Hightech-Drohnen legen wichtige Basis in USA lahm – wer dahintersteckt, ist nicht klar
Die US-Luftwaffenbasis Barksdale im Bundesstaat Louisiana gilt als eine der grössten und wichtigsten Militärbasen der amerikanischen Streitkräfte im eigenen Land. Dort sind insbesondere Langstreckenbomber vom Typ B-52 stationiert. Mitte März wurde die Basis mehrfach komplett lahmgelegt.
Der Grund: Immer wieder schwirrten Drohnenschwärme über den Waffenplatz und verhinderten, dass Starts wie geplant durchgeführt werden konnten. Unter anderem waren auch B-52-Bomber, die Einsätze im Iran fliegen sollten, betroffen, wie das Fachmagazin The War Zone berichtete.
Laut einem vertraulichen internen Dokument, das ABC News vorliegt, waren die Drohnenflüge weit umfassender, als dies zunächst öffentlich dargestellt wurde. In dem Dokument steht unter anderem, dass in der Woche vom 9. bis zum 15. März «mehrfach Wellen von jeweils 12 bis 15 Drohnen über sensible Bereiche des Stützpunkts, einschliesslich der Start- und Landebahn» flogen. Jede der Wellen zwang die US-Luftwaffe, den Betrieb einzustellen und das Betriebspersonal der Basis in Schutzräume zu schicken.
Brisant ist dabei, dass es sich offenbar keineswegs um Aktionen von Hobbypiloten mit Amateurdrohnen gehandelt hatte. Gemäss dem internen Bericht wiesen die beobachteten Drohnen «nicht-kommerzielle Signalmerkmale, Langstrecken-Steuerungsverbindungen und Störfestigkeit» auf. Die Drohnen sind laut dem Bericht fortschrittlicher als sämtliche Typen, die im Ukraine-Krieg zum Einsatz kommen. Auch sollen sie die bekannten Fähigkeiten von Irans Drohnen klar übertreffen. Wer hinter den Drohnenflügen steckt, ist nicht bekannt.
Ein Offizier auf der Basis, Hauptmann Hunter Rininger, bestätigte das zunächst nicht gemeldete Ausmass der Drohnenflüge gegenüber «ABC News». Wie aus dem Bericht auch hervorgeht, dauerten die Drohnenwellen jeweils etwa vier Stunden. Dabei seien gezielt verschiedene Anflugrouten genutzt worden. Nachdem die Drohnen in den Luftraum der Basis eingedrungen seien, hätten sie sich «gezielt» verteilt. Nach Einschätzung der Berichtverfassenden könnten die Drohnenpiloten die Sicherheitsmassnahmen auf dem Stützpunkt ausgetestet haben.
Der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium der USA während Donald Trumps erster Amtszeit, Michael Patrick Mulroy, sagte gegenüber ABC:
«Es hat sich ganz sicher nicht um durchschnittliche Drohnen-Enthusiasten gehandelt, die einfach übertrieben haben», so Mulroy weiter.
Die US-Luftwaffenbasis Barksdale im Bundesstaat Louisiana ist eine von nur zwei in den Vereinigten Staaten, auf welchem Langstreckenbomber vom Typ B-52 stationiert sind und wo deren Piloten trainiert werden. Auch nukleare Waffen sind in Barksdale gelagert, so beispielsweise Langstrecken-Marschflugkörper.
Die Basis verfügt laut «The War Zone» über kein Flugabwehrsystem und auch keine Kampfjets oder andere Anlagen, die Drohnen abschiessen könnten. Nur elektronische Massnahmen, um GPS oder die Datenübertragung zwischen Drohnen und deren Piloten zu stören, seien vorhanden – diese hätten sich gegen die modernen Flugkörper aber als nutzlos erwiesen.
Barksdale-Hauptmann Rininger bezeichnete die Drohnenflüge als Straftat. Man werde die Vorfälle noch genauer untersuchen und entsprechende Massnahmen ergreifen. Laut «The War Zone» arbeitet die US-Armee an einem neuen Drohnenabwehrsystem, das insbesondere kleine Flugkörper effektiv abfangen soll.
Im vergangenen Jahr gab es auch in der Schweiz Berichte über Drohnen, die in den Luftraum über Waffenplätzen eindrangen. Auch hierzulande blieb unklar, wer genau dahintersteckt. Das Bundesamt für Luftfahrt ging unter anderem von Drohnen von Privatpersonen aus, die sich bewusst oder unbewusst «verirrten». Einen Abschuss der Drohnen hielt die Armee für unverhältnismässig. (con)
