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Iran-Krieg: Iranische Geheimdeals in der Strasse von Hormus

Die Strasse von Hormus: Hier haben die iranischen Revolutionsgarden einen ausländischen Tanker wegen angeblicher Beteiligung an "Ölschmuggel" festgesetzt. (Archivbild)
Immer mehr Handelsschiffe weichen bei der Durchfahrt durch die Hormus-Strasse auf eine von Iran kontrollierte Route aus.Bild: AP NY

Iranische Wegzölle und Zombie-Tanker: Geheimdeals in der Strasse von Hormus

Die Weltwirtschaft bemüht sich mit aller Macht, trotz des bewaffneten Konflikts die Schifffahrtsroute im Persischen Golf zu passieren.
24.03.2026, 20:0324.03.2026, 20:03
Bojan Stula
Bojan Stula
04.03.2026, Iran-Krieg, an der Straße von Hormus stauen sich die Tankschiffe, wie man hier an einem Schiff-Tracker Vesselfinder auf einem Handy sehen kann. 04.03.2026, Iran-Krieg 04.03.2026, Iran-Krie ...
Schiffstracker in der Strasse von Hormus: Eine der wichtigsten und meistbefahrenen Schlüsselstellen des Welthandels.Bild: www.imago-images.de

Der Krieg am Persischen Golf zwingt zu «kreativen» Lösungen: Immer mehr Handelsschiffe weichen bei der Durchfahrt durch die Hormus-Strasse auf eine von Iran kontrollierte Route aus. Insgesamt haben bereits über 20 grössere Schiffe den Umweg zwischen den Inseln Qeschm und Larak genommen, mindestens 16 davon seit dem vergangenen Freitag.

Das haben Analysten von Lloyd’s List Intelligence festgestellt, was von anderen Schiffstrackern bestätigt wird. Die Route gilt inzwischen als faktische «Mautstelle» Teherans: Die Revolutionsgarden kontrollieren die Durchfahrt, prüfen Schiffsdaten und verlangen in einzelnen Fällen Weggebühren – laut Informationen des britischen Schiffsversicherers bis zu zwei Millionen Dollar pro Durchfahrt. So verhilft Donald Trumps Kriegsführung dem iranischen Regime an diesem Nadelöhr zu willkommenen Zusatzeinnahmen.

Erstmals soll auch ein chinesisches Containerschiff für die Passage bezahlt haben. Die zunehmende Nutzung deutet darauf hin, dass gewisse Staaten und Reedereien geheime Absprachen mit Teheran getroffen haben.

Besonders brisant: Einige Tanker verschleiern bei der Passage ihre Identität. Wie die Lloyd’s List Intelligence weiter schreibt, nutzten am Wochenende zwei Schiffe die Kennungen bereits verschrotteter Tanker. Mit den sogenannten «Zombie-Schiffen» sollen offenbar Sanktionen umgangen oder zumindest Hinweise auf ihre Herkunft verschleiert werden.

So tauchte vor Hormus plötzlich die Identität eines vor einem Jahr abgewrackten japanischen Flüssiggastankers in den Schiffsdaten auf, bevor die elektronische Kennung kurz darauf wieder verschwand. Der andere Fall betraf einen laut Lloyd's bereits vor fünf Jahren verschrotteten nigerianischen Öl-Tanker von mittlerer Grösse. Experten vermuten hinter der Maske sanktionierte Schiffe, die ihre Spur verwischen wollen.

Indien unter Druck wegen Gasversorgung

Indien spielt in der aktuellen Umgehungspolitik eine Schlüsselrolle. Zwei grosse Flüssiggastanker unter indischer Flagge haben die Passage zuletzt ebenfalls genutzt und sollen bis Ende März Häfen des Landes erreichen. Laut dem indischen Schifffahrtsministerium beträgt deren Ladung über 90'000 Tonnen Flüssiggas (LPG).

Hintergrund ist eine akute LPG-Knappheit in Indien, wo das Gas vor allem zum Kochen verwendet wird. Die Versorgungslage hat sich zu einem innenpolitischen Problem entwickelt, weshalb Neu-Delhi Gespräche mit Teheran führt, um Lieferungen zu sichern. Irans Aussenminister betonte zugleich, die Hormus-Passage sei nicht offiziell geschlossen – vielmehr würden Reedereien aus Angst vor Krieg Risiken und zu hohen Versicherungsprämien meiden.

Die von US-Präsident Trump am Montag geäusserte Aussicht auf Verhandlungen liess die Ölpreise sofort sinken: Der Brent-Preis fiel um rund 10 Prozent, bleibt aber deutlich höher als noch vor einem Monat. Doch trotz Trumps diplomatischer Signale bleibt die Lage fragil. Die vorangegangenen Angriffe auf mehrere Schiffe, die angebliche Verminung der handelsüblichen Route und die faktische Kontrolle Irans über die Hormus-Passage haben den globalen Handel stark beeinträchtigt.

Aktuell sind bis zu 2500 Handelsschiffe blockiert, rund 200 davon liegen in den unmittelbaren Stauräumen östlich und westlich der Durchfahrt vor Anker. Zu normalen Zeiten wird diese von rund 140 Schiffen am Tag passiert. Analysten warnen vor erneuten Preissprüngen, sollte die Meerenge nicht bald vollständig geöffnet werden. Die nächsten Tage dürften deswegen entscheidend sein – sowohl auf See als auch am Verhandlungstisch. (aargauerzeitung.ch)

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Der Krieg im Iran hat zur Folge, dass die Ölpreise weltweit steigen.

quelle: keystone / altaf qadri
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