grossrätinnen fordern gendergerechte Redezeit – und stechen damit in ein Wespennest

Michela Seggiani (SP) und Tonja Zürcher (BastA!) prangern genderungerechte Redezeiten im Grossen Rat von Basel an. Nun fordern sie detaillierte Statistiken und Massnahmen gegen männliche Labertaschen.

Nehmen die Männer im Basler Grossrat den Frauen die Redezeit weg?

Ja, finden die beiden Grossrätinnen Tonja Zürcher (BastA!) und Michela Seggiani (SP). In einem Anzug an das Ratsbüro kritisierten die beiden ihre männlichen Plauderkollegen, welche bei einer eigens durchgeführten Redezeitmessung 80 Prozent der Redezeit für sich beansprucht haben. Das liege jedoch nicht daran, dass die Männer häufiger reden, sondern dass sie dies einfach länger tun, schreiben Seggiani und Zürcher in ihrem Brief.

«Uns …

Artikel lesen
Link zum Artikel