International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa07464816 A Houthi militiaman stands guard near a Yemeni flag during a rally commemorating the fourth anniversary of the Saudi-led military campaign on Yemen, in Sana'a, Yemen, 26 March 2019. A power struggle in Yemen between the Houthi rebels and the Saudi-backed Yemeni government escalated on 26 March 2015 when the Saudi-led coalition launched a military campaign against the Houthis, sparking a full-blown armed conflict and claiming the lives of about 15,000 people.  EPA/YAHYA ARHAB

Ein geteiltes Land: Im Jemen kämpfen unterschiedliche Interessengruppen um die Vorherrschaft. Bild: EPA/EPA

4 Jahre Krieg: Was passiert eigentlich im Jemen? Die wichtigsten Fragen und Antworten



Seit 2013 tobt im Jemen ein Bürgerkrieg, die saudische Intervention jährte sich diese Woche zum vierten Mal. Der Konflikt im Jemen geht auf ältere Strukturen zurück, wird aber von neuen Machtkonflikten befeuert. Ein Überblick über den Krieg im Jemen in fünf Fragen und Antworten:

Warum wird im Jemen Krieg geführt?

Die Gründe für den Ausbruch des Krieges im Jemen sind sehr vielschichtig. Zum einen stehen sich mit den schiitischen Huthi-Rebellen und der sunnitischen Regierung zwei unterschiedliche religiöse Auslegungen gegenüber. Die Spaltung im Jemen verläuft zwar seit Mitte des 20. Jahrhunderts tatsächlich zwischen Schiiten und Sunniten. Es wäre jedoch zu einfach, den Bürgerkrieg auf rein religiöse Faktoren zurückzuführen.

Der heutige Staat Jemen war lange in einen südlichen und nördlichen Teil gespalten. Erst 1990 wurde das Land wiedervereinigt. Der Norden übernahm jedoch politisch die Führung. So sah sich der erste gesamtjemenitische Präsident, Ali Abdullah Salih, bereits 1994 wieder mit einem Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd konfrontiert.

Das geteilte Jemen.

So sah die Spaltung Jemens vor 1990 aus. Nord- und südjemenitische Truppen stehen sich aber auch ab 1990 noch gegenüber. Bild: wikimedia

Die Truppen im Süden verloren diesen Krieg und Salih blieb an der Macht. Erst im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 trat Salih die Präsidentschaft nach 34 Jahren an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Dieser verlor jedoch die Kontrolle über die Lage und so brach 2013 ein zweiter Bürgerkrieg aus.

Die nordjemenitischen Huthi-Rebellen konnten in kurzer Zeit mehrere wichtige Städte besetzen, so auch die Hauptstadt Sanaa. Hadis Regierung hatte den Rebellen nichts entgegenzusetzen und löste sich 2015 faktisch auf. Im März entschloss sich jedoch eine von Saudi-Arabien geführte und von verschiedenen arabischen Staaten unterstützte Militärkoalition zu einer Intervention zu Gunsten der wankenden Regierung.

Wer ist am Krieg beteiligt?

FILE - In this Jan. 3, 2017 file photo, tribesmen loyal to Houthi rebels chant slogans during a gathering aimed at mobilizing more fighters into battlefronts to fight pro-government forces, in Sanaa, Yemen. Moroccan government officials said Thursday Feb. 7, 2019 that Morocco has stopped taking part in military action with the Saudi-led coalition in Yemen’s war, and has recalled its ambassador to Saudi Arabia. (AP Photo/Hani Mohammed, File)

Salih-Unterstützer und Huthi-Kämpfer 2019 in Sanaa. Bild: AP/AP

Seit der Intervention 2015 stehen sich auf der einen Seite die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz und die von der Militärkoalition unterstützte Hadi-Regierung gegenüber. Als dritte Konfliktpartei sind noch die Dschihadisten im Süden des Landes zu nennen. Diese setzen sich aus Al-Qaida- und «IS»-Gruppen zusammen.

Die Huthi aus dem Norden werden von der Regionalmacht Iran unterstützt. Das Ausmass der Unterstützung ist jedoch umstritten. Ausserdem halten jene Teile der jemenitischen Armee, die den ehemaligen Präsidenten Salih unterstützten, zu den Huthi-Rebellen. Das ist insofern interessant, weil Salih selbst 2017 von Huthi-Kämpfern getötet wurde.

Auf der anderen Seite steht die faktisch entmachtete und durch die Koalition gestützte Regierung Hadis. An der Koalition beteiligt sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Bahrain, Katar, Kuwait, Jordanien, Marokko, Sudan und Senegal. Ausserdem werden sie von den USA, Grossbritannien und Frankreich logistisch unterstützt.

Warum dauert der Konflikt schon so lange?

epa07343436 A Yemeni rides a motorbike past a destroyed building allegedly targeted by a previous Saudi-led airstrike, in Sana'a, Yemen, 04 February 2019. According to reports, representatives of the Saudi-backed Government of Yemen and the Houthi rebels are scheduled to hold talks 05 February in Jordan over a UN-brokered prisoner swap involving more than 15 thousand war prisoners and forcibly detained people allegedly captured in the nearly four-year conflict.  EPA/YAHYA ARHAB

Ein von einem saudischen Luftangriff zerstörter Gebäudekomplex in der Nähe von Sanaa. Bild: EPA/EPA

Der Krieg im Jemen startete 2013 als Bürgerkrieg und war quasi eine Fortsetzung des Bürgerkriegs von 1994. Die Regierung Hadis hatte es nach dem arabischen Frühling 2011 verpasst, das Land tatsächlich zu einen. Stattdessen bereicherte sich der Norden weiterhin auf Kosten des Südens. Die Spannungen zwischen Nord und Süd wurden damit nicht abgebaut, sondern nahmen noch zu.

Seit 2015 hat sich dieser Bürgerkrieg noch zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den beiden Regionalmächten Saudi-Arabien und Iran ausgewachsen. Solange die beiden Konfliktparteien von internationalen Kräften weiterhin unterstützt und versorgt werden, bleibt der Konflikt in einer Pattsituation stecken.

Solche Konflikte, die Eigenschaften von Bürgerkrieg und internationalen Konflikten vereinen, haben seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zugenommen. So werden bereits regional vorhandene Spannungen von internationalen Kräften aufgenommen und durch Einmischung aufrechterhalten.

In diese Kategorie zählt auch der Vietnamkrieg. Hätten nicht französische und später amerikanische Truppen auf Seiten Südvietnams eingegriffen, wäre der Konflikt wohl schon viel früher zu Gunsten Nordvietnams entschieden gewesen.

Was sind die Folgen?

Die UNO bezeichnet die Situation im Jemen als die aktuell schlimmste humanitäre Katastrophe. Mehr als 2,3 Millionen Menschen sind im Jemen auf der Flucht. Fast 200'000 Menschen sind in die Nachbarländer geflüchtet. Laut der UNO sind 22 der 28 Millionen Einwohner Jemens auf humanitäre Hilfe angewiesen. 1,8 Millionen Kinder sind extrem mangelernährt.

epa07278610 A Yemeni woman carries her sick child as she waits to receive medical attention at a hospital in Sana'a, Yemen, 12 January 2019. According to UNICEF estimates, the ongoing conflict in Yemen has left more than 11 million children - 80 percent of all the children in the Arab country - in need of humanitarian assistance.  EPA/YAHYA ARHAB

Wegen der schlechten medizinischen Lage im Jemen werden kranke Kinder zum Teil tagelang nicht behandelt. Bild: EPA/EPA

Die Schätzungen zur Zahl der Todesopfer bewegen sich zwischen 10'000 und 60'000. Viele davon sind nicht auf direkte Waffengefechte zurückzuführen, sondern auf Hungersnöte und Krankheiten. Ausgelöst werden diese zum einen wegen der Blockade des Landes, andererseits steht die medizinische Infrastruktur laut der UNO kurz vor dem Kollaps. Fast die Hälfte aller medizinischen Einrichtungen sei bei Bombardierungen und Gefechten zerstört worden.

Die Glückskette sammelt für die humanitäre Unterstützung im Jemen. Bisher sind über drei Millionen Franken zusammengekommen (Stand: Freitag). Wer spenden will, kann das hier tun.

Wie sieht die Zukunft für Jemen aus?

Im Winter hatten sich die Konfliktparteien auf eine Waffenruhe für die Hafenstadt al-Hudaida im Westen des Landes verständigt. Dies ist deshalb wichtig, weil dadurch die Blockade aufgehoben und Hilfsgüter einfacher ins Land geschafft werden könnten.

epa07463202 Yemeni women walk past a building allegedly destroyed by a previous Saudi-led airstrike, on the fourth anniversary of the Saudi-led military campaign on Yemen, in Sana'a, Yemen, 25 March 2019. The Saudi-led military coalition continues its airstrike campaign against the Houthi rebels and their allied forces across war-affected Yemen since March 2015, claiming the lives of about 15 thousand people and displacing more than three million.  EPA/YAHYA ARHAB

Wie lange sich der Konflikt noch hinzieht, ist ungewiss. Bild: EPA/EPA

Faktisch wurde diese Waffenruhe aber bereits kurz nach der Vereinbarung wieder mehrfach gebrochen. So wollten Huthi-Truppen die Hafenstadt zwar im Februar verlassen, im März wurde dort aber bereits wieder gekämpft. Die humanitäre Lage wird sich also auch in naher Zukunft kaum ändern.

Langfristig ist es schwierig, eine Vorhersage zu treffen. Fakt ist jedoch, dass der Konflikt durch die beiden Kräfte Iran und Saudi-Arabien in die Länge gezogen wird. Solange sich diese beiden Parteien nicht einig werden, wird der Konflikt fortgeführt.

«Der Krieg im Jemen droht eine ganze Generation zu töten»

abspielen

Video: srf/SDA SRF

Machtkampf im Jemen

Die «Top Ten» der gefährlichsten Länder für Frauen

«Der Krieg im Jemen droht eine ganze Generation zu töten»

Play Icon

Schweizer Waffenexporte

In diese Staaten könnte die Schweiz jetzt Waffen liefern

Link zum Artikel

Showdown um gelockerte Waffenexporte: «Stellen Sie sich vor, wo das hinführen würde!»

Link zum Artikel

Schweizer Rüstungsunternehmen RUAG wollte diesen Minenwerfer nach Katar exportieren

Link zum Artikel

Politiker kannten brisanten Bericht – und stimmten dennoch für Lockerung beim Waffenexport

Link zum Artikel

«Es kann gar nichts passieren!» – FDP-Dittli tappt ins Minenfeld der Waffenexport-«Arena»

Link zum Artikel

Parlament oder Bundesrat:  Wer soll für Waffenexporte zuständig sein?

Link zum Artikel

Von Waffen, Worten und Werten – so verraten CVP, FDP und SVP ihr Parteiprogramm

Link zum Artikel

«Politisch motivierter Bericht» – SECO-Chefin wehrt sich gegen Vorwürfe beim Waffenexport

Link zum Artikel

Nach nur 31 Stunden – Allianz gegen Waffenexporte hat 25'000 Unterstützer zusammen

Link zum Artikel

9 (+1) bitterböse Memes, welche die Schweizer Waffenexporte perfekt auf den Punkt bringen

Link zum Artikel

Rüstungsfirma droht mit Wegzug aus der Schweiz – Bundesrat zwischen den Fronten

Link zum Artikel

Bericht nimmt Schweizer Waffenexporte unter die Lupe – das Resultat ist vernichtend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheRealSnakePlissken 31.03.2019 14:31
    Highlight Highlight Zitat: „An der Koalition beteiligt sind Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Bahrain, Katar, Kuwait, ...“ - Kommentar: Kann mir kaum vorstellen, dass Katar Teil dieser Koalition ist. Interessanterweise ist Oman neutral respektive engagiert sich nur humanitär. Wahrscheinlich, weil die Omanis bis 1975 selbst noch einen Bürgerkrieg im Land hatten (Dhofar) und sich nicht auf ein Abenteuer im Gefolge des saudischen „Blutprinzen“ eingelassen haben. - Sehr beschämend und unentschuldbar, dass auch westliche inklusive Schweizer Waffenlieferungen den Konflikt am laufen halten.
  • Wenzel der Faule 30.03.2019 22:18
    Highlight Highlight Nach vier Jahren Unterstützung von so vielen arabischen Ländern, Usa, Frankreich und GB ist noch immer kein Ende in Sicht. Wie lange wollen die weitermachen? Bis die ganze Bevölkerung tot oder geflohen ist?
    Humanitäre Unterstützung ja, aber militärische sollte aufs schärfste verurteilt und sanktioniert werden, traut sich wohl einfach niemand, könnte ja finanzielle Einbussen für einen selbst haben...
    Traurig diese eierlosen Politiker...
  • opwulf 30.03.2019 18:47
    Highlight Highlight Leo Helfenberger vielen Dank für diesen wichtigen Artikel! Könnte man evtl. noch die MsF zur momentanen humanitären Lage in Yemen befragen? Auch wäre es spannend zu erfahren ob das schweizerische Aussendepartement und andere europäische Staaten je eine Protestnote an unsere Verbündeten Staaten (USA, GB, FR) für die logistische Mithilfe und der damit indirekten Einflussnahme ins Kriegsgeschehen, schickten! Und falls sie nicht protestierten (wovon auszugehen ist), wieso nicht?
    • RalpH_himself 30.03.2019 21:36
      Highlight Highlight MSF ist in Jemen (genau wie in Syrien) mit nur sehr wenig Personal vertreten wegen der gefährlichen Lage. Nach möglichkeit werden jedoch lokale Institutionen mit Hilfsgütern und Logistik unterstützt.
  • tzhkuda7 30.03.2019 18:12
    Highlight Highlight Das es ein Kampf unter Moslems (Sunna vs. Shia) ist eigentlich das einzige das ich weiss.

    Ich würde diesbezüglich wohl aber auch auf den Iran zeigen. Braucht immer zwei die beim Streit mitmachen, der Jemen ist böse gesagt nur die Arena für die Kontrahenten
  • FloW96 30.03.2019 17:24
    Highlight Highlight Es wird Zeit, dass endlich etwas gegen den Unrecht-Staat Saudi-Arabien unternommen wird (der Iran verhält sich gleich fraglich, wird aber bereits scharf sanktioniert).

Wir haben eine Schweizer Rekord-Saison in der NHL versprochen – und lagen (knapp) daneben

Die Regular Season in der NHL ist vorbei. Zeit, um Bilanz zu ziehen und zu schauen, wie sich die Schweizer in der besten Liga der Welt geschlagen haben.

Vor der Saison haben wir grosse Sprüche geklopft! Die beste Schweizer NHL-Saison der Geschichte dürften die Fans erwarten, schrieben wir in unserer Vorschau.

Haben wir zu dick aufgetragen? Vielleicht ein wenig. Aber während einige Spieler aus diversen Gründen unter den Erwartungen blieben, übertrafen andere diese auch.

82 Spiele, 15 Tore, 41 Assists

Es hätte klar Roman Josis beste Saison in der NHL werden können, wäre er nicht gegen Ende der Regular Season in ein Tief gefallen. Im März hatte …

Artikel lesen
Link zum Artikel