Von «bitte, bitte, bitte» bis zu Preisdeckeln: So reagiert die Welt auf das teure Öl
Wenn das Angebot an Öl auf einmal sinkt, dann bleibt der Welt nichts anderes übrig, als ihren Ölverbrauch zu senken. In Marktwirtschaften sorgen steigende Preise dafür, dass es zu einer solchen Verbrauchssenkung kommt. Die Frage ist dann bloss noch, wie das geschieht. Es kann sehr hässlich ablaufen, wenn der Verbrauch gesenkt wird, indem die Wirtschaft weniger produziert. Laut Experten würde das gar schwere Rezessionen in ärmeren Ländern bedeuten, aber auch Rezessionen in reicheren Ländern. Und innerhalb der Länder trifft es wiederum die ärmeren Haushalte stärker.
Der Staat kann solche brutalen marktwirtschaftlichen Zwänge abmildern helfen, indem er allen einen gewissen Sparzwang auferlegt – oder anderweitig zum Sparen motiviert. So könnte abgeschwächt werden, was die deutsche Boulevard-Zeitung Bild bereits «Tank-Wut» nennt. In den USA blicken laut «New York Times» die Konsumenten bereits skeptischer in die Zukunft und erwarten einen Anstieg der ungeliebten Inflation.
Wohl auch um dieser Wut vorzubeugen, hat die Internationale Energieagentur zum Sparen aufgerufen, Empfehlungen herausgegeben und bereits durchgesetzte Sparmassnahmen aus aller Welt aufgelistet. Wobei einige Länder bloss versuchen, die Autofahrer vor höheren Preisen zu schützen, ohne sie zugleich zum Sparen zu animieren.
In Österreich will die regierende Koalition vorübergehend die Steuern auf Benzin und Diesel aussetzen. Zudem will sie die Margen der Kraftstoffhändler begrenzen. In Deutschland setzt die Regierung durch, dass Tankstellen ihre Preise höchstens einmal pro Tag erhöhen dürfen. Gemäss Medienberichten könnte die Regierung aus CDU und SPD jedoch bald einen Schritt weitergehen – und sich dabei an Luxemburg orientieren. Dort hat die Regierung jetzt Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl festgelegt.
Pakistan als vorläufiger Einzelfall
Preisdeckel haben auch Kroatien, Serbien, Ungarn, Mexiko, Japan und Südkorea. In Frankreich haben sich Tankstellenbetreiber bereit erklärt, sich selbst Preisobergrenzen aufzuerlegen. Und Dänemark verfolgt einen noch milderen Ansatz. Die Regierung rief zum Verzicht aufs Autofahren auf. Wenn es nicht unbedingt nötig sei, solle man es bleiben lassen, sagt der Energieminister. «Bitte, bitte, bitte.»
In weniger wohlhabenden Ländern wurden bereits einige echte Sparmassnahmen beschlossen. So haben die Philippinen und Pakistan die Arbeitswoche für Staatsangestellte gekürzt, und zwar auf vier Tage. In Sri Lanka sind öffentliche Ämter mittwochs geschlossen. Länder wie Laos, Thailand und Vietnam fördern die Telearbeit und damit das Homeoffice. Thailand hat zudem Büroarbeiter aufgefordert, ihre Geräte wann immer möglich auszuschalten und Treppen zu steigen.
Das vorläufig weltweit einzige Land, das das Höchsttempo auf seinen Autobahnen gesenkt hat, ist Pakistan. Ein Pionier ist Pakistan damit dennoch beileibe nicht. Die Massnahme hat sich in früheren Energiekrisen bewährt, auch die Schweiz griff in den 1970er-Jahren darauf zurück. (aargauerzeitung.ch/nil)

