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epa07889366 Prime Minister Boris Johnson leaves the stage with his partner Carrie Symonds as he is congratulated by his father Stanley Johnson after delivering his speech during the Conservative Party Conference at the Manchester Convention Centre, Britain, 02 October 2019.  EPA/STEFAN ROUSSEAU / POOL

Boris Johnson mit seiner heutigen Freundin Carrie Symonds und seinem Vater Stanley (l.) am Tory-Parteitag in Manchester. Bild: EPA

Brexit, Sex und Korruption: Diese Affären verfolgen Boris Johnson

Boris Johnson hat neue Vorschläge für einen Brexit-Vertrag präsentiert. Gleichzeitig ist er mit den Vorwürfen konfrontiert, er habe eine mutmassliche Geliebte begünstigt und eine Journalistin sexuell belästigt.



Vorsichtig bis skeptisch: So äusserten sich Brüssel und Dublin zu den neuen Brexit-Plänen, die der britische Premierminister Boris Johnson am Mittwoch in seiner Abschlussrede am Tory-Parteitag in Manchester vorgestellt hat. Mit einem ziemlich komplizierten Konstrukt will er Kontrollen an der irischen Grenze vermeiden und so den ungeliebten Backstop beseitigen.

Das Irland-Problem ist der grösste Stolperstein für einen vertraglich geregelten Austritt Grossbritanniens aus der EU. Grenzkontrollen könnten den Friedensprozess in Nordirland gefährden und sollen deshalb vermieden werden. Den Backstop, bei dem Nordirland in der EU-Zollunion und teilweise im Binnenmarkt verbleiben würde, lehnt Johnson jedoch vehement ab.

epa07888600 Britain's Prime Minister Boris Johnson delivers his keynote speech at the Conservative Party Conference in Manchester, Britain, 02 October 2019. The Conservative Party Conference runs from 29 September to 02 October 2019.  EPA/NEIL HALL

Der Premierminister während seiner Abschlussrede am Mittwoch. Bild: EPA

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erklärte nach einem Telefonat mit Johnson, in dessen Vorschlägen steckten «positive Fortschritte». Doch blieben auch «problematische Punkte». Die EU will vermeiden, selbst unter Zugzwang zu geraten, denn der Premierminister hat in Manchester bekräftigt, dass er den Brexit am 31. Oktober in jedem Fall durchziehen will.

Kurs auf Neuwahlen

Boris Johnson nimmt damit in Kauf, das kürzlich vom Parlament beschlossene Gesetz zu brechen, das einen No-Deal-Brexit faktisch verbietet. Für Beobachter ist klar, dass Johnson möglichst bald Neuwahlen durchführen will. Gleichzeitig sind seit dem Wochenende mehrere pikante Vorwürfe aufgetaucht, die Boris Johnson noch zu schaffen machen dürften. Es geht um Sex und Korruption.

Der Bürgermeister und das Ex-Model

Der erste Fall betrifft die US-Unternehmerin Jennifer Arcuri. Sie soll laut der «Sunday Times» für ihre Tech-Firmen Fördergelder von insgesamt 126'000 Pfund (153'000 Franken) erhalten haben, unter anderem während Johnsons Amtszeit als Bürgermeister von London von 2008 bis 2016. Damals soll das Ex-Model gemäss der Zeitung auch eine Affäre mit Johnson gehabt haben.

Der Bürgermeister habe sich regelmässig in Arcuris Wohnung im Osten Londons aufgehalten. Ausserdem begleitete sie ihn auf drei Auslandsreisen nach Singapur und Malaysia, Tel Aviv und New York, obwohl sie die Kriterien für die Teilnahme nicht erfüllt habe, schrieb die «Sunday Times». Zweimal sei sie abgelehnt worden, doch Johnsons Büro habe sich darüber hinweg gesetzt.

Der Verdacht der Begünstigung steht im Raum. Boris Johnson wies gegenüber der BBC den Vorwurf zurück, er hätte einen Interessenkonflikt deklarieren müssen. Alles sei «im Einklang mit den Vorschriften» geschehen. Jennifer Arcuri, die von der «Daily Mail» an ihrem heutigen Wohnort Los Angeles abgefangen wurde, sprach von einer «orchestrierten Attacke der Medien».

Die zuständige Behörde in London will prüfen, ob es Gründe für ein Strafverfahren gegen den früheren Bürgermeister gibt. Um Fragen nach ihrer Affäre drückten sich Arcuri und Johnson herum. Der Premierminister ist ein notorischer Fremdgänger, seine sexuellen Eskapaden sind berüchtigt. Darum geht es auch bei einem weiteren, am Wochenende publik gewordenen Vorwurf.

Der Chefredaktor und die Journalistin

Ebenfalls in der «Sunday Time»s berichtete die 45-jährige Journalistin und Kolumnistin Charlotte Edwardes über einen Vorfall, der sich vor 20 Jahren zugetragen haben soll, als sie für den «Spectator» arbeitete. Boris Johnson war damals Chefredaktor des konservativen Politikmagazins. Bei einem gemeinsamen Essen mit viel Wein sei sie rechts von ihm gesessen.

Plötzlich habe sie seine Hand auf ihrem Oberschenkel gespürt, «so dass ich schlagartig aufrecht sass». Sie habe den Vorfall einer Frau erzählt, die zur Linken von Johnson sass, worauf diese erwidert habe: «Oh mein Gott, er hat bei mir das Gleiche gemacht.» Britische Medien spekulierten, bei dieser Frau handle es sich um Mary Wakefield, die immer noch beim «Spectator» arbeitet.

Wakefield wies diese Vermutung am Montag zurück. Sie habe «nie etwas Derartiges erlebt». Boris Johnsons Gegner bezweifeln dies, denn Mary Wakefield ist mit Dominic Cummings verheiratet, dem Brexit-Drahtzieher und umstrittenen Chefberater des Premiers. Johnson liess am Rande des Tory-Parteitags verlauten, die Anschuldigungen betreffend sexueller Belästigung seien «unwahr».

Mehrere Getreue eilten ihm zu Hilfe, nicht jedoch Gesundheitsminister Matt Hancock, einer der wenigen Gegner eines No-Deal-Brexit im Kabinett. Er kenne Charlotte Edwardes und vertraue ihr vollkommen, sagte er dem Sender Channel 4. Die Journalistin meinte auf Twitter an die Adresse von Boris Johnson, sie habe «eindeutig ein besseres Gedächtnis als er».

Der Premier und die Spekulanten

Die beiden Fälle werfen kein gutes Licht auf den Premierminister. Fast noch gravierender ist ein Vorwurf des früheren Schatzkanzlers Philip Hammond. Er gehört zu den Tory-Rebellen, die aus der Fraktion im Unterhaus geworfen wurden. Nun behauptete er in der «Times», Boris Johnson sei eine Art Marionette von Spekulanten, die Milliarden auf einen «harten» Brexit gesetzt hätten.

Conservative Party lawmaker and former Chancellor, Philip Hammond, leaves Downing Street  in London, Tuesday, Sept. 3, 2019. (AP Photo/Alberto Pezzali)

Philip Hammond erhebt heftige Vorwürfe. Bild: AP

Hedgefonds in der Londoner City würden das britische Pfund «shorten», also auf einen Kurszerfall wetten, der bei einem chaotischen EU-Austritt wohl unvermeidlich wäre. Kenner der Branche halten Hammonds Vorwurf für unsinnig bis überzeichnet. Es sei die Aufgabe von Finanzinvestoren, sich für alle Eventualitäten zu wappnen, also auch für einen vertragslosen Brexit.

Dieser rückt immer näher. In vier Wochen läuft die Deadline ab. Die Erarbeitung eines neuen Vertrags mit der EU in dieser kurzen Zeit wäre ein Kraftakt. Einiges deutet darauf hin, dass es beiden Seiten nur noch darum geht, der anderen die Schuld am Debakel anzuhängen.

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 04.10.2019 09:13
    Highlight Highlight Machtmenschen wollen auch den zu ihnen passenden Sex, mit Edel-Prostituierten natürlich.
    Ist so normal, wie exzentrische Briten normal sind...
  • Heinzbond 03.10.2019 20:40
    Highlight Highlight Wollen die gemeinsam in den ruhestand oder gemeinsam die Putsch Karte ziehen?
    • Varanasi 03.10.2019 21:39
      Highlight Highlight Nein, das muss man ganz bestimmt nicht.
  • Goldjunge Krater 03.10.2019 20:05
    Highlight Highlight Den Typen muss man einfach mögen! 👍💪
    • Hochen 03.10.2019 21:35
      Highlight Highlight Genauso wenig wie Sie!
    • Input 03.10.2019 23:30
      Highlight Highlight Stellt sich über das Gesetz - check
      Lügt wie gedruckt - check
      Beleidigt Politische Gegner - check
      Geht fremd - check
      Hetzt die Leute mit falschen Versprechungen auf - check
      Ein wahrer Goldjunge, jedenfalls für solche die auf diese Dinge stehen oder eifach unbedingt People und Gossip lesen wollen.
  • WHYNOT 03.10.2019 19:48
    Highlight Highlight Schweiz bleib der EU fern, mal drin, lässt dich Brüssel kaum mehr raus wie GB verdeutlicht und nach dem Brexit braucht es neue Milchkühe zwecks Unterhalt der ClubMed-Länder.
    • Input 03.10.2019 23:32
      Highlight Highlight Hmm, wenn man ehrlich ist, ist es ja so dass GB selbst einfach nicht raus will. Die EU liesse sie schon lange raus..!
      Den Deal akzeptieren oder sich auf No-Deal einigen und raus wären sie.
      Aber die EU ist halt ein perfekter Prügelknabe.
    • WHYNOT 04.10.2019 09:29
      Highlight Highlight @input: Brüssel diktiert einfach unter welchen Bedingungen, welche ich so auch nicht akzeptieren würde, aber ich weiss die EU-Turbos würden alles hergeben für einen Beitritt. Die Schweiz braucht wie andere Drittstaaten lediglich ein Freihandelsabkommen, auf alles andere können wir getrost verzichten.
    • Input 04.10.2019 13:04
      Highlight Highlight Brüssel diktiert gar nichts.
      Es gab normale Verhandlungen zwischen zwei Parteien (GB und EU) die unterschiedliche Ziele hatten und man hat einen Kompromiss gefunden und sogar mehrmals nachjustiert. Das ist überhaupt nichts spektakuläres und passiert im Normalfall.
      Das Problem liegt beim britischen Parlament, resp bei den kompromissunfähigen Exponenten.
      Wenn nun Johnson kommt, Unmögliches verspricht und dabei als Lösungen "das schauen wir dann irgendwann irgendwie" anführt (Stichwort Backstop) ist das weder ein Diktat der EU oder deren Problem.
      Es ist schlicht das Unvermögen Johnsons und GB.
  • Avalon 03.10.2019 19:23
    Highlight Highlight Hm, für so unsinnig halte ich den Vorwurf nicht, dass in Bezug auf einen harten Brexit viele (nicht nur legale) finanzielle Interessen dahinter stehen. Würde einiges erklären.
    • Grobo 04.10.2019 01:52
      Highlight Highlight Vielleicht wirtschaftliche Interessen, die dann auch Englands Wirtschaft in Bedrängnis bringen würden? Man kann nicht den 5-er und das Weggli haben. Englands Wirtschaft profitiert von der EU, was gleichzeitig Arbeitsplätze schafft. Also was? Austritt und den Einbruch der Wirtschaft riskieren oder doch lieber Kompromisse machen uns Arbeitsplätze sichern?
      Es geht mir langsam auf den Geist, dass für alles immer nur wirtschaftlicher Profit von irgendwelchen Firmen verantwortlich gemacht wird, aber schliesslich sind sie es, die heimische Arbeitsplätze anbieten.
  • AdvocatusDiaboli 03.10.2019 19:06
    Highlight Highlight Und nun kommen die Vorwürfe, genau zu dem Zeitpunkt, wo es so aussieht als ob Bojo sich doch allem durchsetzen wird. Sicher alles reiner Zufall.
    • Input 03.10.2019 23:34
      Highlight Highlight Wieso darauf kommen, dass sich Johnson durchzusetzen scheint, bleibt ihr Geheimnis...
      Eigentlich hat er seine Position die letzten Tage, Wochen und Monate gar nicht bewegt.
  • Fruchtzwerg 03.10.2019 18:14
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte beachte die Kommentarregeln.
    • AdvocatusDiaboli 03.10.2019 21:06
      Highlight Highlight Der Kommentar, auf den du Bezug nimmst, wurde bereits entfernt.
  • manta 03.10.2019 17:49
    Highlight Highlight Ein kleiner Trump dieser Boris.
  • Nüübächler 03.10.2019 17:08
    Highlight Highlight Mal ehrlich, wenn ein Politiker nicht genehm ist zaubert man am Schluss immer eine Affäre aus der Vergangenheit hervor.
    • Levi Vodica 04.10.2019 00:18
      Highlight Highlight Finde ich meist auch seltsam. Wenn sich ein solcher Vorfall vor 20 Jahren ereignet hat, dann muss man einfach früher damit ankommen. Oder danach. Aber so kurz vor einer richtungsweisenden politischen Entscheidung verliert eine solche Geschichte an Glaubwürdigkeit.
  • häxxebäse 03.10.2019 17:08
    Highlight Highlight Welche dumpfbacke schläft freiwillig mit solch einem lulatsch??
    Habem die tomaten auf den augen und in den ohren?
  • Spooky 03.10.2019 17:07
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