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Ein Priester segnet eine Frau.
Ein Priester segnet eine Frau.Bild: REUTERS
Von IS-Dschihadisten in die Flucht geschlagen

Die Jesiden: Kopfsalat und die Farbe blau sind tabu

08.08.2014, 16:4812.08.2014, 08:37

Die Einnahme der Stadt Sindschar im Nordirak durch radikalsunnitische Dschihadisten hat zehntausende Jesiden in die Flucht getrieben. Schon seit Langem wird die Kurdisch sprechende religiöse Minderheit bedroht und verfolgt. 

Die grösste Gemeinde der Jesiden lebt im Irak, nach Angaben der Minderheit leben dort 600'000 Jesiden. Andere Schätzungen gehen von 100'000 aus. Die grösste Exilgemeinde lebt in Deutschland, hier gehen die Jesiden von 45'000 bis 60'000 Religionsangehörigen aus. In Syrien, der Türkei, Armenien und Georgien leben ebenfalls mehrere tausend Jesiden. Eine offizielle Zählung gibt es nicht.

Die meisten Jesiden sind arme Bauern und Hirten. 
Die meisten Jesiden sind arme Bauern und Hirten. Bild: AP

Konvertieren kann man nicht

Als Jeside wird man geboren, konvertieren kann man zu dem Glauben nicht. Die Jesiden-Tradition untersagt Hochzeiten mit Nicht-Jesiden sowie ausserhalb der Kaste. Normalerweise geht mit einer Mischhochzeit daher der Austritt aus dem Glauben daher. Der jesidische Glaube ist eine monotheistische Religion und entstand vor über 4000 Jahren in Mesopotamien. Der Glaube beruht teilweise auf dem altpersischen Kult des Zoroastrismus, im Laufe der Zeit kamen auch islamische und christliche Elemente dazu.

Die meisten Jesiden sind arme Bauern und Hirten. Jesiden beten der Sonne zugewandt zu ihrem Gott und verehren seine sieben Engel. Der wichtigste ist Melek Taus, auch Engel Pfau genannt. Eine feste religiöse Schrift haben die Jesiden nicht, ihre Religion orientiert sich an mündlichen Überlieferungen. Die Jesiden glauben an Seelenwanderung und Wiedergeburt.

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Als «Teufelsanbeter» betrachtet

Viele strenggläubige Muslime und vor allem auch Islamisten sehen im Engel Pfau eine dämonische Figur und betrachten die Jesiden daher als «Teufelsanbeter». Auch andere Vorgaben wie zum Beispiel das Verbot, Kopfsalat zu essen oder die Farbe Blau zu tragen, werden von anderen Religionen als satanisch missinterpretiert. Als nichtarabische und nichtmuslimische Iraker wurden die Jesiden schon unter Saddam Hussein im Irak verfolgt und vertrieben.

Im August 2007 wurden zwei jesidische Dörfer im Nordirak beinahe vollständig zerstört. Mehr als 400 Jesiden starben. Es war der blutigste Angriff auf die Minderheit seit der US-geführten Invasion im Irak im Jahr 2003. (whr/sda/afp) 

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