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Coronavirus: Arzt Li Wenliang warnte vor Virus, stirbt, und wird zur Gefahr

Li Wenliang warnte als einer der ersten vor dem Coronavirus – nun ist er tot.
Li Wenliang warnte als einer der ersten vor dem Coronavirus – nun ist er tot.

Ein Held stirbt – jetzt wird das Virus auch für Präsident Xi gefährlich

Vertuscht, versäumt, verwarnt: «Unzulänglichkeiten» im System haben dazu beigetragen, dass die Epidemie mit dem Coronavirus ein derart grosses Ausmass angenommen hat. Ganz China trauert um einen Arzt.
07.02.2020, 21:1308.02.2020, 13:33
Andreas Landwehr / DPA
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«Hoffentlich ist der Himmel frei von Viren – und Ermahnungen», lautet ein Kommentar zum Tod des chinesischen Arztes Li Wenliang in sozialen Medien. Der 34-Jährige ist der Held des Volkes.

Er hatte schon Ende Dezember vor einer Häufung von Infektionen mit einem gefährlichen Virus gewarnt, das offenbar von einem Markt mit Wildtieren in der Millionenstadt Wuhan kam. Doch die Polizei verwarnte ihn und andere Mediziner wegen der Verbreitung von «Gerüchten». Sie mussten unterschreiben, dass sie nichts mehr über den Ausbruch enthüllen.

Wenige Tage später infizierte sich der Augenarzt selbst bei einer Patientin, die er wegen eines grünen Stars behandelte und die plötzlich Fieber bekam. Er starb am Donnerstagabend – hinterlässt ein Kind und seine schwangere Frau.

«Wir bedauern seinen Tod zutiefst und trauern», teilte das Zentralspital in Wuhan mit. Sein Schicksal symbolisiert für viele Chinesen die tragischen Folgen der anfänglichen Vertuschung und der langsamen Reaktion der Behörden – ohnehin eine chronische Krankheit des kommunistischen Systems.

People wearing masks, attend a vigil for Chinese doctor Li Wenliang, in Hong Kong, Friday, Feb. 7, 2020. The death of a young doctor who was reprimanded for warning about China's new virus trigge ...
Wenliang ist der Held des Volkes.Bild: AP

Politisch hochexplosiver Fall

Der Fall ist politisch hochexplosiv für Staats- und Parteichef Xi Jinping. Wie sehr, das demonstrierte das Zentralkomitee, indem sofort am Freitagmorgen ein Ermittlungsteam in die zentralchinesische Metropole entsandt wurde, um «die Fragen des Volkes» zu den Vorfällen zu untersuchen.

FILE - In this Jan. 6, 2020, file photo, Chinese President Xi Jinping stands during a welcome ceremony for Kiribati's President Taneti Maamau at the Great Hall of the People in Beijing. Xi will v ...
Xi Jinping.Bild: AP

Die Propaganda drehte sofort auf und das Staatsfernsehen versuchte, die Stimmung im Volk widerzuspiegeln, indem es Li Wenliang als «einfachen Held» und «ausgezeichneten Repräsentanten» des medizinischen Berufsstandes lobte.

Seine «Professionalität» und seine «medizinische Ethik» hätten ihn veranlasst, in den Anfängen der Epidemie eine vorbeugende Warnung an die Öffentlichkeit zu bringen. Das Staatsfernsehen feiert ihn als «Whistleblower», obwohl das kommunistische System sonst niemanden ermutigt, Probleme oder Missstände zu enthüllen. Doch versucht die Propaganda damit, die öffentliche Meinung zu steuern.

«Einige der Erfahrungen, die Li Wenliang in seinem Leben gemacht hat, spiegeln unsere Unzulänglichkeiten und Defizite in der Vorbeugung und Kontrolle von Epidemien wider», kommentierte das Staatsfernsehen. «Wir müssen voneinander lernen.» Auch müsse das Krisenmanagement verbessert werden.

Grosse Anteilnahme an Tod von Arzt

Genau so hatte es diese Woche das Politbüro unter Vorsitz von Xi Jinping schon formuliert. Die Botschaft lautet: Wir hören euch, wir sind bei euch und kümmern uns um solche Probleme.

Die Propaganda weiss, dass sie den Ärger im Volk einfangen und steuern muss, weil sich die Empörung sonst gegen das System richten könnte. Denn die Anteilnahme am Tod des Arztes hat das ganze Land erfasst.

Heldenhaft hatte Li Wenliang noch vom Krankenbett in einem TV-Interview gesagt, sich nach seiner Genesung wieder in den Kampf gegen das Virus stürzen zu wollen. «Jetzt, wo sich die Epidemie weiter ausbreitet, will ich kein Fahnenflüchtiger sein.»

Ein Student erzählte einem Magazin, wie der Arzt am 30. Dezember ihn und seine Kommilitonen vor einer Rückkehr von Sars gewarnt hatte. Die Pandemie des Schweren Akuten Atemwegssyndroms hatte 2002/2003 rund 8000 Menschen angesteckt, 774 starben. «Eure Familien müssen der Vorbeugung mehr Aufmerksamkeit schenken», habe Li Wenliang gemahnt.

15 Bilder, die zeigen, was gerade in Wuhan vor sich geht

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In Wuhan leben rund elf Millionen Menschen.

quelle: epa / stringer
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Sie hätten die Nachricht nicht über das in China verbreitete WeChat-Programm verbreitet, weil es von der Polizei überwacht wird. Aber sie hätten die Mahnung über Mundpropaganda verbreitet. Auch viele Ärzte hätten sich daraufhin besser vor dem Virus geschützt. «So hat er wirklich viele Leute gerettet.»

Versäumnisse in den ersten Wochen

Li Wenliang war kein Einzelfall. Viele Ärzte wussten Ende Dezember von der Häufung seltsamer Virusfälle in der schwer betroffenen Metropole. An diesem Wochenende ist es genau zwei Monate her, das alles begann: Die erste Ansteckung datierten chinesische Behörden rückwirkend auf den 8. Dezember.

Viele Versäumnisse gerade in den ersten Wochen haben dazu beigetragen, dass das Virus zu einer ernsten Bedrohung mit derzeit mehr als 31'000 Fällen in China wurde – und zu einer «internationalen Notlage» mit bald 300 Fällen in mehr als zwei Dutzend weiteren Ländern.

So gab es auch früh Hinweise, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die Ärztin Lu Xiaohong vom Hospital Nr.5 in Wuhan erfuhr schon am 25. Dezember von dem Verdacht der Infektion von medizinischem Personal in zwei Spitälern – fast einen Monat bevor die Behörden erst offiziell davor warnten. In einem Brief an die Zeitung «Zhongguo Qingnianbao» schreibt Lu Xiaohong: «Mir wurde klar, dass die Lage schwierig sein könnte.»

Die grosse Frage war: Wie können sich Ärzte und Pfleger schützen? «Virale Lungenentzündungen gibt es jedes Jahr, aber ich erfuhr von Kollegen, dass das Virus diesmal anders war», berichtete Lu Xiaohong. Da habe sie noch gescherzt, vielleicht sei es an der Zeit, eine Schutzmaske zu kaufen.

«Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr hatte ich das Gefühl, das etwas nicht stimmt.» Am 2. Januar habe sie vorgeschlagen, für entsprechende Patienten eine eigene Fieberabteilung einzurichten und Quarantäne anzuordnen. Die Spitalleitung stimmte zu.

Workers arrange beds in a convention center that has been converted into a temporary hospital in Wuhan in central China's Hubei Province, Tuesday, Feb. 4, 2020. China said Tuesday the number of i ...
Ein Kongresszentrum wird in ein temporäres Spital umgewandelt, Wuhan.Bild: AP

Falsches Gefühl der Sicherheit vermittelt

Was aber ein falsches Gefühl der Sicherheit vermittelte und zur Verwirrung der medizinischen Kräfte beitrug, waren die gleichzeitig wiederholten Beteuerungen der Gesundheitsbehörden, eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei nicht nachgewiesen. Genauso wurde gebetsmühlenartig wiederholt, die Krankheit sei «vermeidbar und kontrollierbar». Damit war erst am 20. Januar Schluss.

Anfang Januar war aber auch die Zeit des Volkskongresses der 58 Millionen Einwohner zählenden Provinz Hubei. Die jährliche Sitzung des lokalen Parlaments ist ein feierliches politisches Ritual, zu dem die Machtelite zusammenkommt. Werden in einem System wie in China schlechte Nachrichten schon zu gewöhnlichen Zeiten nicht gerne nach oben berichtet, gilt das für die Zeit dieser Sitzung umso mehr.

Während der Arzt Li Wenliang schon Sauerstoff zum Atmen brauchte, schrieb ein Richter des Obersten Gerichts Ende Januar in seltener Offenheit einen Kommentar zu dessen Ehrenrettung: Die Epidemie wäre leichter in den Griff zu bekommen gewesen, «wenn die Öffentlichkeit den »Gerüchten« damals geglaubt und ... angefangen hätte, Masken zu tragen, streng zu desinfizieren und den Wildtiermarkt zu meiden.» (sda/dpa)

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Das Coronavirus verbreitet sich
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Das Coronavirus verbreitet sich
Weltweit gibt es inzwischen rund 34 000 bestätigte Coronavirus-Infektionsfälle – Tendenz stark steigend.
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So bauen die Chinesen ein Notspital innert zehn Tagen
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36 Kommentare
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Antinatalist
07.02.2020 23:34registriert September 2019
Marx würde sich im Grabe umdrehen, wenn er solche Zeilen wie "ohnehin eine chronische Krankheit des kommunistischen Systems" oder "obwohl das kommunistische System sonst niemanden ermutigt, Probleme oder Missstände zu enthüllen".

Von kommunistischen Grundsätzen erkenne in China nichts, ausser, dass sich die Kommunistische Zentralpartei so bezeichnet, ist da nicht viel von den kommunistischen Ideen Marx'. China ist einfach eine weitere kapitalistische Diktatur in einer etwas anderen Form, als es die USA sind. Wir müssen die Fakten beim Namen nennen, und dieser Name lautet nicht Kommunismus.
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Garp
07.02.2020 22:32registriert August 2018
Die Angst bei einem falschen Entscheid in Ungnade zu fallen, war grösser als die Angst vor dem Virus. Selbständiges denken und danach zu handeln, ist in einem Staat der Unterdrückung auch immer gefährlich. Dann wollte man sich wohl auch selber feiern, an diesem Volkskongress.

Traurig für alle Betroffenen und die Welt.

Verantwortlich für dieses Unterdrückungssystem ist Xi Jinping und sein Machappart.
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redeye70
08.02.2020 00:51registriert Mai 2016
Alle diejenigen die China über den Klee lobten von wegen demokratische Staaten seien schwerfällig usw. bitte genau hinschauen. Das passiert wenn der Staat autoritär regiert und Meinungs- wie auch Pressefreiheit unterdrückt werden.
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