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Zuger Sexaffäre: keine K.o.-Tropfen nachweisbar

Jolanda Spiess-Hegglin wehrt sich: «Dass keine Substanzen nachgewiesen wurden heisst nicht, dass keine eingesetzt worden waren»

05.01.2015, 12:3925.02.2015, 10:00
Bild: GRUENE

Die Auswertung von Blut- und Urintests der Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin ergab keine nachweisbaren Spuren von GHB, sogenannten K.o.-Tropfen. Die Zuger Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, dass Blut und Urin der 34-Jährigen frei von jeglichen Substanzen gewesen seien.

Das bedeutet allerdings nicht, dass mit absoluter Sicherheit keine solchen Tropfen im Spiel waren. Wie Polizeisprecher Marcel Schlatter auf Anfrage der Nachrichtenagenturb sda sagte, ist GHB acht Stunden nachweisbar. Im Falle von Jolanda Spiess-Hegglin vergingen zwischen dem mutmasslichen Vorfall und der Probe-Entnahme im Spital allerdings rund 20 Stunden. 

«Wir haben grundsätzlich immer noch keine Ahnung, was sich in dieser Nacht zugetragen hat»,

sagte Schlatter weiter. Dies werde nun in den kommenden Wochen abgeklärt. 

Spiess-Hegglin schaltete nach einer feuchtfröhlichen Landammann-Feier im Zuger Restaurant Schiff die Polizei ein. Die grüne Lokalpolitikerin vermutete, dass sie in der betreffenden Nacht Opfer von K.o.-Tropfen geworden sei. 

Bild: PD

Unter dem Einfluss der Drogen hätte sie wohl Geschlechtsverkehr mit dem SVP-Politiker Markus Hürlimann gehabt. Dieser bestreitet nicht, dass es zu einem sexuellen Verkehr gekommen sei. Allerdings seien keine illegalen Drogen im Spiel gewesen, so Hürlimann. 

Vielmehr habe es sich nach Darstellung von Hürlimann um einvernehmlichen Sex gehandelt – wenn auch unter erheblichem Alkoholeinfluss. Hürlimann ist infolge der Vorwürfe gegen ihn vorübergehend von seinem Amt als SVP-Kantonspräsident zurückgetreten.

Grünen-Politikerin nicht überrascht

Dass eine wie auch immer geartete Substanz im Einsatz gewesen sein muss, davon ist Jolanda Spiess immer noch überzeugt: «Die Umstände meines Erwachens am Sonntagmorgen – ohne jedes Anzeichen einer Alkoholvergiftung am Vorabend und die Erinnerung an das, was ich bis zum Beginn der Erinnerungslücke nur getrunken hatte, lassen für mich keinen anderen Schluss zu.» 

Spiess betont, dass diese Überzeugung in keinem Widerspruch zu den heute veröffentlichen Ergebnissen steht:

«Dass keine Substanzen nachgewiesen wurden heisst nicht, dass keine eingesetzt worden waren.» 

Jolanda Spiess hält weiter fest, dass Sie zu keinem Zeitpunkt Beschuldigungen gegen eine Person erhoben hat. «Ich habe schon in meiner ersten Medienmitteilung klar gemacht, dass ich der Überzeugung bin, dass diese Sache eine Angelegenheit für die Untersuchungsbehörden ist, die unter Wahrung des Untersuchungsgeheimnisses und der Unschuldsvermutung in aller Ruhe abklären sollten, was vorgefallen ist.» 

Die Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität dauert nach wie vor an. In den kommenden Tagen folgen Befragungen und verschiedene Abklärungen. 

Hürlimann zuversichtlich

Der Anwalt von SVP-Kantonsrat Hürlimann zeigte sich in einer Mitteilung zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe nun rasch klären werden. Sein Mandant sei weder mit K.-o.-Tropfen zugange gewesen noch habe er sonst wie strafbare Handlungen vorgenommen. Der Anwalt betonte, dass die Annäherung beidseitig und freiwillig gewesen sei. Laut übereinstimmenden Zeugenaussagen hätten sich die beiden geküsst. Sein Mandant könne sich aufgrund des Alkoholkonsums aber nur bruchstückhaft daran erinnern.

Hürlimann bedauere es, dass er sich alkoholisiert, in gelöster Stimmung und kurz vor den Festtagen zu dieser Annäherung habe hinreissen lassen. Wegen seines ramponierten Rufes behält er sich rechtliche Schritte gegen Spiess-Hegglin vor. 

Ende Januar tagt der Zuger Kantonsrat erstmals seit dem Vorfall von Ende Dezember. Hürlimann und Spiess-Hegglin sitzen zwar an entgegengesetzten Enden des Ratssaales, sie müssen aber in Kommissionen zusammenarbeiten. (sda/wst/sda)

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hugo Wottaupott
05.01.2015 15:07registriert Februar 2014
die 2 sollen doch zueinander stehen und eine patchworkfamilie gründen und zur CVP übertreten.
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Angelo C.
05.01.2015 12:47registriert Oktober 2014
Es erhebt sich immer mehr die Frage, ob man nicht parallel zur unsinnigen Strafanzeige der Frau, die zuhause eine gute Ausrede für das späte Heimkommen am Vormittag, und für ihre Parteikollegen eine nachvollziehbare Erklärung, wieso man mit dem "politischen Feind" sein Sexualleben erweitert, nicht eine Anzeige wegen Irreführung der Rechtspflege anstrengen sollte! Die ganze Geschichte wirkt so transparent und auch ohne Brille nachvollziehbar, dass kaum mehr Zweifel an der Unschuld ihres "Vergewaltigers" bestehen. SO geht das einfach nicht....
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stadisteinach
05.01.2015 14:26registriert November 2014
Und weshalb sieht sich das Opfer einmal mehr genötigt, nur Minuten nach einer Medienmitteilung über ihren Medienberater (an und für sich schon ein schlechter Witz).........Stellung zu beziehen, dem Spital die Schuld für die Verzögerung zu geben und darauf hinzuweisen, dass sie ja gar nicht wisse, wer sie beglückt habe. Zudem sei sie nicht verwundert, dass das Ergebnis negativ ausgefallen ist. Da kann ich Frau Spiess-Hegglin beruhigen. Auch ich war nicht verwundert. Wo nichts ist, kann nichts sein. Mich verwundert einzig, dass sie nicht endlich Ruhe gibt und die Ermittlungsergebnisse abwartet.
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