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Das können die neuen Panzer für die Ukraine wirklich

Das können die neuen Panzer für die Ukraine wirklich

Der Westen macht mit der Lieferung von Schützen- und Spähpanzer an die Ukraine einen entscheidenden Schritt. Obwohl die Geräte bereits Jahrzehnte alt sind, können sie den Russen empfindliche Verluste zuführen. Und kommen nun auch die grossen Biester wie der Leopard II?
06.01.2023, 17:55
Remo Hess, Brüssel / ch media
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Germany army Main battle tank Leopard 2A6 take part in the NATO military exercise 'Iron Wolf 2022-II' at a training range in Pabrade, north of the capital Vilnius, Lithuania on Wednesday, Oc ...
Ein deutscher Leopard 2A6 im Trainingseinsatz.Bild: keystone

Nun geht es plötzlich schnell: Nach der Ankündigung von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, der Ukraine eine nicht näher genannte Anzahl an AMX 10 RC Spähpanzer zu liefern, bewegen sich auch Deutschland und die USA und liefern Kiew neues Material im Abwehrkampf gegen Russland. Konkret: Den deutschen Schützenpanzer Marder und das amerikanische Pendant Bradley. Das können die drei:

AMX 10 RC: Klein aber oho

This undated photo provided Thursday Jan.5, 2023 by the French Army shows AMX-10 RC tanks. France said Wednesday Jan.4, 2023 it will send French-made AMX-10 RC light tanks to Ukraine, the first tanks  ...
Mobil und schnell: Der AMX 10 RC.Bild: keystone

Der Späh- und Aufklärungspanzer AMX 10 RC ist mit seinem 6x6-Radantrieb ein hochmobiles, gepanzertes Leichtgewicht von 14 Tonnen, mit dem man schnell an die Front kommt und gegnerische Positionen auskundschaftet. Nichtsdestotrotz sollte der seit den 1970er Jahren gebaute Franzose nicht unterschätzt werden: Seine 105-Millimeter Kanone ist für die geringe Gesamtgrösse eigentlich überdimensioniert und kann, wenn sie sie am richtigen Punkt erwischt, auch russischen T72-Panzern gefährlich werden.

Frankreich besitzt noch rund 250 AMX 10 RC Panzer. Sein Nachteil: Die Panzerung schützt weniger als jene, von «echten» Kampfpanzer. Und: Der Radantrieb sorgt zwar für hohe Geschwindigkeiten und Mobilität. Im Gelände, gerade wenn es wie in der Ukraine im Frühling sumpfig ist, ist er eher ungeeignet.

Marder: Alt aber effizient

FILE -- Soldiers follow a Marder infantry fighting vehicle during a demonstration event held for the media by the German Bundeswehr in Bergen near Hannover, Germany, Wednesday, Sept. 28, 2011. U.S. Pr ...
Gibt es auf Halde in Deutschland:Bild: keystone

Lange ziemte sich Bundeskanzler Olaf Scholz. Aber jetzt gibt er den Weg frei für den deutschen Schützenpanzer Marder. Rund 100 Exemplare hat stehen eingelagert bei der deutschen Industrie bereit, wobei ein Teil schon Griechenland versprochen wurde. Der Marder wurde im kalten Krieg entwickelt und seitdem kontinuierlich modernisiert worden. Welches Modell Deutschland nun genau liefern will, ist nicht bekannt.

Der Marder ist 35 Tonnen schwer, verfügt über einen 600 PS starken Kettenantrieb und ist mit einer 20 Millimeter Kanone ausgerüstet. Er kann aber auch Panzerabwehr-Lenkwaffen wie die Milan abschiessen. Und vor allem: Der Marder kann bis zu sieben Soldaten an die Front transportieren und ihnen durch seine gute Panzerung Schutz bieten. Er ist also ein Mittel zur Unterstützung der Infanterie.

Bradley: Bewährte Kampfmaschine

FILE - American soldiers drive a Bradley fighting vehicle during a joint exercise with Syrian Democratic Forces at the countryside of Deir Ezzor in northeastern Syria, Dec. 8, 2021. President Joe Bide ...
Kampferprobt: Der US-Schützenpanzer Bradley.Bild: keystone

Der nach dem US-Zweitweltkriegsgeneral Omar Bradley benannte Schützenpanzer ist das amerikanische Pendant zum Marder. Er verfügt mit einer 25-Millimeter Kanone aber nochmals über etwas mehr Durchschlagskraft. Das Hauptgeschütz kann bis zu 200 Schuss pro Minute abgeben und gegen Infanterie oder leichtgepanzerte Fahrzeuge eingesetzt werden. Von der Seite des schwenkbaren Turms kann auch der Bradley panzerbrechende Lenkwaffen abschiessen. Die USA besitzen tausende der in den 80er Jahren entwickelten Fahrzeugen in verschiedenen Versionen, die sich in den Irak-Kriegen breit eingesetzt wurden und bewährt haben. Der Bradley kann neben drei Mann Besatzung aus Kommandant, Fahrer und Richtschütze bis zu sieben Infanteristen mitführen. Die Ukraine verfügt bereits über die von westlichen Verbündeten gelieferte Vorgängerversion M113 Schützenpanzer. Der Bradley wird aber nochmals ein Zugewinn an Schutz, Feuerkraft und Mobilität bringen.

Verteidigungsexperte Carlo Masala: Kampfpanzer kommen aufs Tapet

Aber warum liefert der Westen erst jetzt, nach beinahe einem Jahr, das Kriegsgerät, welches die Ukraine schon lange fordert? Laut Carlo Masala, deutscher Militärexperte und Dozent an der Bundeswehruniversität München, hat der in den letzten Wochen von Russland eskalierte Raketenkrieg gegen die Ukraine den Ausschlag gegeben: «Man hatte den Eindruck, Russland will die Ukraine in die Steinzeit zurückbomben», so Masala im Interview mit dem «ZDF».

Zweitens sei nun endgültig klar geworden, dass Russlands Präsident Putin nicht über Frieden verhandeln werde, wenn die Ukraine die Annexion der besetzten Gebiete nicht anerkenne. In dieser Kombination sei die selbstgesteckte Linie, keine moderne westlichen gepanzerten Systeme zu liefern, dann gefallen. Der Hauptgewinn für die Ukraine mit den nun in Aussicht gestellten, leichten Panzern sei, dass Soldaten schnell und geschützt an die Front verschoben werden könnten. Entscheidend sei, dass nun die Ausbildung schnell vonstattengehe und die Ukrainer das Gerät schnell einsetzen könnten, so Masala.

Der «Tabubruch» werden aber auch dazu führen, dass man auch die von Lieferung von schweren Kampfpanzern in den kommenden Monaten diskutieren werde, so der Verteidigungsexperte. Dazu gehören der Leopard II, der französischen Leclerc oder den amerikanischen Abrams. Diese wären im wortwörtlichen Sinne nochmals ein anderes Kaliber.

Leopard II – das Ungetüm

epa07118401 A grab taken from a handout video made available by the NATO on 25 October 2017 shows Leopard II tanks from the German 2nd 93 Armoured Demonstration Battalion (Panzerlehrbataillon 93) exer ...
Einer der modernsten Panzer der Welt: Leopard II.Bild: EPA/NATO

Der deutsche Panzer Leopard II wird zwar schon seit Ende der 1970er Jahre gebaut, aber er ist mit seinen verschiedenen Versionen immer noch einer der modernsten und agilsten Panzern der Welt. Die Schweizer Armee setzt ebenfalls auf den 65 Tonnen schweren Panzer mit seiner 120 Millimeter Kanone, die aus 3 Kilometer Entfernung den Gegner zielgenau treffen kann. Der Leopard II wäre russischen Panzern klar überlegen. Verschiedene europäische Staaten setzen den Leopard II ein. Vor einigem Monaten gab es in Spanien Bestrebungen, der Ukraine Leos zu übergeben. In Finnland forderten diese Woche Parlamentarier, der Ukraine Leopard II zu liefern.

Abrams – der US-Klassiker

epa04736656 US 3rd Infantry Division soldiers operate an Abrams tank and military equipment during traning exercise in Adazi, Latvia, 07 May 2015. According to the Pentagon, thousands of troops and ma ...
Hauptpanzer der US-Armee: M1 Abrams.Bild: EPA/EPA

Der Abrams ist der Hauptkampfpanzer der US-Armee. Er ist ungefähr gleich schwer wie der Leopard II und verfügt ebenso über eine 120 Millimeter Kanone sowie ein grosskalibriges Maschinengewehr. Der Abrams agiert gewöhnlich in Kombination mit dem Bradley. Im Irakkrieg vernichtete die Amerikaner mit diesem Duo hunderte Panzer sowjetischer Bauart, wie sie Russland nun auch in der Ukraine einsetzt. Bis jetzt hat US-Präsident Joe Biden noch nie offen davon gesprochen, der Ukraine Abrams-Panzer zu schicken.

Leclerc: Frankreichs Nummer 1

(170221) -- ABU DHABI, Feb. 21, 2017 -- A Leclerc main battle tank is seen at the International Defense Exhibition and Conference (IDEX) in Abu Dhabi, the United Arab Emirates, on Feb. 21, 2017. ) (gl ...
Bild: imago stock&people

Der französische Hauptkampfpanzer Leclerc gehört in dieselbe Gewichtsklasse wie der Leopard und der Abrams. Ende vergangenen Jahres fragte die Ukraine Frankreich offiziell an, Leclerc zu liefern. Frankreichs Armee soll noch ungefähr 220 einsatzbereite Leclerc besitzen. Die Produktion wurde aber eingestellt und auch bei den Ersatzteilen mangelt es, weshalb Frankreich seine Panzer vorerst für sich behalten dürfte.

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103 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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frank frei
06.01.2023 18:38registriert September 2018
Der Bradley Panzer hat den grossen Vorteil, dass er voll amphibisch ist, also auch Flüsse wie den Dnipro an jeder beliebigen Stelle schwimmend überqueren und so den russischen Abwehrstellungen in den Rücken fallen kann.
Schade musste die Ukraine so lange auf die Lieferung warten.
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N. Y. P.
06.01.2023 21:11registriert August 2018
Als Reaktion auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ist Finnland der NATO beigetreten. Die große Mehrheit der Finnen und Finninnen befürworteten den Beitritt.

Und wann geben WIR endlich die Neutralität auf?

Wie lange verstecken wir uns noch hinter der Neutralität?

Sind wir Trittbrettfahrer?

Wir lassen die USA, GB, etc. die Drecksarbeit machen und inzwischen halten wir unsere russischen Oligarchen warm, die hier Wohnsitz haben.
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ChruschteChranz
06.01.2023 18:54registriert Januar 2022
Besser spät als gar nie... hoffentlich können sie jetzt denen ordentlich einheizen!💪
"Möge die Macht mit euch sein"🤺🤺🤺
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«God save the Queen...ah, nein!» – Wir erkennen Nationalhymnen (nicht)
«Trittst im Morgenrot daher ...» sagt uns wohl allen etwas. Erkennen wir aber unsere eigene Hymne, wenn wir nur die Instrumental-Version hören? Oder die von Georgien? Die watson-Redaktion hat sich der Herausforderung gestellt.

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