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Satiriker El Hotzo steht in Deutschland erneut vor Gericht

Satiriker El Hotzo steht erneut vor Gericht – wegen Trump-Posts

Das Amtsgericht sprach den Satiriker frei – die deutsche Staatsanwaltschaft akzeptierte das Urteil nicht. Nun entscheidet das Berliner Kammergericht.
27.03.2026, 13:4127.03.2026, 13:41
Ein Artikel von
t-online

Das Berliner Kammergericht hat am Freitag die Berufungsverhandlung gegen den deutschen Satiriker Sebastian Hotz eröffnet, der unter dem Namen El Hotzo bekannt ist.

Der Ausgangspunkt des Verfahrens liegt im Juli 2024. Damals veröffentlichte Hotz auf X zwei Posts, in denen er das Attentat auf Donald Trump kommentierte. Trump war bei einem Anschlag von einer Kugel am Ohr getroffen worden. Hotz verglich die Schüsse mit dem «letzten Bus» und schrieb: «Leider knapp verpasst.» In einem zweiten Post ergänzte er: «Ich finde es absolut fantastisch, wenn Faschisten sterben.» Hotz löschte beide Beiträge kurz danach. Es folgten Strafanzeigen und ein Shitstorm in den sozialen Netzwerken.

Die Leipziger Buchmesse ist eine internationale Buchmesse auf der Messe Leipzig. Nach der Frankfurter Buchmesse ist die Leipziger derzeit die zweitgr
El Hotzo muss erneut vor Gericht antraben.Bild: www.imago-images.de

Freispruch für Hotz

Das Amtsgericht Tiergarten hatte Hotz freigesprochen. Die zuständige Richterin stufte die Posts als «straflose Satire» ein – auch wenn sie möglicherweise geschmacklos seien. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte das Urteil nicht und legte Rechtsmittel ein. Sie wirft Hotz vor, das Attentat gebilligt und den öffentlichen Frieden gestört zu haben. Laut Anklagebehörde handele es sich um «Hasskriminalität» mit Breitenwirkung. Eine Geldstrafe von 6'000 Euro sei angemessen, so die Staatsanwaltschaft.

Hotz ist 30 Jahre alt und tritt als Comedian und Satiriker auf. Auf X folgen ihm knapp 740'000 Menschen.

Hotz: «Das ist eine Welt, in der ich ungern leben möchte»

Im Falle einer Verurteilung müssten Satiriker damit rechnen, dass jeder Post juristische Konsequenzen nach sich ziehen könne, sobald er von genügend Menschen absichtlich missverstanden werde, sagte Hotz der dpa. «Das ist eine Welt, in der ich ungern leben möchte.»

Auch der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Neuverhandlung. Es sei unverständlich, dass die Staatsanwaltschaft das Urteil des Amtsgerichts Tiergarten nicht akzeptieren könne, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner der dpa. Er stellte die Frage, was Satirefreiheit in Deutschland wert sei.

Am Tag vor dem Prozesstermin postete Hotz erneut auf X. Er veröffentlichte eine Zeichnung, die die Funktion eines Bolzenschussgeräts an einem Rind zeigt, und kommentierte: «Morgen Trump-Tweet Revision.»

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37 Kommentare
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Ameo
27.03.2026 14:18registriert Oktober 2025
Damals war es mir auch nicht recht, wenn Leute Trump beim Attentat den Tod gewünscht hatten. Heute sehe ich es auch ganz anders. Es hätte keinen Falschen getroffen.
Muss ich jetzt auch vor Gericht?
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Gina3
27.03.2026 15:35registriert September 2023
Okay – man kann sagen, dass Satire
1. nicht jedem auf die gleiche Weise gefällt
2. nicht immer gut gemacht und daher nicht sofort als solche erkennbar ist
3. manchmal als Vorwand dient, um andere zu beleidigen oder ihnen absichtlich Respektlosigkeit entgegenzubringen

Es bleibt ein Gratwanderung.
Aber wenn Trump sagt, er hasse seine politischen Rivalen und wünsche ihnen das Schlimmste, sogar den Tod:
Da sind wir uns schon einig.?
Das ist keine Satire.
Das ist ein Präsident, der absolut ungeeignet ist für dieses Amt,
dem offenbar niemand Grenzen setzen will.
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mMn
27.03.2026 16:10registriert September 2020
Ein Staat hat dann versagt, wenn Satiriker vor Gericht gestellt werden.
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