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FILE - In this Feb. 26, 2019, file photo, Cardinal George Pell arrives at the County Court in Melbourne, Australia. An Australian court spokesman says Pell will not fight for a reduced jail sentence if he fails in his appeal of his conviction for molesting two choirboys in the 1990s. (AP Photo/Andy Brownbill, File)

Der ehemalige Erzbischof von Melbourne, George Pell, soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblösst, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben. Bild: AP/AP

Berufungsverfahren gegen australischen Kardinal Pell begonnen



In Australien hat das Berufungsverfahren im Fall des wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Kurienkardinals und früheren Vatikan-Finanzchefs George Pell begonnen. Der 77-Jährige erschien am Mittwoch vor dem Obersten Gericht des Bundesstaates Victoria in Melbourne.

Der Geistliche will mit seiner Einsprache erreichen, dass seine Verurteilung wegen Kindesmissbrauchs aufgehoben wird.

Ein Geschworenengericht hatte Pell im Dezember schuldig gesprochen, sich Mitte der 90er Jahre in der Kathedrale von Melbourne an zwei 13-jährigen Chorknaben vergangen zu haben. Der damalige Erzbischof von Melbourne soll sich 1996 in der Sakristei vor den Jungen entblösst, sie unsittlich berührt und einen von ihnen zum Oralsex gezwungen haben.

Im März wurde Pell dann zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er sitzt seitdem im Gefängnis. Pell ist der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Der 77-Jährige hat die Vorwürfe stets abgestritten und Berufung eingelegt.

Gute Chancen für Pell

Im Berufungsverfahren wollen seine Anwälte argumentieren, dass Pell wegen der dünnen Beweislage nicht hätte schuldig gesprochen werden dürfen. Die Verurteilung basierte lediglich auf der Aussage eines der mutmasslichen Missbrauchsopfers, andere Beweise gab es nicht. Das zweite mutmassliche Missbrauchsopfer war 2014 an einer Überdosis gestorben und hatte sich nie zu den Vorfällen geäussert.

Pells Anwälte kritisieren zudem, dass die Verteidigung während des Prozesses ein Video nicht zeigen durfte, das den Kardinal entlasten sollte. Ausserdem wurde Pell während des Prozesses nicht vor der Jury gefragt, ob er auf schuldig oder nicht schuldig plädiert.

Rechtsexperten räumen dem Geistlichen gute Chancen ein, das Berufungsverfahren zu gewinnen. Die drei Richter könnten Pells Berufungsantrag zurückweisen, einen neuen Prozess anordnen oder den Kardinal freisprechen. Die Anhörungen sind auf zwei Tage angesetzt, bis zu einer Entscheidung könnten dann noch Wochen vergehen. (sda/afp)

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