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Spektakulärer Kunstraub in Dresden: Sie schlugen Fenster ein und räumten die Vitrine leer



25.11.2019, Sachsen, Dresden: Polizeifahrzeuge stehen vor dem Residenzschloss mit dem Grünen Gewölbe hinter einem Absperrband. In Dresdens Schatzkammer Grünes Gewölbe ist am frühen Morgen eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. (KEYSTONE/DPA/Sebastian Kahnert)

Grünes Gewölbe in Dresden: Der Einbruch trifft die Stadt hart. Bild: DPA-ZENTRALBILD

Ein spektakulärer Kunstraub erschüttert die Verantwortlichen eines der bekanntesten Museen Deutschlands. Das Grüne Gewölbe in Dresden wurde am frühen Montagmorgen Opfer von vermutlich mindestens zwei Kunsträubern. Und alles ging blitzschnell.

Um 4.59 Uhr wurde bei der Dresdner Polizei ein Einbruch im Museum gemeldet.

Um 5.04 Uhr war der erste Polizeiwagen vor Ort. Als die ersten Polizisten auftauchten, war von den Tätern schon keine Spur mehr.

Um 5:05 Uhr bemerkte das Wachpersonal des Museums, das sich die Bilder der Überwachungskameras anschaute, einen ersten Hinweis auf ein mögliches Fluchtfahrzeug. Das nicht bewaffnete Personal im Museum, das 24 Stunden im Einsatz ist, ist übrigens angehalten, im Ernstfall die Polizei zu alarmieren und nicht selber gegen Täter vorzugehen, um das eigene Leben nicht zu gefährden.

Police officers work behind a caution tape at the Schinkelwache building in Dresden Monday, Nov. 25, 2019. Authorities in Germany say thieves have carried out a brazen heist at Dresden’s Green Vault, one of the world’s oldest museum containing priceless treasures from around the world. (Sebastian Kahnert/dpa via AP)

Spurensicherung vor dem Museum. Bild: AP

Um 5.09 Uhr sei ein Stromausfall in der Umgebung des Museums gemeldet worden aufgrund eines Brandes. Es wird vermutet, dass der Brand von den Tätern gelegt worden sein könnte.

Später wurde zudem ein Fahrzeugbrand gemeldet, der ebenfalls im Zusammenhang mit dem Einbruch stehen könnte.

Die Täter waren also vermutlich nur wenige Minuten am Werk – und gingen extrem gezielt vor. Sie trennten zunächst ein Gitter vor einem der Fenster auf, schlugen danach die Fensterscheibe ein, gingen gezielt auf eine Vitrine zu, schlugen auch dort die Scheibe ein und leerten die Vitrine.

epa08024375 Police officers investigate near the Dresden Castle, in Dresden, Saxony, Germany, 25 November 2019. Dresden's Treasury Green Vault was broken into on early 25 November. According to the police, the amount of damage is still unclear.  EPA/FILIP SINGER

Spezialisten der Polizei vor dem Museum. Bild: EPA

Hinter dem Glas lagen drei Edelstein-Garnituren, die vor allem «kunsthistorisch von unschätzbarem Wert» sind, wie es an einer Pressekonferenz hiess. Ein genauer finanzieller Schaden lasse sich nicht beziffern, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, an einer Pressekonferenz: «Wir können es gar nicht in einem Wert auflösen, da es unverkäuflich ist - es gibt keinen finanziellen Wert, mit dem wir arbeiten.» Ackermann sagte, der Materialwert der der Schmuckstücke aus dem 18. Jahrhundert sei an sich nicht so hoch zu bewerten.

Bei einem spektakulären Einbruch in Dresdens berühmtes Museum Grünes Gewölbe ist ein Schaden in unbekannter Höhe entstanden. (Archivbild)

Das Grüne Gewölbe in Dresden: «Kunsthistorische Schätze von unschätzbarem Wert». Bild: EPA DPA

Die Fahndung nach den Tätern blieb zunächst erfolglos. Es gebe «keinen Fahndungserfolg» zu vermelden, sagte der Dresdner Polizeipräsident Jörg Kubiessa am Montag vor Journalisten in der sächsischen Hauptstadt. Der Chef der Kriminalpolizei, Volker Lange, ergänzte, auf Videos aus dem Innern des Gebäudes seien zwei Einbrecher zu sehen. Es könne aber weitere Beteiligte geben.

Auf der Überwachungskamera im Juwelenzimmer sind zwei Täter zu sehen. Ob die beiden im Alleingang handelten oder vor dem Museum Mittäter in einem Fluchtfahrzeug warteten, ist derzeit unklar. Ebenfalls gibt es noch keinerlei Spur zu den Kunstdieben.

Ein genauer finanzieller Schaden lasse sich nicht beziffern, sagte Ackermann. «Wir können es gar nicht in einem Wert auflösen, da es unverkäuflich ist – es gibt keinen finanziellen Wert, mit dem wir arbeiten.» Ackermann sagte, der Materialwert der Schmuckstücke sei an sich nicht so hoch zu bewerten.

25.11.2019, Sachsen, Dresden: Ein Polizist steht vor dem Gebäude der Schinkelwache hinter einem Absperrband. In Dresdens Schatzkammer Grünes Gewölbe ist am frühen Morgen eingebrochen worden. Der Einbruch betrifft den historischen Teil der wertvollen Sammlung. (KEYSTONE/DPA/Sebastian Kahnert)

Bild: DPA-ZENTRALBILD

Wie gross die Bedeutung des Juwelenschatzes ist, zeigt die Aussage von Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer: «Nicht nur die Staatlichen Kunstsammlungen wurden bestohlen, sondern wir Sachsen!» zeigte sich Kretschmer entsetzt.

«Die Werte, die im Grünen Gewölbe und im Residenzschloss zu finden sind, sind von den ‎Menschen im Freistaat Sachsen über viele Jahrhunderte hart erarbeitet worden», betonte Kretschmer. «Man kann die ‎Geschichte unseres Landes, unseres Freistaates nicht verstehen, ohne das Grüne Gewölbe und ‎die Staatlichen Kunstsammlungen Sachsens.» (meg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Füürtüfäli 25.11.2019 17:17
    Highlight Highlight Traurig .. es ist nur zu hoffen, dass die Gegenstände an (illegale) Sammler gehen und wenigstens nicht zerstört werden, um z.B. nur Gold und Edelsteine zu verwerten. So bleiben sie wenigstens erhalten und werden irgendwann wieder einmal am Kunstmarkt auftauchen.

    Da hat man einen milliardenschweren Schatz gebunkert... Und das Sicherheitssystem ist nicht gegen Stromausfall gesichert?
  • Hexentanz 25.11.2019 14:22
    Highlight Highlight Das die Alarmanlage nicht über eine USV und Fernauslösung bei Stromausfall verfügt hat, oder dies nicht getestet wurde in regelmässigen Abständen, ist fast schon Grobfahrlässig.
    • wir-2 25.11.2019 16:58
      Highlight Highlight Wo steht, dass die Sicherheitsfrage ausser Betrieb waren? Die Polizei war in 5 Minuten vor Ort.
    • Daniel B (1) 25.11.2019 18:08
      Highlight Highlight Museen sind für uns alle Neuland.
    • rüpelpilzchen 25.11.2019 19:25
      Highlight Highlight Da könnte auch was im Vorfeld manipuliert worden sein. Sherlock schaut nun wer da alles Zugang hat.
      Man muss dann ja auch wissen, dass die da keine USV haben, oder die nicht funktioniert, sonst würde man das mit dem Stromausfall doch direkt bleiben lassen. Da rechnet doch jeder Laie mit einer USV und allem Schnickschnack. Die Kameras funktionierten ja auch.
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