Melania lässt sich von einem Regisseur feiern, der tief im Epstein-Sumpf steckt
Gleich ist Weihnachten, da können wir uns schönen Dingen widmen, können uns gegenseitig beschenken und bekochen und uns darüber freuen, dass wir es gut miteinander haben. Doch für den Moment tauchen wir noch einmal tief in die Grüsel-Kiste. Kopfvoran. Dorthin, wo die Weltpolitik jeden Tag einen neuen Dreh hin zum Noch-Übleren nimmt. Ins Weisse Haus und seine Verstrickungen. Mit Menschen wie Jeffrey Epstein. Mit Menschen wie Brett Ratner.
Doch Halt, Ratner ist kein Politiker. Der heute 56-jährige Ratner ist Filmregisseur und Produzent. Beziehungsweise war es einmal und feiert jetzt, Familie Trump sei Dank, seine Auferstehung. Dummerweise gibt es jetzt dieses Foto aus den Epstein-Files. Es dürfte den Trumps ganz und gar nicht in ihre Imagepolitur passen. Doch dazu später.
In seinem früheren Erfolgsleben war Ratner kein Mann der sensiblen Filme oder feinen Töne. Seine Filme hiessen «Rush Hour», «X-Men» oder «The Revenant», er liebte derbe sexistische und homophobe Sprache. Seine besten Freunde waren der Produzent, Kokshändler und Mafia-Kontaktmann Robert Evans und der Drehbuchautor und Regisseur James Toback, gegen den im Zuge von MeToo 395 Frauen Vorwürfe wegen sexuellem Fehlverhalten erhoben.
2017 packten sechs Hollywood-Schauspielerinnen, darunter Natasha Henstridge («Species») und Olivia Munn («X-Men», «The Newsroom») in der Los Angeles Times über Brett Ratner aus. Ihre Vorwürfe reichten von verbalen sexistischen Attacken an Partys bis zu Masturbationsszenen am Rande von Dreharbeiten und Vergewaltigung.
Ratner liess über seinen Anwalt alles abstreiten, die Hollywood-Studios liessen ihn fallen, er zog sich nach Israel zurück, wo er einen privilegierten Immigranten-Status und einen israelischen Pass erhielt. Mit dem israelischen Premier unterhielt er beste Beziehungen. Ebenso mit Jeffrey Epsteins Ex-Anwalt Alan Dershowitz.
2021 gab es den kurzen Versuch eines Comebacks in Hollywood, Ratner wollte das Biopic über Milli Vanilli drehen – er scheiterte am Protest von Frauenrechtsgruppen.
Doch jetzt ist er da, Brett Ratners neuer Film. Er wird ab dem 30. Januar 2026 im Kino und danach auf Amazon Prime laufen, er heisst «Melania», seine Produzentin, sein Gegenstand, seine Hauptdarstellerin ist Melania Trump, Amerikas First Lady. Kein Studio kann Ratner jetzt mehr feuern, im Gegenteil, das Studio hinter «Melania» ist Metro-Goldwyn-Mayer, eine altwehrwürdige Hollywood-Institution, die 2022 von Jeff Bezos gekauft und Amazon einverleibt wurde. Auch Bezos gehört mittlerweile zu den Tech-Giganten, die sich am liebsten in Trumps Gleitmittel verwandeln würden.
«Melania» hat nur 20 Tage aus dem Leben der Melania Trump zum Inhalt, nämlich die 20 Tage vor Trumps zweiter Inauguration. Der Film verspricht einen – in diesem Fall darf man wohl sagen schonenden, geschönten – Blick hinter die Kulissen durch die Augen der First Lady.
«Treten Sie ein in die Welt von Melania Trump, während sie die Pläne für die Amtseinführung koordiniert, den komplexen Übergang im Weissen Haus meistert und mit ihrer Familie ins öffentliche Leben zurückkehrt. Mit exklusivem Filmmaterial, das wichtige Treffen, private Gespräche und nie zuvor gesehene Locations zeigt, präsentiert Melania die Rückkehr von Mrs. Trump in eine der mächtigsten Rollen der Welt», verspricht die Ankündigung. Alles wirkt chic, shiny, glossy.
Doch jetzt ist dieses Foto aus den Epstein-Files gekrochen. Es ist undatiert, der Kontext ist (noch) unbekannt, es zeigt Brett Ratner, nachts in einem schummrig beleuchteten Raum, die Laune ist blendend, Ratner umarmt einen Mann, der oben ohne neben ihm steht.
Der Gastgeber ist vermutlich Jeffrey Epstein, der andere Mann ist Jean-Luc Brunel, ein französischer Modelagent, gegen den bereits in den 80er-Jahren zum ersten Mal wegen sexuellen Missbrauchs ermittelt wurde. 2022 sass Brunel in Untersuchungshaft – und nahm sich das Leben. Die französische Justiz ermittelte wegen Vergewaltigung von Minderjährigen und wegen sexueller Nötigung gegen ihn. Zudem wurde er verdächtigt, Epstein Mädchen zugehalten zu haben.
Das Foto flutet gerade die amerikanischen Medien und man fragt sich unweigerlich: Wird sich Melania, wird sich Donald, wird sich irgendwer aus dem Weissen Haus dazu verhalten?
Wahrscheinlich nicht.
Trump hatte noch nie Berührungsängste mit Schurken, ihre Rehabilitation scheint ihm geradezu eine Herzensangelegenheit zu sein, ein kerniger Kerl wie Ratner, der Frauen früher ungefragt und öffentlich sagte, wie er sie zu nehmen gedachte, gefällt ihm. Ratner ist Teil einer Kultur von toxischer Männlichkeit, zu deren Hauptvertretern Epstein und Weinstein und der ehemalige Prinz Andrew und Brunel und so weiter gehörten.
Dass ausgerechnet eine Frau die Rehabilitation dieser Kultur wissentlich unterstützt und dass es sich mit Melania Trump um die «Landesmutter» der USA handelt, ist abgrundtief zynisch.
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