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Nach den Explosionen und 112 Toten gibt das Militär in China zu: Es wurden Hunderte Tonnen hochgiftigen Zyanids in Tianjin gelagert



In dem am Mittwoch explodierten Gefahrgutlager im chinesischen Tianjin sind nach Angaben des Militärs «hunderte Tonnen» hochgiftiges Zyanid eingelagert gewesen. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 112, fast 100 Menschen gelten noch als vermisst.

Ein ranghoher Militärvertreter bestätigte am Sonntag erstmals die Präsenz der gefährlichen Chemikalie Zyanid in dem Lager. An der Unglücksstelle sei an zwei Orten Zyanid nachgewiesen worden, sagte General Shi Luze, der Generalstabschef der Region Peking, am Sonntag. 

epa04885763 Relatives of missing and dead firefighters, argue with policemen as they gather outside the government hall of Binhai New Area to request more information after a huge explosion rocked the port city of Tianjin, China, 16 August 2015. Explosions and a fireball at a chemical warehouse killed at least 112 people in the north-eastern Chinese port city of Tianjin late on 12 August. The magnitude of the initial blast was similar to three tons of TNT exploding and a second blast's magnitude was equivalent to 21 tons of TNT, China's earthquake bureau said.  EPA/NG KONG

Angehörige der Opfer protestieren in Tianjin. Bild: NG KONG/EPA/KEYSTONE

Nach vorläufigen Schätzungen hätten sich in dem Gefahrengutlager «mehrere hundert Tonnen» des hochgiftigen Stoffes befunden. In chinesischen Medienberichten war zuvor von 700 Tonnen Natriumcyanid die Rede gewesen. Kontakt mit der Chemikalie kann innerhalb kurzer Zeit tödlich sein.

«Niemand hat uns etwas gesagt»

Wütende Bewohner von Tianjin.

Die chinesischen Behörden versuchen seit dem Unglück, Angst vor einer Giftgaswolke oder vor Gift im Grundwasser zu zerstreuen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, der Zyanid-Gehalt im Abwasser in der Region sei am Tag nach dem Unglück zehnfach überhöht gewesen. Inzwischen sei er noch doppelt so hoch wie normal.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mass bei Tests des Oberflächenwassers nach eigenen Angaben an vier Stellen in der Millionenstadt keine erhöhten Zyanidwerte.

Evakuierung nach neuen Explosionen im Hafen von Tianjin am 15.8.15

Am Samstag waren nach Medienberichten nach neuen Explosionen alle Einwohner im Umkreis von drei Kilometern in Sicherheit gebracht worden. Beamte sprachen später von ungenauen Berichten.

Wütende Anwohner, Strafen für Websites

Aufgebrachte Angehörige von Opfern und Anwohner protestierten am Rande einer Pressekonferenz. Sie warfen den Behörden mangelnde Transparenz und fehlende Informationen vor. «Niemand hat uns etwas gesagt», schrie eine Frau, bevor sie von Sicherheitskräften weggebracht wurde.

epa04885781 A local resident who lives in a residential block which was damaged by the explosions, holds photos showing damaged houses, outside the Meihua Hotel to petition their grievances, after  explosions rocked the port city on 12 August, in Tianjin, China, 16 August 2015. Explosions and a fireball at a chemical warehouse killed at least 112 people in the north-eastern Chinese port city of Tianjin late on 12 August. The magnitude of the initial blast was similar to three tons of TNT exploding and a second blast's magnitude was equivalent to 21 tons of TNT, China's earthquake bureau said.  EPA/NG KONG

Proteste in Tianjin. Bild: NG KONG/EPA/KEYSTONE

Mehr als 360 Konten von Nutzern sozialer Netzwerke wurden laut Xinhua geschlossen, weil sie «Gerüchte» über das Unglück verbreitet hätten. Rund 50 Websites wurden laut der chinesischen Cyberspace-Verwaltung wegen «Erzeugens von Panik durch die Verbreitung ungeprüfter Informationen» bestraft.

Verstoss gegen Sicherheitsauflagen

Nach Angaben der Zeitung People's Daily verstiess das Gefahrgutlager klar gegen Sicherheitsauflagen, vor allem gegen die Regelung, wonach gefährliche Materialien mindestens einen Kilometer von anderen Gebäuden und Strassen entfernt untergebracht werden müssen. Staatspräsident Xi Jinping rief am Samstag die Behörden auf, die «extrem wichtigen» Sicherheitslehren aus der Tragödie zu ziehen.

Durch die gewaltigen Explosionen, die sich am späten Mittwochabend in einem Lagerhaus für gefährliche Stoffe ereignet hatten, kamen nach jüngsten Angaben 112 Menschen ums Leben. Bisher seien 24 Leichen identifiziert worden, bei 88 weiteren sei die Identität noch unklar, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Unter den Toten sind den Behörden zufolge 21 Feuerwehrleute.

Mehr als 700 Menschen wurden verletzt. Bei den Explosionen wurde das Industriegebiet am Hafen der 15-Millionen-Einwohner-Stadt rund 140 Kilometer südöstlich von Peking in weiten Teilen verwüstet. (sda/dpa/afp)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 18.08.2015 12:31
    Highlight Highlight Jeder China-Fan muss spätestens jetzt zugeben, dass Chinas Umweltpolitik verheerend ist. Es gibt eigentlich nur für ausländische Unternehmen Auflagen und mit diesen Firmen macht China enorm Geld.
    Aber wer keinen Respekt vor der Umwelt und Menschenleben hat, wie das chinesische Regime, denen sind derartige Unfälle weiterhin ziemlich egal.
  • _kokolorix 16.08.2015 11:41
    Highlight Highlight das natriumcyanid wird z.b bei der herstellung von leiterplatten verwendet
  • Angelo C. 16.08.2015 11:30
    Highlight Highlight Könnte mir mal jemand verlässlich erklären, zu welchen Zweck derart hohe Tonnagen an Natriumcyanid benötigt werden, bzw. was man damit positives anfangen könnte?
    • Lumpirr01 16.08.2015 11:39
      Highlight Highlight laut wikipedia:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Natriumcyanid:

      Natriumcyanid wird zusammen mit Kaliumcyanid zur Gewinnung von Gold, Silber und anderen Metallen (Cyanidlaugerei) verwendet.[7]

      In der Galvanotechnik wird es für verschiedene cyanidische Bäder genutzt,[8] so zum Beispiel cyanidische Kupfer-, Messing-, Bronze-, Zink-, Cadmium- und Goldbäder.

      Bei der Metallbearbeitung kommt geschmolzenes Natriumcyanid zum Härten bestimmter Stahlsorten (Einsatzstähle) zum Einsatz.[9]

      Die Organische Chemie nutzt Natriumcyanid zur Synthese von Nitrilen.
    • Angelo C. 16.08.2015 12:01
      Highlight Highlight Ich danke für die erklärenden Antworten - man sieht, auch ich weiss längst nicht alles 😉!

      Bleibt die berechtigte Frage, wieso man derart gefährliche Chemikalien, dazu in solchen Quanten, in einem Hafengebiet, und somit in unmittelbarer Nähe zu einer Grossstadt aufbewahrt. Ein derart riesiges Land wie China müsste doch ganz gewiss über genügend geographischen Freiraum verfügen, um sowas sicherer, und im Unglücksfall weniger Kollateralschäden bewirkenden Gebietes zu lagern.
    • Lightning makes you Impotent (LMYI) 16.08.2015 12:54
      Highlight Highlight Steht hier einigermassen verlässlich:

      http://www.welt.de/vermischtes/article145270670/Lagen-700-Tonnen-Natriumcyanid-in-Holzkisten-herum.html

      Hab dann die im Artikel genannte chinesische Firma gegoogelt, welches das Natrimcynid herstellt... also wäre ich da Anwohner, würde ich mir wahrscheinlich Sorgen machen:

      http://www.sodium-cyanide.com/

      z.B. das schöne Video und das Lager mit Tonnen des hochgiftigen Zeugs...
  • Randen 16.08.2015 11:17
    Highlight Highlight Wozu braucht man Zyanid?
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 16.08.2015 11:07
    Highlight Highlight Das Natriumcyanid ist hochgiftig und gefährlich, jedoch nicht explosiv. Die gewaltige Explosion muss durch einen anderen Stoff ausgelöst worden sein. Verschiedentlich liest man von Ammoniumnitrat und Kalciumcarbid. Letzteres gibt in Verbindung mit Wasser Acetylen Gas ab.
  • Keller Baron 16.08.2015 11:00
    Highlight Highlight Wenigstens gibt es das Militär zu. Und räumt ein Fehler gemacht zu haben.. Die Amis hätten alles vertuscht und es noch als Terroranschlag aussehen lassen.
    • Lightning makes you Impotent (LMYI) 16.08.2015 11:27
      Highlight Highlight Das ist quatsch! 1. Es ist kein militärisches Cyanid, sondern privat für den Bergbau bestimmtes. Das lässt sich an vielen Orten nachlesen. Das Militär räumt nur auf. 2. Wurde und wird massiv vertuscht. Die USA besitzen eine freie Presse welche nicht unterdrückt wird. 3. Schlamperei gibt es überall. Aber in diesem Dimension kann ich es mir in den USA kaum vorstellen.
    • Keller Baron 16.08.2015 11:36
      Highlight Highlight Die USA besitzen eine freie Presse welche nicht unterdrückt wird. Hahaha das ist der beste Witz den ich seit langem gehört habe.
    • _kokolorix 16.08.2015 11:48
      Highlight Highlight @peter gasser
      mit der freien presse ist es in den usa auch nicht so weit her. alle namhaften medien werden finanziell von einer winzigen gruppe sehr vermögender alter männer kontrolliert. unabhängigen medien droht ständig eine finanziell mörderische justizerei. selbst kritische berichte über schöpfungsgeschichte und evolution landen rasch einmal bei den gerichten
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