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Selbstmordattentat in Istanbul +++ 15 Verletzte, 10 Tote – darunter vor allem Deutsche +++ Täter war ein syrisches «IS»-Mitglied

Bei einer Explosion im Istanbuler Touristenviertel Sultanahmet sind mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Offizielle Stellen sprechen von einem Selbstmordanschlag, den ein syrisches Mitglied des «IS» verübt haben soll.



Ein Selbstmordattentäter hat sich in der Nähe einer deutschen Reisegruppe in Istanbul in die Luft gesprengt und zehn Menschen getötet, darunter neun Deutsche. Laut Ministerpräsident Ahmed Davutoglu war der Attentäter von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ausserdem wurde ein peruanischer Tourist getötet, und 15 weitere Menschen wurden verletzt.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Davutoglu sagte aber im Fernsehen: «Wir haben ermittelt, dass der Urheber dieser Terrorattacke ein ausländisches IS-Mitglied ist.» Es handle sich um einen im Jahr 1988 geborenen Syrer, der erst kürzlich in die Türkei gereist sei, sagte Regierungssprecher Numan Kurtulmus. Präsident Recep Tayyip Erdogan verurteilte das «terroristische Attentat».

Der Attentäter zündete seinen Sprengsatz um 10.18 Uhr Ortszeit vor einem Obelisken vor der Blauen Moschee, als sich dort eine deutsche Reisegruppe aufhielt. Augenzeugen berichteten von einem grossen Feuerball. Der Ort im Stadtteil Sultanahmet ist der grösste Anziehungspunkt für Touristen in der türkischen Metropole.

Damla Hekimoglu ist Journalistin und Korrespondentin beim deutschen WDR.

Mehrere Deutsche unter den Opfern

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert. «Heute traf es Istanbul, es traf Paris, es traf Tunesien, es traf auch schon Ankara», sagte sie in Berlin mit Blick auf vorherige verheerende Anschläge, die alle auf das Konto der sunnitischen Fanatiker des so genannten Islamischen Staates (IS) gehen sollen.

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein und rief alle Reisenden in Istanbul «dringend» auf, Menschenansammlungen auf öffentlichen Plätzen zu meiden.

Keine Hinweise auf Schweizer Opfer

Auch das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erneuerte im Hinblick auf den jüngsten Anschlag in Istanbul seinen Reisehinweis «auf das Risiko von Terroranschlägen...im ganzen Land». Bis zum späten Dienstagnachmittag hatte das EDA in Bern keine Kenntnis von Schweizer Opfern.

Davutoglu hatte Merkel in einem Telefongespräch über die deutschen Opfer informiert und sein Beileid übermittelt. Er sicherte zu, alles für die Verletzten zu tun und die Tat aufzuklären. Er rief sein Sicherheitskabinett zusammen, zu dem auch Geheimdienstchef Hakan Fidan gehört.

Auch der bislang blutigste Anschlag auf türkischem Boden, bei dem im Oktober in Ankara 103 Menschen getötet worden waren, wird der IS-Terrormiliz zugeschrieben. Seitdem gilt in der Türkei die höchste Terrorwarnstufe.

EU und NATO sichern Türkei ihre Solidarität zu

Die EU bekundete ihre Solidarität mit der Türkei. «Ich verurteile den brutalen Terrorakt in Istanbul», schrieb EU-Ratspräsident Donald Tusk auf Twitter. Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, die EU und die Türkei «stehen vereint gegen alle Formen des Terrorismus».

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg versicherte, die Allianz stehe geschlossen an der Seite ihres Mitglieds Türkei.

Ankara war lange vorgeworfen worden, nicht entschieden gegen die IS-Terrorbanden in Syrien vorzugehen. Seit sich Ankara nach langem Zögern im Sommer dem Kampf gegen den so genannten Islamischen Staat angeschlossen hat, ist die Türkei zunehmend ins Visier der Terrormiliz geraten. (sda/afp/dpa/reu)

Auf Fernsehbildern waren zahlreiche Polizisten sowie Rettungskräfte zu sehen. Eine Reporterin von CNN berichtete, zu der Explosion sei es an dem ägyptischen Obelisken gekommen, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Die Explosion war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

Seit Ende des Waffenstillstandes zwischen der Regierung und der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK vor einigen Monaten hat es mehrere Anschläge in türkischen Städten gegeben.

Update folgt...

(phi/viw)

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • frankyfourfingers 12.01.2016 16:43
    Highlight Highlight Das ging aber sehr schnell, Herr Gollum. Haben Sie dies dank einem unzerstörbaren Pass herausgefunden? Oder doch eher den Typ gleich selbst angestiftet?
  • sägsali 12.01.2016 16:33
    Highlight Highlight Hier Anschläge, da Anschläge... es eskaliert 😧
  • 4giveness 12.01.2016 15:43
    Highlight Highlight Auf Grund der (zu)schnellen Reaktion des Cumhur Başkan, denke ich, dass die Organisatoren zu diesem Anlass wohl eher beim MIT zu suchen sind.
    (persönliche Meinung, aus Gründen...)
  • Señor V 12.01.2016 14:23
    Highlight Highlight Erdi weiss aber wieder mal sehr schnell Bescheid! Mich erstaunt, dass er es dieses Mal nicht den Kurden in die Schuhe schiebt...

    Was auch immer geschehen ist, muss jedoch verurteilt werden und ich möchte meine Anteilnahme mit den Opfern, deren Familien und Angehörigen bekundigen. <3
  • zombie woof 12.01.2016 14:11
    Highlight Highlight Erdogan, der von Gott gesandte Heiland, weiss alles....dieser durchgeknallte Typ hält schon die restliche Welt für dumm
  • AdiB 12.01.2016 13:55
    Highlight Highlight da fragen sich einige woher die türkei so schnell weis wer es war?
    ist es nicht so dass man 10 min nach allen anschlägen weis wer es war? vielleicht hat man einen pass gefunden?
    • lvsc. 12.01.2016 15:33
      Highlight Highlight glaub eher nöd.
  • ferox77 12.01.2016 13:53
    Highlight Highlight Man hat die Syrer so viele Jahre im Stich gelassen und da haben sich halt viele von den hehren Idealen der Demokratie abgewendet und sich religiösen Rattenfängern zugewendet. Zusammen mit wachsendem militärischem Erfolg und einer besseren Bezahlung haben diese Gruppen nun einen unendlichen Zustrom an in- und ausländischen Kämpfern. Die angeblich vernichtenden Verluste des Daesh (IS) konnten rasch durch ausländische Kämpfer und Selbstmordattentäter, auch aus Europa und der Türkei, aufgefüllt werden.
    • ferox77 12.01.2016 16:00
      Highlight Highlight 2)
      Von Anfang war klar, dass B. Assad dieses Spiel nicht überleben wird, er hatte einfach zu viele und zu mächtige Feinde. Und was am Schluss aus den Alawiten in dieser Region wird, bleibt ebenfalls offen.
  • Blutgruppe 12.01.2016 13:39
    • Monti_Gh 12.01.2016 14:12
      Highlight Highlight bestes Beispiel für #whataboutism
  • glüngi 12.01.2016 13:27
    Highlight Highlight Erdogan kriegt die Rechnung für seinen Schmusekurs mit dem IS. Leider trifft es wieder einmal unschuldige.

    Wann wird dieser Mann endlich weggesperrt?
  • Badmark66 12.01.2016 13:04
    Highlight Highlight Sehr viele gute und differenzierte Kommentare.
    Ich bin jedoch auch der Meinung, dass dieser Anschlag eher von Erdogan selber verübt und geplant ist.
    So rechtfertigt er immer mehr Entzug und Beschneidung von Bürgerrechten.
    Die Nachrichtensperre kurz nach dem Anschlag sagt alles.
    Lieber Geld mit gestohlenem Öl machen und gleichzeitig Millionen für den Schutz der EU Aussengrenzen kassieren.
    Erdogan ist gemein-gefährlich.
  • Can 12.01.2016 11:55
    Highlight Highlight http://www.hurriyet.com.tr/istanbul-sultanahmette-meydana-gelen-patlama-haberlerine-yayin-yasagi-40039361

    Sendesperre für die Nachrichtenagentur AA (Anadolu Ajansi)

    Kritik der Twitterer à la: "Wir leben in einem Land, in der vor dem Eintreffen der Ambulanz eine Staatliche Sendesperre verhängt wird!"

    Gruss, Can
  • leonidaswarmegahappy 12.01.2016 11:46
    Highlight Highlight Ich glaube die Türkei hat eine grosse Mitschuld am Flüchtlingsschlamassel. Wenn sie die Überfahrt (nach Griechenland etc) "legalisieren" oder wenigstens kontrollieren würden, hätte man schon einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Es ist finanziell leider zu lukrativ dieses wirklich hässliche Geschäft aufzugeben. Sie kassieren ja noch zusätzlich Geld von der UNO. Mit einem kontrollierten und legalen Weg nach Europa zu gelangen hätte man 2 Fliegen auf einen Streich. (Schlepper&kontrollierteres Einreisen) Schade heisst es heute "Geld ist Macht" und nicht mehr "Wissen..."
    • Bijouxly 12.01.2016 12:29
      Highlight Highlight Das ist ein bisschen naiv: Die Türkei kann das nicht entscheiden. Vor allem: welches Interesse hat die Türkei daran? Keines. Das wäre Sache der EU, a) ihre Aussengrenzen zu schützen und b) Migranten bereits in ihrem Heimatland legale Wege ermöglichen. Damit würden die zahlreichen Migranten, welche bei uns kein Asyl erhalten werden, auch nicht zur Flucht ermutigt. Aber eben: in der EU betreibt man lieber nationale Pflästerlipolitik.
    • Jonasn 12.01.2016 12:49
      Highlight Highlight Welches Interesse die Türkei hat? Haha. Ich war dort unten, fast alle Schlepper dort sind Türken. Die Preise schwanken je nach Wetter und Nation p.P. zwischen 500 und 3000 Euro. Plus schwimmwestenverkauf. Die Schlepper teilen ihre Einkünfte zum Teil mit Beamten des Grenzschutz, die dann weggucken. Diese Einnahmen kommen staatlichen Angestellten zugute. Indirektes Einkommen der türkischen Wirtschaft durch das Schlepperbusiness liegt bei grob 1-3 Milliarden (!) Euro. Es ist ein Wirtschaftszweig geworden. Ein enorm lukrativer.
    • Jonasn 12.01.2016 12:51
      Highlight Highlight Übrigens: dass der Attentäter laut Erdogan syrisch sein soll, spielt den Türken in die Hände. Der Flüchtlingsstrom hört eh nicht auf, aber dadurch kann Erdogan jetzt legitimieren, im Inland noch härter mit den Flüchtlingen umzugehen, als es ohnehin schon getan wird. Und noch mehr Flüchtlinge aus der Türkei werden versuchen von dort wegzukommen. Flüchtlinge die bleiben, verursachen kosten. Flüchtlinge, die weiterreisen, generieren income.
    Weitere Antworten anzeigen
  • jesse.pinkman 12.01.2016 10:54
    Highlight Highlight und weiter gehts...
  • nikolas 12.01.2016 10:53
    Highlight Highlight Der kriegstreiberische und faschistische türkische Staat sollte evtl. einfach mal darüber nachdenken wie sie sich bzgl. Syrien und den Kurden positionieren möchten. Des Weiteren sollte der Westen entdlich mal über das Morden an den Kurden informieren.
    Dies soll im übrigen keine Entschuldigung für einen Anschlag sein. Anschläge sind NIE zu rechtfertigen.
    • a-n-n-a 12.01.2016 11:22
      Highlight Highlight ..irgendwie kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es die PKK war (trotz der Gewalt von türkischer Seite, über die leider kaum berichtet wird). Ich tippe eher auf den ISIS, denn was hätte die PKK davon westliche Touristen zu treffen?
    • WeischDoch 12.01.2016 11:57
      Highlight Highlight liebe a-n-n-a,
      Ich denke zwar auch nicht an die PKK, jedoch könnte es die TAK gewesen sein. Eine kurdische Gruppe, denen die PKK zu wenig brutal ist.
      Der Hauptverdächtige im Moment ist aber der türkische Staat...zuerst ein erfundener Angriff des IS auf das türkische Militärkamp im Irak jetzt der Anschlag...Ziel? Durchsetzung der sicheren Zone in Nordsyrien und Verhinderung eines kurdischen Korridors.
    • a-n-n-a 12.01.2016 12:56
      Highlight Highlight @WeischDoch: deine Theorie klingt sehr plausibel!

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