Für Dominique Giroud, einen professionellen Hacker und einen Privatdetektiv, dauert die Untersuchungshaft bis zum 14. Juli. Der Angestellte des Nachrichtendienstes des Bundes muss bis zum 31. Juli in Untersuchungshaft bleiben, wie das Gericht in einer Mitteilung schreibt.
Die vier werden verdächtigt, Computer von Journalisten gehackt zu haben, die unliebsame Berichte über den Winzer verbreitet hatten. Wegen Verdunkelungsgefahr waren sie am Mittwoch verhaftet worden.
Die Affäre Giroud sorgt vor allem in der Westschweiz seit Monaten für Schlagzeilen. Gegen den bekannten Weinhändler laufen mehrere Verfahren. Sein Firmenimperium soll Einnahmen von rund 13 Millionen Franken unterschlagen haben. Zudem wird Giroud beschuldigt, über 350'000 Liter Wein illegal gepanscht zu haben. Unter anderem soll die Weinkellerei billigen Fendant in St-Saphorin-Flaschen verkauft haben.
Kommende Woche wird die Affäre auch in Bundesbern ein Thema. Die zuständige Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) will vor allem wissen, welche Rolle der Angestellte des Nachrichtendienstes in diesem Fall gespielt hat. Man werde den Fall an der nächsten Sitzung behandeln und die Schlussfolgerungen dem Bundesrat mitteilen, sagte GPDel-Mitglied Pierre-Francois Veillon (SVP/VD) gegenüber der sda.
Der Nachrichtendienst seinerseits ist am Donnerstag von der Genfer Staatsanwaltschaft über die Verhaftung des eigenen Mitarbeiters informiert worden, wie eine Sprecherin am Freitag auf Anfrage sagte. Einen Tag zuvor habe man erfahren, dass bei ihm eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden sei. Der Mitarbeiter sei sofort seiner Funktionen enthoben worden.
Am Freitag beschäftigte sich auch der Walliser Grosse Rat mit dem Fall. Das Kantonsparlament entschied, vorerst keine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) einzusetzen. Man wolle erst den Bericht der Geschäftsprüfungskommission abwarten. Diese beschäftigt sich seit Januar mit dem Steuerdossier von Giroud. Die Kommission untersucht dabei auch, ob es allenfalls in der Verwaltung zu Verfehlungen gekommen ist.
Auch der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina äusserte sich am Freitag vor dem Kantonsparlament indirekt zur Affäre Giroud. Er mahnte den Grossen Rat und die Walliser, vom Einzelfall nicht auf die Allgemeinheit zu schliessen. Die Walliser müssten jetzt zusammenstehen und am selben Strick ziehen.
Der Regierungschef warnte seine Mitbürger davor, nun in jedem Walliser einen Kriminellen zu sehen. «Wenn ich meine Schwiegermutter umgebracht habe, heisst das nicht, dass alle Walliser ihre Schwiegermütter nicht mögen», sagte er.
Giroud selbst hatte lange geschwiegen. Ausgerechnet wenige Tage vor seiner Verhaftung vom Mittwoch gab er aber ein Interview. Die Westschweizer Wirtschaftszeitung «L'Agefi» publizierte das Gespräch am Freitag.
Giroud gibt im Interview zu, bei den Steuern nicht sein gesamtes Einkommen angegeben zu haben. Der Winzer gesteht auch, dass er mit falschen Rechnungen geschäftet hat. «Es handelt sich um falsche Belege für reelle Geschäfte. Das ist meine Verantwortung, wie ich bei der Anhörung auch gesagt habe.»
Bereut er sein Vorgehen? «Ich habe die Wichtigkeit von dem, was mir heute vorgeworfen wird, wirklich unterschätzt. Das hat schwere Konsequenzen für meine Angehörigen und meine Mitabeiter.» Weiter sagte er: «Heute, mit 43 Jahren, nachdem ich mit fast nichts angefangen habe, ohne viel Bildung und nach viel Schufterei, bereue ich die aktuelle Situation, die mich dazu zwingt, mich aus den Geschäften zurückzuziehen.» (whr/sda)