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Analyse zeigt: Darum ist die SPD bei den Wahlen so abgeschmiert



epa06685439 The former leader of the Social Democratic Party (SPD) Martin Schulz speaks during an extraordinary Social Democrats (SPD) party convention in Wiesbaden, Germany, 22 April 2018. The SPD delegates gather in Wiesbaden to vote for their next party leader electing Nahles as the first woman into this party office.  EPA/CLEMENS BILAN

Hatte keine Chance: Martin Schulz. Bild: EPA/EPA

Nach dem Debakel bei der deutschen Bundestagswahl 2017 hat eine umfangreiche Untersuchung den Sozialdemokraten verheerende Fehler und fehlenden Zusammenhalt bescheinigt.

«In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Sozialdemokratie zu einem Sanierungsfall geworden», heisst es in der am Montag dem Vorstand vorgelegten Analyse, die auf der Befragung von Ministern, Funktionären, Oberbürgermeistern, Wahlkämpfern und Beschäftigten der Parteizentrale basiert. Trotz Ausgaben von rund 25 Millionen Euro holte die SPD mit Kanzlerkandidat Martin Schulz nur 20.5 Prozent, ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis aller Zeiten.

Schulz gab die Analyse nach der Wahl in Auftrag, frühere Pleiten sind dagegen nie systematisch aufgearbeitet worden. Er war nach internem Widerstand im Februar als SPD-Chef zurückgetreten. Seine Nachfolgerin Andrea Nahles kündigte an, dass alles auf den Prüfstand komme.

Nach früheren «Sturzgeburten» will Nahles zudem, dass die Frage des Kanzlerkandidaten vor der Wahl 2021 frühzeitig entschieden wird. «Wir wollen die Spitzenkandidatur früher und geordneter klären.»

In Parteikreisen wurde zuletzt das Jahr 2019 für eine mögliche Klärung der Kandidatenfrage genannt, um einen Wahlkampf vernünftig vorzubereiten. Neben Nahles gilt bisher vor allem Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz als denkbare Kandidatenoption. Allerdings hat die Partei derzeit keinerlei Machtperspektive.

Fehlende Mobilisierung

Fehlendes Teamplay, ein diffuser Kurs, schlechte Absprachen und eine nicht verfangende Gerechtigkeitskampagne – am Ende konnte die SPD selbst «Wahlberechtigte mit emotionaler Bindung zur Partei nicht ausreichend mobilisieren», heisst es in der 108-seitigen Analyse.

«Die lange offen gelassene Kandidatenfrage war ein Kardinalfehler», sagte der frühere Spiegel-Journalist Horand Knaup, der die Studie unter anderem mit dem Wahlkampfexperten Frank Stauss erstellt hat. Erst Anfang 2017 hatte der damalige SPD-Chef Sigmar Gabriel zugunsten von Martin Schulz verzichtet, dessen Stern aber schnell verglühte.

Wahlforscher kommen zu dem Schluss, dass die SPD eine «Volkspartei ohne Volk» sei, zudem wird eine ziellose Kampagne mit immer neuen Themen kritisiert. Ein «riesiges Kommunikationsloch» habe dazu geführt, dass Botschaften nicht ankamen.

Keine strategische Vorbereitung

Besonders unprofessionell sei der Umgang mit Regionalzeitungen gewesen. So wollte eine grosse ostdeutsche Zeitung ein kurzes Interview mit Schulz und sollte dafür Reporter nach Frankfurt/Main schicken, weil Schulz da vielleicht Zeit hätte. Zudem sei das Willy-Brandt-Haus nicht kampagnenfähig gewesen, nach dem Verzicht von Sigmar Gabriel übernahm Schulz quasi von heute auf morgen 2017 die Kandidatur, ohne strategische Vorbereitung und wahlkampferprobten Apparat.

Bis zum Sommer werden laut Nahles die Strukturen in der Parteizentrale von einem externen Dienstleister durchleuchtet. Nahles kündigte auch eine Klärung der unterschiedlichen Positionen an, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik, wo Teile der Partei für offene Grenzen sind und andere eine Begrenzung fordern. «Es fehlte ein klarer Kurs», so Nahles.

Schulz wollte die SPD nach der Wahl zunächst in die Opposition führen, aber nach dem Scheitern der Gespräche über eine Jamaika-Koalition ging die SPD schweren Herzens erneut in eine grosse Koalition mit den Christdemokraten Angela Merkels. Schulz trat nach internem Widerstand gegen ihn zurück. (sda/dpa)

Die Gewinner und Verlierer der Wahlen in 2017

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Video: srf/SDA SRF

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • saukaibli 12.06.2018 09:24
    Highlight Highlight Ich denke, die Wähler haben einfach gemerkt, dass das "S" im Parteinamen einfach nur noch Symbol ist. Nach Hartz IV und Agenda 2010 glaubt einfach niemand mehr daran, dass die SPD auch nur ein bisschen soziale Politik macht. Die SPD ist in etwa das, was bei uns die FDP ist, eine neoliberal geprägte Wirtschaftspartei. Die einzige sozialdemokratische Partei in DE ist "Die Linke", die aber nur schon wegen ihrem Namen kaum Wähler findet.
    • religionkills 13.06.2018 14:25
      Highlight Highlight die spd leute stegner und gabriel haben deutschland zum zweitgrössten waffenexporteur werden lassen. jahrelang wurden waffen in krisengebiete verkauft, alles abgesegnet von spd-leuten.
  • evand 11.06.2018 21:09
    Highlight Highlight Nein. Sie hören nicht mehr auf die „Kleinen Leute“ und ihre Sorgen. Wie die anderen Etablierten Parteien auch nicht. Das ist der Hauptgrund, weshalb die AfD dermassen Zuspruch erhielt.
  • *sharky* 11.06.2018 21:01
    Highlight Highlight
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    (Lied ab 3:10)
  • Zap Brannigan 11.06.2018 19:00
    Highlight Highlight Alles nur schlechte Kommunikation, schlechte Organisation. Das Wahlprogramm und der Kandidat waren es nicht. Und selbst für diese halbherzige Einsicht brauchte es zuerst die AfD. Das Ende ist Nahles. Würde damit nicht die AfD nach oben gespült, wäre es fast lustig.
  • dding (@ sahra) 11.06.2018 18:51
    Highlight Highlight Mit Verlaub, die Sozialdemokraten sind kein Sanierungsfall.
    Die Sozialdemokraten sind ein Auslaufmodel.
    • Fabio74 12.06.2018 19:28
      Highlight Highlight und die Zukunft sind die REchtsnationalen die Konsumentenrechte, Mietrecht und Arbeitsrecht aushöhlen wollen. Toll
  • Posersalami 11.06.2018 18:01
    Highlight Highlight Klingt ja alles ganz nett, aber das Hauptproblem liegt mMn an einer andere Stelle:

    Die SPD ist kaum noch von der CDU / CSU unterscheidbar und da wo sie noch eine eigene Meinung hat, neigt sie zum einknicken. Ob dabei dann Bauchschmerzen verspürt wird ist dem Wähler wohl egal. Schwachsinn wie Harz 4 vergisst der Wähler nicht mehr, das arrogante Gerede auch nicht.

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