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Bankraub Gelsenkirchen: Die Tür wurde manipuliert

Bankraub in Gelsenkirchen – Tür war manipuliert

13.01.2026, 14:1213.01.2026, 14:12

Beim Einbruch in einer Sparkasse in der westdeutschen Stadt Gelsenkirchen vor wenigen Wochen sind die Täter offensichtlich durch eine manipulierte Fluchttür in das Gebäude gelangt.

epa12618140 A handout photo made available by the Gelsenkirchen Police on 30 December 2025 shows a hole drilled in the vault wall of a Sparkasse bank branch in Gelsenkirchen, western Germany, 29 Decem ...
Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden.Bild: keystone

Die Tür könne eigentlich nicht von aussen geöffnet werden, teilte die Polizei mit. Durch die Manipulation habe sie aber nicht mehr richtig geschlossen und den Tätern sei «ein ungehinderter Zugang vom Parkhaus in das Sparkassengebäude möglich» gewesen.

Bei dem Einbruch Ende Dezember hatten die Täter mehrere Sicherheitssysteme überwunden und sich schliesslich zielgerichtet mit einem 40 Zentimeter grossen Loch direkt in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer gebohrt. Dort räumten sie rund 3'100 Kundenschliessfächer aus. Wie den Einbrechern dies gelang, ohne den Einbruchalarm der Bank auszulösen, ist eine zentrale Frage bei den Ermittlungen.

Geprüft werde unter anderem, ob die Alarmanlage ausgeschaltet oder kaputt war – oder ob es den Tätern gelungen sein könnte, sie zu überlisten, sagte der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, bei einer Sondersitzung des Innenausschusses des Landtags – das Parlament des Bundeslandes. «Da stellen sich eine Reihe von Fragen.»

230 Ermittler suchen nach der Bande

Die Polizei hat inzwischen 230 Beamte nur für die Ermittlungen in dem Fall abgestellt. Der Anspruch sei: «Das Ding klären wir auf», sagte Reul.

This picture, provided by the Gelsenkirchen Police on Monday, Dec. 29, 2025 shows a hole in a wall of the savings bank branch in the Buer district in Gelsenkirchen, Germany. (Police Gelsenkirchen via  ...
Auf jeden Fall sei die Bande extrem zielgerichtet vorgegangen.Bild: keystone

Die Arbeit sei allerdings mühsam. Im Tresorraum und dem danebenliegenden Archivraum hätten nach der Tat etwa 500'000 Gegenstände auf dem Boden gelegen. «Das sieht aus wie eine Müllkippe», sagte Reul. Alles müsse nun akribisch untersucht werden. «Auf jedem dieser Gegenstände könnten relevante Spuren sein.»

Allerdings hatten die Täter den Tresorraum vor ihrer Flucht noch mit «verschiedenen chemischen Flüssigkeiten kontaminiert», um etwa DNA-Spuren zu verwischen, wie die Polizei mitteilte.

Hat ein Insider den Kriminellen geholfen?

Wer die Tür vom Parkhaus in die Filiale manipuliert hat, sei Gegenstand der Ermittlungen, sagte eine Polizeisprecherin. Zuletzt war schon viel darüber spekuliert worden, ob die Täter Hilfe von einem Insider hatten. Innenminister Reul betonte, dieser Frage müsse man nachgehen – es gebe aber noch keinen konkreten Verdacht.

dpatopbilder - 30.12.2025, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Polizeieinsatz an der Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer, nachdem wartende Kunden versucht hatten in die Bank zu gelangen. Nach dem  ...
Wie lange die Täter für ihren Einbruch gebraucht haben, ist weiterhin unklar.Bild: keystone

Auf jeden Fall sei die Bande extrem zielgerichtet vorgegangen. «Man denkt, man ist in einem Kinofilm, was Professionalität und Kaltschnäuzigkeit angeht», sagte der Minister. «Dass das nicht klein Fritzchen war, der sich was ausgedacht hat, ist relativ wahrscheinlich.»

Schliessfächer wurden schon früh aufgebrochen

Wie lange die Täter für ihren Einbruch gebraucht haben, ist weiterhin unklar. Der Aufbruch der Bankschliessfächer habe bereits am 27. Dezember um 10.45 Uhr begonnen, teilten die Ermittler weiter mit. In der Bank gab es laut Reul ein Computersystem, das jede einzelne Öffnung eines Schliessfachs – egal ob mit Schlüssel oder mit Gewalt – protokolliert. Laut Polizei wurde die letzte Öffnung eines Schliessfachs am 27. Dezember um 14.44 Uhr festgestellt.

Ob alle 3'100 Fächer in diesen vier Stunden geöffnet wurden oder ob die Technik anschliessend schlicht keine Daten mehr erfasst habe, liess eine Polizeisprecherin ausdrücklich offen. Entdeckt wurde der Einbruch jedenfalls erst zwei Tage später, am 29. Dezember, nachdem die Brandmeldeanlage der Sparkasse zum zweiten Mal ausgelöst worden war.

Höhe der Beute weiterhin unklar

Wie viel Geld und andere Wertsachen die Täter erbeutet haben, sei weiterhin reine Spekulation, betonte Reul. «Nicht mal die Sparkasse weiss, was da drin ist, weil jeder Einzelne in sein Fach das reintut, was er reintun möchte.»

Security stands in front of the closed Sparkasse savings bank branch during a Police search in the Buer district in Gelsenkirchen, Germany, Tuesday evening, Jan. 6, 2026 following a break-in into the  ...
Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik zurückgewiesen.Bild: keystone

Über die Sparkasse ist der Inhalt jedes Schliessfachs bis zu einem Wert von 10'300 Euro versichert. Allerdings haben zahlreiche Schliessfachbesitzer über ihre Anwälte schon angegeben, dass sie deutlich höhere Werte in ihrem Fach gelagert hätten.

Anwälte drohen mit Klagewelle

Anwälte wollen die Sparkasse juristisch für den Schaden belangen. Der Bank drohe «eine Klagewelle ungeahnten Ausmasses», sagte Rechtsanwalt Daniel Kuhlmann der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er sehe Anzeichen einer Pflichtverletzung des Geldinstituts. Anscheinend habe es keinen Erschütterungsmelder in dem Tresorraum gegeben, und die Einbrecher hätten sich möglicherweise ungestört 48 Stunden in der Bank aufgehalten.

Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik zurückgewiesen. «Die Filiale mit dem Schliessfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert», betonte Klotz. Die Massnahmen seien laufend verbessert worden.

Reul sagte dazu im Innenausschuss, um alle Fragen der Haftung müsse sich die Sparkasse kümmern. «Wenn irgendwer einen Fehler gemacht hat, muss er haften. Das ist immer so im Leben.»

Ermittler werten acht Terrabyte Daten aus

Die Ermittlungen wegen schweren Bandendiebstahls könnten sich noch längere Zeit hinziehen. «Wir haben es hier mit einem der grössten Kriminalfälle in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen zu tun», sagte Gelsenkirchens Polizeipräsident Tim Frommeyer.

Schon jetzt seien acht Terrabyte an Daten zusammengekommen – darunter 10'000 Stunden Videomaterial aus Überwachungskameras. Man müsse den Ermittlern nun die nötige Zeit geben, appellierte Innenminister Reul. «Die eine Spur, die man ganz am Schluss findet, ist manchmal die, die einem hilft.» (sda/dpa)

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DerGrund
13.01.2026 14:46registriert November 2015
Dass so ein Einbruch im Jahr 2025 noch möglich ist - da war die Bank sicher nicht auf dem modernsten Stand der Technik. Nur schon dass keine Meldung erfolgt während der Logger noch erfasst, dass ein Schliessfach nach dem anderen geöffnet wird...
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