International
Asien

Pakistan: Krankenhaus in Kabul war nicht das Ziel

Pakistan: Krankenhaus in Kabul war nicht das Ziel

17.03.2026, 14:1617.03.2026, 14:16

Pakistan bestreitet, bei seinem Angriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul auf ein Krankenhaus gezielt zu haben.

In einer Stellungnahme auf X schrieb Informationsminister Attaullah Tarar, es seien weder ein Krankenhaus noch eine Entzugsklinik oder andere zivile Anlagen gezielt angegriffen worden.

Die UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) schreibt, die Omid Entzugsklinik sei von einem pakistanischen Luftangriff auf Kabul betroffen. Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte vor Reportern am Schauplatz des Angriffs, bei Angriffen seien 408 Menschen getötet worden, 265 seien verletzt. Die Angaben der beiden Konfliktparteien liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Tarar teilte unterdessen auf X Videos von Luftangriffen. Infrastruktur für technische Unterstützung sowie Munitionslager an zwei Standorten in Kabul seien demnach zerstört worden. In den Videos seien Sekundärdetonationen zu sehen, die auf das Vorhandensein grosser Munitionsdepots hindeuteten, schrieb der Minister weiter.

epa12827172 Deputy Minister of the Interior Mohammad Nabi Omari talks with journalists at the scene of alleged Pakistani airstrikes in Kabul, Afghanistan, 17 March 2026. Afghan authorities alleged tha ...
Der Ort des Angriffs in Kabul.Bild: keystone

Militäranlage in Klinik umgewandelt

Der britische Sender BBC beschreibt das betroffene Areal als eine ehemalige US-Militäranlage. Die Taliban wandelten demnach die Anlage nach ihrer Machtübernahme 2021 in eine Klink um. Drogenabhängig aus der Hauptstadt seien dorthin verbracht worden, berichtet der Sender.

Ein bei den Explosionen verwundeter Patient berichtete dem afghanischen Sender Tolonews: «Das Rekrutierungszentrum der (Taliban) liegt direkt neben uns. Wir haben gesehen, wie sie von dort aus geschossen haben. Flugzeuge kreisten über uns; sie flogen einmal vorbei, und als sie zum zweiten Mal zurückkamen, eröffnete das Rekrutierungszentrum Feuer auf sie. Als der (Pilot) uns mit der Kamera sah, dachte er wahrscheinlich, dass alle hier zum Rekrutierungszentrum gehörten. Als er die grosse Menschenmenge sah, begann er plötzlich mit dem Bombardement.»

Ein pakistanischer Regierungsbeamter sagte der Deutschen Presse-Agentur am Morgen: «Wir werden unsere Angriffe nicht unterbrechen. Wir wollen den Schwung der Operation nicht verlieren, auch wenn es zu einem Fehlschlag gekommen sein könnte.»

Auf X schrieb das pakistanische Informationsministerium, das getroffene Krankenhaus liege mehrere Kilometer entfernt von dem angegriffenen «Camp Phoenix». Der Beitrag stellte zudem die Frage, warum eine Entzugsklinik in unmittelbarer Nachbarschaft zu Munitionsdepots untergebracht sei. Die Angaben liessen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Rettungsarbeiten dauern an

Die betroffene Klinik soll über 2'000 Betten verfügen. Am Tag nach den Angriffen sind Rettungsdienste weiter vor Ort. Mehr als 50 Leichen könnten noch unter den Trümmern begraben sein, sagte ein medizinischer Mitarbeiter dem Sender Tolonews. Am Nachmittag (Ortszeit) soll es ein Massenbegräbnis für die Opfer geben.

Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut Unama Tote und Verletzte. Bis vor dem Angriff am Montag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 76 Zivilisten getötet und 213 verletzt worden, teilte Unama mit.

Afghanistan hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad. Pakistan wirft den islamistischen Taliban in Kabul vor, Terroristen zu unterstützen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul weist das zurück. (dab/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Sri Lanka führt Vier-Tage-Woche ein – um Öl zu sparen
Der Krieg gegen den Iran hat vor allem in Asien eine Energiekrise ausgelöst. In einem Staat hat der Ölmangel besonders drastische Auswirkungen.
Sri Lanka reagiert auf drohende Energieengpässe mit drastischen Massnahmen. Künftig bleiben staatliche Einrichtungen mittwochs geschlossen, um Treibstoff zu sparen. Präsident Anura Kumara Dissanayake rief die Behörden zur Vorsorge auf. Man müsse sich «auf das Schlimmste vorbereiten», sagte er laut einem Bericht der britischen BBC bei einem Krisentreffen. Die zusätzliche Ruhezeit gilt demnach auch für Schulen und Universitäten, nicht jedoch für Einrichtungen der Grundversorgung wie Gesundheits- oder Einwanderungsbehörden.
Zur Story