Die einsamste First Lady der Welt: Melania Trumps 40-Millionen-Dollar-Flop
Um es vorwegzunehmen: «Melania» ist ein aufwendig produzierter Dokumentarfilm. Er gibt einen seltenen Einblick in die exklusive Welt der Gattin von Donald Trump, und wie sie sich im vorigen Jahr auf die Amtseinführung vorbereitete. Und natürlich zeigt der Streifen die First Lady im besten Licht – schliesslich übernahm Melania Trump die Rolle des «Executive Producers» und hatte damit vollständige Kontrolle.
Der Film, der am Freitag in mehr als 1700 US-Kinos startete, verdeutlicht aber einmal mehr, wie klein die Welt ist, in der sich Melania Trump bewegt. Zu Wort kommen einige Helfershelfer der 55-Jährigen. Abgesehen von ihrem Vater und ihrem berühmten Gatten aber werden im Film keine Familienmitglieder und keine Freunde interviewt – nicht einmal Barron Trump, ihr einziges Kind, durfte einige Sätze in die Kameras sprechen.
«Wie ein ganz normales Ehepaar»
Der Film, der 108 Minuten dauert, erweckt damit den Eindruck, als sei eine der berühmtesten Frauen Amerikas ganz allein. Das ist wohl Teil ihrer Inszenierung, in der das ehemalige slowenische Fotomodell mysteriös wirken soll. Aber je länger der Film dauert, je künstlicher wirkt diese Show. Selbst die wenigen direkten Gespräche, die sie mit ihrem Gatten führt, wirken inszeniert.
Vielleicht abgesehen von einer Szene: Da spricht Donald Trump am Telefon mit Melania und schwärmt ihr vor, wie überwältigend sein Wahlsieg gewesen sei. «Hast du es gesehen?", fragt er sie begeistert. Und Melania antwortet kühl: «Ich werde es mir später in den Nachrichten anschauen.» In einem Kino in einem Vorort von Washington, in dem ich mir am Freitag den Film anschaute, sagt mein Sitznachbar spontan: «Für einmal klingen die beiden wie ein ganz normales Ehepaar.»
Stellt sich also die Frage, warum Amazon so viel Geld für einen Film ausgab, der die Kosten für die Produktion, die Rechte und den Vertrieb wohl nie einspielen wird. So überwies das Medienunternehmen allein an Melania Trump 40 Millionen Dollar. Die Werbekampagne soll weitere 35 Millionen Dollar gekostet haben, eine ungeheuerliche Summe für einen Dokumentarfilm.
Die einfachste Antwort: Weil der Amazon-Übervater Jeff Bezos seine Lektion gelernt hat. In der ersten Amtszeit Trumps, von 2017 bis 2021, profilierte sich der Multi-Milliardär als Kritiker des Präsidenten; seine Zeitung «Washington Post» deckte Skandal nach Skandal auf. Das kostete Bezos viel Geld, versuchte die Bundesregierung doch, Amazon bei der Vergabe von lukrativen Aufträgen zu umgehen. Das soll sich nun, in der zweiten Amtszeit Trumps, nicht wiederholen.
Amazon bezahlt Melania Trump 40 Millionen Dollar
Amazon dementiert natürlich, dass bei der Vermarktung von «Melania» ein Hintergedanke eine Rolle gespielt habe. «Wir haben den Film aus einem einzigen Grund lizenziert – weil wir glauben, dass die Kunden ihn lieben werden», ist in einer Stellungnahme nachzulesen. Ein breites Publikum allerdings wird der Film nicht ansprechen, und bereits ist aufgrund der Ticket-Reservationen die Rede von einem riesigen Flop.
Als Zuschauer bekommt man den Eindruck, als habe sich der Regisseur gar nicht darum bemüht, ein neues Licht auf die Trumps zu werfen. In einer der letzten Szenen, die das Ehepaar Trump kurz nach dem Einzug ins Weisse Haus zeigt, hört man Brett Ratner sagen: «Sweet dreams, Mister President», süsse Träume, Herr Präsident. Das zeugt nicht gerade von grosser Distanz.
Für Ratner hat sich die Arbeit aber bereits ausgezahlt. Auf Wunsch von Trump soll er Regie in einem neuen «Rush Hour»-Film mit Jackie Chan führen – obwohl seine Karriere in Hollywood eigentlich zu Ende war, nachdem ihn 2017 Frauen beschuldigt hatten, er habe sie sexuell genötigt.
Dem spärlichen Publikum, das sich in Springfield (Virginia) am Freitagmorgen die erste Vorstellung von «Melania» anschaut, scheint das alles egal zu sein. Am Ende von «Melania» klatschen die sieben Anwesenden begeistert. Eine 68 Jahre alte Frau, die voriges Jahr aufgrund des Sparkurses von Präsident Trump ihre Stelle in der Bundesregierung verlor, sagt: «Das ist ein sehr gut gemachter Film.» Im Gespräch räumt die Trump-Wählerin zwar ein, dass sie nicht viel Neues über die First Lady erfahren habe. «Aber sie ist so elegant und sieht immer umwerfend aus.» (aargauerzeitung.ch)
