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Angriff auf Paris

Tag zwei nach der Terrornacht: Das wissen wir über Taten, Täter und Opfer – die Fakten im Überblick

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Eine gewaltige Anschlagsserie erschüttert Paris
Die Anschläge von Paris schockieren nicht nur die Menschen in Frankreich. Weltweit kommt es zu Trauer- und Solidaritätsbekundungen. So wie hier in London. EPA/JACK TAYLOR
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Tag zwei nach der Terrornacht: Das wissen wir über Taten, Täter und Opfer – die Fakten im Überblick

Tausend Berichte, tausend Kommentare, tausend Bilder – und immer neue Details zur Pariser Terrornacht: Der Informationsfluss ist immens. Wir haben geordnet, was es zu ordnen gibt. Hier sind die wichtigsten Fakten im Überblick.
15.11.2015, 05:2215.11.2015, 08:11
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Die Taten

Freitag, 13. November, 21.30: Praktisch zeitgleich verüben Terroristen an sieben Orten in der französischen Hauptstadt Anschläge. Staatsanwalt Molins sprich von drei Teams von Attentätern, die sich abgesprochen haben. Die Sprengstoffvorrichtungen waren identisch, zudem benutzten alle Sturmgewehre des Typs Kalaschnikow.

Einschussloch an der Rue Alibert.
Einschussloch an der Rue Alibert.
Bild: EPA/DPA
  • Geiselnahme im Bataclan: Vier Männer betreten den Konzertsaal Bataclan und töten über 100 Menschen. Es folgt eine fast dreistündige Geiselnahme. Einigen gelingt die Flucht nach draussen. Als eine Spezialeinheit den Saal nach Mitternacht stürmt, sprengen sich drei der vier Täter in die Luft, einer wird von der Polizei erschossen.
  • Explosionen beim Stade de France: Während des Spiels Frankreich – Deutschland sprengen sich zwei Terroristen nahe des Fussballstadions Stade de France in die Luft. Offenbar versuchten sie, mit ihren Sprengstoffwesten ins Stadion zu gelangen. Mindestens einer der Attentäter trug ein Ticket für das Spiel auf sich.
  • Anschläge auf Cafés und Restaurants: An mehreren Orten in Paris' beliebtem Ausflugsviertel werden Schüsse aus einem Seat abgefeuert. Fünf Menschen werden auf der Terrasse der Pizzeria La Casa Nostra in der Rue de la Fontaine au Roi erschossen, an der Ecke Rue Bichat/Rue Alibert sterben 14, an der Rue de Charonne 18 Menschen. Am Boulevard Voltaire sprengt sich ein Attentäter in die Luft.

Der IS verbreitete am Samstag eine Erklärung, in der die Dschihadisten behaupten, die Anschlagsorte bewusst ausgewählt zu haben. Das Stade de France sei angegriffen worden, weil sich Staatspräsident Hollande zum Zeitpunkt der Tat dort aufhielt. Die Konzerthalle, «weil dort eine perverse Feier» stattgefunden habe.

Was ist wann und wo passiert?
>>> Hier geht's zum Zeit-Protokoll der Terrornacht.

Die Täter

Es spricht so ziemlich alles dafür, dass der IS für die Anschläge verantwortlich ist – obwohl im Bekennerschreiben kein Insiderwissen geteilt wird. Die Dschihadisten schreiben von acht Terroristen. Klar ist: Sieben Attentäter sind tot. Vier starben im Bataclan, einer am Boulevard Voltaire und zwei beim Stade de France.

Ob weitere auf der Flucht sind, ist unklar.

Die Identifizierung der Täter ist mühsam: Von ihnen ist nicht viel übrig. Mit DNA-Abgleichen versuchen die Ermittler herauszufinden, wer sie waren. Das ist bisher bekannt:

  • Polizeibekannter Islamist: Einer der Bataclan-Angreifer wurde als 29-jähriger Franzose identifiziert. Zwischen 2004 und 2010 wurde er acht Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt. Seit 2010 stand er wegen seiner Radikalisierung unter Beobachtung. Mit Terrornetzwerke konnte er allerdings nie in Verbindung gebracht werden.
  • Syrischer Pass: Bei einem Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde der Pass eines 25-jährigen Syrers gefunden. Noch ist unklar, ob dieser Pass tatsächlich dem Täter gehörte, und ob das Papier echt ist. Nach Angaben der griechischen Behörden wurde der Pass am 3. Oktober auf der griechischen Insel Leros vorgezeigt und registriert. «Washington Post» berichtete, der Inhaber sei in der nordsyrischen Stadt Idlib geboren. 
  • Ägyptischer Pass: Bei einem zweiten Selbstmordattentäter in der Nähe des Fussballstadions soll nach Angaben des französischen Fernsehsenders «BFMTV» ein ägyptischer Pass gefunden worden sein. Der Staatsanwalt von Paris machte dazu allerdings keine Angaben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf griechische Regierungskreise, dass auch ein zweiter Attentäter über Griechenland nach Europa gekommen sein soll. Die Information ist allerdings nicht offiziell bestätigt.
  • Spur nach Brüssel: Mehrere Augenzeugen in Paris sagten, ein Teil der Angreifer sei in einem Auto mit belgischem Kennzeichen eingetroffen. Belgische Anti-Terror-Ermittler haben danach bei Razzien im Viertel Molenbeek mehrere Personen festgenommen. Zudem wurde am Samstag ein Franzose mit Wohnsitz in Belgien an der französisch-belgischen Grenze kontrolliert. 
  • Minderjährig: Der Radiosender Europe 1 meldet unter Berufung auf Rechtsmediziner, dass mindestens ein Selbstmordattentäter sehr jung gewesen sei, zwischen 15 und 18 Jahre alt.
Polizeieinsatz im Brüsseler Quartier Molenbeek.
Polizeieinsatz im Brüsseler Quartier Molenbeek.
Bild: OLIVIER HOSLET/EPA/KEYSTONE

Die Opfer

Mindestens 129 Menschen sind gestorben. Hunderte wurden verletzt. Die Opfer sind mehrheitlich aus Frankreich, unter den Toten sind aber auch mehrere Ausländer. Je ein Todesopfer stammt aus den USA, aus Schweden und aus Grossbritannien, wie die jeweiligen Regierungen mitteilten. Zudem stammen demnach jeweils zwei Todesopfer aus Belgien, Rumänien, Mexiko und Chile.

Unter den Verletzten befindet sich auch eine Schweizerin, wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) unter Berufung auf die französischen Behörden mitteilte. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass Schweizerinnen und Schweizer unter den Todesopfern in Paris sein könnten.

Wahrscheinlich sind sehr viele junge Menschen unter den Opfern. Unter dem Hashtag #rechercheParis posten auf Twitter verzweifelte Menschen Fotos von vermissten Angehörigen oder Freunden, die in dem Konzertsaal Bataclan waren. Dort hatten sich insgesamt mehr als 1500 Besucher versammelt, um ein Konzert der Gruppe «Eagles of Death of Metal» zu hören.

Weltweite Trauer um die Opfer von den Paris-Anschlägen

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Weltweite Trauer um die Opfer von den Paris-Anschlägen
Die Anschläge in Frankreich lösen weltweit Schrecken und Entsetzen aus. Bild: EPA/ARMANDO BABANI
quelle: epa/epa / armando babani
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Die Reaktionen

  • Frankreich: Präsident François Hollande verhängte noch in der Nacht den Ausnahmezustand über ganz Frankreich und eine dreitägige Trauerphase. An den Grenzen wurde mit Kontrollen begonnen. In Paris werden zusätzlich 1500 Soldaten eingesetzt. Hollande machte den IS für die Anschläge verantwortlich und bezeichnete die Attacke als Kriegsakt.
  • Deutschland: In Berlin verstärkte die Polizei ihre Präsenz auf den Strassen der Stadt und fuhr mit Streifenwagen vor bekannten französischen Einrichtungen vor. Das Personal der Geheimdienste soll um Hunderte Stellen aufgestockt werden.
  • Belgien: Belgien hat seine Sicherheitsmassnahmen verschärft. Das betreffe die Grenze zu Frankreich, die Flughäfen und den Zugverkehr, sagte Premierminister Charles Michel.
  • USA: In Grossstädten der USA erhöhte die Polizei ihre Präsenz, etwa in den Strassen von New York. Spezialeinheiten zur Terrorabwehr wurden an Orten postiert, die von besonders vielen Touristen besucht werden. In Washington gab es verstärkte Patrouillen im Regierungsviertel rund ums Kapitol. An französischen Einrichtungen wurden zusätzliche Sicherheitskräfte postiert.
  • Ägypten: Der Leiter der islamischen Azhar-Universität in Kairo, einer der führenden Institutionen des sunnitischen Islam, hat die «Hass»-Anschläge von Paris verurteilt. «Solche Taten laufen allen religiösen, humanitären und zivilisierten Prinzipien zuwider», sagte Imam Ahmed al-Tajeb. Die Äusserungen Tajebs wurden im ägyptischen Fernsehen übertragen. Der Imam forderte, die Welt müsse sich «einen, um diesem Monster entgegenzutreten».
  • NATO: Generalsekretär Jens Stoltenberg hat nach der Anschlagsserie davor gewarnt, von einem Religionskrieg zu sprechen. «Dies ist kein Kampf zwischen der islamischen Welt und dem Westen. Es ist ein Kampf von Extremisten und Kriminellen gegen Menschen, die an grundlegende Werte wie Freiheit und die Achtung der Menschenrechte glauben», sagte Stoltenberg.

(dwi)

>>> Hier geht's zu den aktuellen Ereignissen im Nachrichten-Ticker

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