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ICE tötet erneut US-Bürger – das ist über das Opfer bekannt

37-jährig, Krankenpfleger, US-Amerikaner – was über das nächste ICE-Opfer bekannt ist

ICE-Agenten erschiessen eine weitere Person in Minneapolis. Die Familie des Opfers beschreibt den Krankenpfleger als hilfsbereit und besorgt.
25.01.2026, 04:2925.01.2026, 04:29
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Der Mann, den am Samstag ICE-Agenten in Minneapolis erschossen haben, war der 37-jährige Krankenpfleger Alex Jeffrey Pretti. Seine Familie bestätigte, dass er auf einer Intensivstation in einem Krankenhaus für Kriegsveteranen arbeitete. Er habe sich immer um Menschen gekümmert und sei sehr enttäuscht von Donald Trumps Jagd auf Immigranten in Minneapolis gewesen, sagten Angehörige der Nachrichtenagentur AP.

Alex Pretti ICE Opfer teaser
Alex J. Pretti bei einer Wanderung. Der 37-Jährige wurde von ICE-Agenten in Minneapolis getötet.Bild: michael pretti

Pretti war am Samstag bei Protesten gegen ICE-Razzien in Minneapolis von Angehörigen der Behörde zum Boden gedrückt worden. Sechs Männer schlugen auf ihn ein, dann fielen Schüsse. Er soll eine Waffe bei sich getragen haben, für die er aber eine Genehmigung hat, hiess es. Berichte des US-Heimatschutzministeriums, er habe sich den Beamten bewaffnet genähert, konnten bislang durch die zahlreichen Videoaufnahmen vom Ort des Geschehens nicht bestätigt werden. Auf Clips ist zu sehen, dass er offenbar ein Handy in der Hand hatte.

Der begeisterte Outdoor-Fan war gerne mit seinem Catahoula-Leopard-Hund unterwegs, der aber vor kurzem verstorben ist, hiess es. Er schloss 2006 die Green Bay Preble High School ab. Er galt als Musterschüler und trat mit der Theatergruppe «Preble Players» auf. Laut seiner LinkedIn-Seite war er 2012 Nachwuchswissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der University of Minnesota und besuchte die University of Minnesota.

Pretti hatte an Protesten nach der Tötung von Renee Good durch einen Beamten der US-Einwanderungs- und Zollbehörde am 7. Januar teilgenommen.

«Er fand es schrecklich»

«Er kümmerte sich sehr um Menschen und war sehr aufgebracht über das, was in Minneapolis und überall in den Vereinigten Staaten durch die ICE-Behörde geschah, so wie Millionen andere Menschen auch», sagte Michael Pretti, Alex' Vater.

«Er fand es schrecklich, Kinder zu entführen und Menschen einfach auf der Strasse zu packen. Er kümmerte sich um diese Menschen und wusste, dass das falsch war, deshalb nahm er an den Protesten teil.»

Pretti war amerikanischer Staatsbürger, in Illinois geboren. Nach Angaben von AP hatte er wie die ebenfalls von einem ICE-Mitarbeiter erschossene Renee Good keine Vorstrafen und von ein paar Strafzetteln abgesehen niemals mit der Polizei zu tun gehabt.

Pretti hatte einen Waffenschein

Seine Familie habe ihm gesagt, er solle bei den Demonstrationen vorsichtig sein. «Wir haben vor etwa zwei Wochen mit ihm darüber gesprochen, dass er ruhig protestieren kann, sich aber nicht auf Auseinandersetzungen einlassen und nichts Dummes tun soll», sagte Michael Pretti. «Und er sagte, dass er das weiss. Er wusste das.»

Offenbar reichte es schon, die Arbeit der ICE-Agenten zu filmen. Dass er seine Waffe, für die er einen Waffenschein hat, benutzen wollte, ist bislang von den Behörden nicht belegt worden. Rob Doar, Vize-Präsident der Vereinigung von Waffenbesitzern in Minnesota und ein Befürworter von Waffenrechten, hat laut der «Minnesota Star Tribune» vier von Bürgern aufgenommene Videos des Vorfalls gesehen und schilderte den Vorfall aus seiner Sich. «Die Agenten kamen auf ihn zu, er wich zurück. Als er einer Frau half, stürzten sie sich auf ihn und benutzten Pfefferspray.»

Es habe ausgesehen, als ob einer der Agenten eine Waffe aus einem Halfter an Prettis Hüfte gezogen habe.

«Wenn er so entwaffnet wurde, und es keine andere Gefahr für die Agenten gab, dann sehe ich keinen Grund, warum tödliche Gewalt angewendet wurde.»

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Barth Simpson
25.01.2026 05:36registriert August 2020
Ich glaube der Zeitpunkt naht, wo auch die Republikaner begreifen werden, dass sie mit Trump ein neues Monster geschaffen haben und den Spiess umdrehen müssen.
1916
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Swen Goldpreis
25.01.2026 06:10registriert April 2019
Ich würde es so sagen: Wenn eine Faschisten-Bande in Ruhe und ungestört Morden will, dann hat es eine innere Logik, zuerst bei den Leuten Angst und Schrecken zu verbreiten, die ihre Verbrechen dokumentieren. Denn irgendwann fällt jedes Fascho-Regime - und dann will man, dass möglichst wenig Beweise existieren.

Für mich wirken die beiden ICE-Morde sehr ähnlich. Good wie auch jetzt Pretti setzten sich für Anstand und Recht ein. Das macht die ICE-Faschos wütend und der Mord ist dann vor allem Rache.
1918
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Poly Tick
25.01.2026 07:56registriert Oktober 2023
Trump und Vance versuchen ein Fass zum überlaufen zu bringen. Anders gesagt: Sie versuchen eine derartige Stimmungslage zu kreieren, dass sich Einwohner zu wehren beginnen. Möglichst mit Waffen. Dies, damit dann eine Art Kriegszustand ausgerufen werden kann. "Leider" müssen dann Truppen eingesetzt werden - auch reguläre - um die "guten Bürger" zu schützen. "Leider" werden dann, als Folge daraus, keine Midterms abgehalten werden können.
Und wirklich Leider bleibt die demente Orange uns allen noch lange erhalten...
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