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A woman watches protesters march on a street in Hong Kong, Sunday, July 21, 2019. Thousands of Hong Kong protesters marched from a public park to call for an independent investigation into police tactics. (AP Photo/Vincent Yu)

Hongkong kommt seit Wochen nicht zur Ruhe. Bild: AP

Neuer Massenprotest in Hongkong – Polizei findet Waffenlager

Das siebte Wochenende in Folge hat es in Hongkong massive Demonstrationen gegeben. Zehntausende Menschen protestierten am Sonntag gegen die pro-chinesische Regierung.



Am Samstag waren bereits mehr als 100'000 Menschen aus Solidarität mit der umstrittenen Regierung und der Polizei auf die Strasse gegangen.

Der Protestmarsch am Sonntag war begleitet von massiven Sicherheitsvorkehrungen. Die Demonstranten forderten einen förmlichen Rückzug des umstrittenen Auslieferungsgesetzes und eine unabhängige Untersuchungskommission, die die Polizeigewalt bei Zusammenstössen am Rande früherer Demonstrationen beleuchten soll.

Hilfe von Trump?

Protesters hold a placard featuring U.S. President Donald Trump and U.S. flags as they take part in a march at Victoria Park in Hong Kong, Sunday, July 21, 2019. Thousands of Hong Kong protesters marched from a public park to call for an independent investigation into police tactics.(AP Photo/Vincent Yu)

«Präsident, Trump. Bitte befreien Sie Hongkong.» Bild: AP

Die Organisatoren kritisierten, dass die Polizei diesmal nur eine kürzere Marschroute für die Demonstranten erlaubt hatte. Sie bemängelten, das diese im dicht bevölkerten und engen Stadtviertel Wan Chai endete, wo die Menge sich am Ende der Demonstration nur schwer auflösen konnte. Die Polizei hatte damit vermeiden wollen, dass die Demonstranten am Regierungssitz und Parlament vorbeiziehen.

Grossaufgebot der Polizei

Riot police line up outside the Liaison Office in Hong Kong, Sunday, July 21, 2019. Protesters in Hong Kong pressed on Sunday past the designated end point for a march in which tens of thousands repeated demands for direct elections in the Chinese territory and an independent investigation into police tactics used in previous demonstrations. (AP Photo/Bobby Yip)

Bild: AP

Viele Demonstranten ignorierten auch die Aufforderungen, am Endpunkt in Wan Chai nach Hause zu gehen, und zogen weiter zum Regierungsviertel und blockierten Strassen. Vorsichtshalber hatte die Polizei den Regierungssitz und das Parlament mit zwei Meter hohen Absperrungen gesichert. Ein Grossaufgebot von Polizeikräften war mobilisiert worden, um Zwischenfälle zu vermeiden.

Die Demonstration war überschattet vom Fund eines Waffenlagers in einem Lagerraum einer Unabhängigkeitsgruppe. Die Polizei stellte zwei Kilogramm Sprengstoff, Brandsätze, Säure, Messer und Metallstangen sicher. Ausser einem 27-Jährigen nahm die Polizei am Samstagabend zwei 25-Jährige fest. Die Ermittler untersuchten nach eigenen Angaben, ob ein Zusammenhang mit den Protestaktionen besteht.

Confiscated equipments and weapons are displayed in Hong Kong on Saturday, July 20, 2019. Police in Hong Kong have raided a homemade-explosives manufacturing lab ahead of another weekend of protests in the semi-autonomous Chinese territory.(Apple Daily via AP)

Die Polizei stellte Sprengstoff und diverse Waffen sicher. Bild: AP

Der Lagerraum war von der Hongkonger National Front gemietet worden, die für die Unabhängigkeit des chinesischen Territoriums eintritt. Die Gruppe beteuerte aber nach Presseberichten, nichts von dem Sprengstoff gewusst zu haben. Es seien dort nur Lautsprecheranlagen und Informationsmaterial gelagert worden. Der festgenommene 27-Jährige gehöre der Organisation an.

«Geheimdienstinformationen»

Die Polizei hatte auf «Geheimdienstinformationen» reagiert, als sie das Lager am Freitagabend entdeckte, wie die «South China Morning Post» berichtete. Bei dem Sprengstoff handelte es sich demnach um hochexplosives TATP (Triacetontriperoxid), das auch von Islamisten bei Anschlägen in Europa verwendet wurde.

«Ich denke, es ist ohne Zweifel die grösste Menge, die wir jemals in Hongkong gefunden haben», wurde Superintendent Alick McWhirter zitiert.

Die frühere britische Kronkolonie kommt seit Wochen nicht zur Ruhe. Hunderttausende sind mehrfach auf die Strassen gegangen, um gegen die Regierung und auch Chinas wachsenden Einfluss zu protestieren. Nach einer Demonstration am 1. Juli stürmten Aktivisten sogar das Parlament.

Bilder des Protestes in Hongkong vom Sonntag, 16. Juni 2019:

Gesetz zur Auslieferung an China auf Eis gelegt

Auslöser der Proteste war das inzwischen auf Eis gelegte Gesetz für Auslieferungen von Personen an China, die von der chinesischen Justiz beschuldigt werden.

Der Widerstand unter den sieben Millionen Hongkongern ist gross, weil Chinas Justiz nicht unabhängig ist und als Werkzeug der politischen Verfolgung dient. Auch warnen Kritiker vor Folter und Misshandlungen in China.

Regierungschefin Carrie Lam hat den Gesetzentwurf seither ausgesetzt und für «gestorben» erklärt. Einen formellen Rückzug des Entwurfs, wie von den Demonstranten gefordert, lehnt sie aber ab. Die pekingtreue Regierung geniesst weiterhin breite Unterstützung, vor allem bei älteren Einwohnern der Finanzmetropole.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong unter chinesischer Souveränität autonom in eigenen Grenzen regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik geniessen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäusserung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Immer mehr Hongkonger befürchten aber, dass die Führung in Peking ihnen ihre Rechte beschneiden will.

(oli/sda/afp)

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Donald 21.07.2019 17:24
    Highlight Highlight "Die pekingtreue Regierung geniesst weiterhin breite Unterstützung, vor allem bei älteren Einwohnern der Finanzmetropole."

    Quelle? Definition von breit?
  • El Vals del Obrero 21.07.2019 16:58
    Highlight Highlight Würde mich ja nicht wundern, wenn jene, die die Waffen fanden sie aus Gründen selbst dort platziert hätten.

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