DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Jubel bei bosnischen Serben, die nach offiziellen Angaben mit 99,8 Prozent für die Beibehaltung ihres umstrittenen «Nationalfeiertages» stimmten. Foto:  KEYSTONE/AP/AMEL EMRIC

Jubel bei bosnischen Serben, die nach offiziellen Angaben mit 99,8 Prozent für die Beibehaltung ihres umstrittenen «Nationalfeiertages» stimmten. KEYSTONE/AP/AMEL EMRIC

Bosnische Serben stimmen für hoch umstrittenen «Nationalfeiertag» – Abspaltung befürchtet 

In einem Referendum sprachen sich gemäss Teilergebnissen 99,8 Prozent der Bewohner der Teilrepublik Republika Srpska dafür aus, den Feiertag am 9. Januar beizubehalten.



Der serbische Landesteil von Bosnien-Herzegowina hält an seinem umstrittenen «Nationalfeiertag» fest. In einem Referendum sprachen sich nach Teilergebnissen 99,8 Prozent der Bewohner der Teilrepublik Republika Srpska dafür aus, den Feiertag am 9. Januar beizubehalten.

Abstimmung trotz Verbot

Damit sei das Votum der Bevölkerung eindeutig, sagte der Präsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, am Sonntagabend vor Journalisten im Parlament von Banja Luka. Ausgezählt waren am Abend rund 75 Prozent der Stimmen.

Dodik hatte die Volksabstimmung trotz eines Verbots des Verfassungsgerichts angesetzt. Dieses hatte zuvor den Feiertag für illegal erklärt, weil es die muslimischen und kroatischen Bewohner in der Teilrepublik ausgrenze. Wahlberechtigt waren rund 1.2 Millionen Menschen.

Bosnian Serb leader Milorad Dodik casts his ballot at a poling station during referendum in the Bosnian town of Laktasi, northwest of the Bosnian capital of Sarajevo, Bosnia, Sunday, Sept. 25, 2016. Bosnian Serbs are voting in a referendum banned by the country's constitutional court, risking Western sanctions against their autonomous region and criminal charges against their leaders. (AP Photo/Amel Emric)

Milorad Dodik, der Präsident des serbischen Landesteils von Bosnien, ist die treibende Kraft hinter der Abstimmung. Bild: Amel Emric/AP/KEYSTONE

Am 9. Januar 1992, drei Monate vor Beginn des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995, war die Republika Srpska ursprünglich ausgerufen worden - unter anderem von Serbenführer Radovan Karadzic, der im März vom Internationalen Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien wegen Völkermords zu 40 Jahren Haft verurteilt wurde. Bei Nicht-Serben löst der Tag deshalb ungute Gefühle aus.

Gefährdeter Zusammenhalt

Bosnien-Herzegowina ist seit dem Dayton-Friedensabkommen von 1995, mit dem der Bosnien-Krieg beendet wurde, eine Föderation, zu der die Republika Srpska als eine Teilrepublik gehört. Viele bosnische Serben betrachten sich aber nicht als Bosnier, sondern als Serben. Der Zusammenhalt des Landes scheint daher zunehmend gefährdet.

Gegen das Referendum hatten sich auch die USA und die EU ausgesprochen. Sie befürchten einen Schritt in Richtung Abspaltung des serbischen Teils vom Gesamtstaat. Die serbische Regierung unter Ministerpräsident Aleksandar Vucic erklärte ebenfalls im Vorfeld, sie unterstütze das Referendum der bosnischen Serben nicht. Dagegen hatte die Initiative die Unterstützung Moskaus. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

UNO-Folterexperte Nils Melzer: «Der Fall Assange ist wie ein dunkles Familiengeheimnis»

Der Schweizer Jurist Nils Melzer überwacht für die UNO das Folterverbot und hat ein Buch über seine Untersuchung zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange geschrieben. Dessen Rechte seien massiv verletzt worden, sagt Melzer. Und warnt vor der «gefährlichen» PMT-Vorlage, die am 13. Juni zur Abstimmung kommt.

Sie erheben in Ihrem Buch schwere Vorwürfe gegen westliche Staaten im Umgang mit Julian Assange. Was hat Sie bei Ihrer Untersuchung am meisten schockiert?Nils Melzer: Die Erkenntnis, dass der Rechtsstaat offenbar auch in westlichen Demokratien vollkommen ausgehebelt werden kann. Ich habe in den letzten 20 Jahren oft in Kriegs- und Krisengebieten gearbeitet und viele schwere Rechtsverletzungen gesehen. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass in den westlichen Demokratien wenigstens noch der …

Artikel lesen
Link zum Artikel