International
Deutschland

Frau sticht in Siegen auf Busfahrgäste ein – drei in Lebensgefahr

«Tatverdächtige ist Deutsche!» – Polizei ruft nach Messerangriff zur Mässigung auf

31.08.2024, 17:1531.08.2024, 17:15

Nach dem Messerangriff in einem Bus im nordrhein-westfälischen Siegen mit mehreren Verletzten hat die Polizei angesichts falscher Anschuldigungen zur Mässigung aufgerufen. «Wir möchten an dieser Stelle ganz deutlich klarstellen: Bei der 32-jährigen Tatverdächtigen handelt es sich um eine Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit und ohne Migrationshintergrund», schrieb die Polizei am Samstag im Internetdienst X. «Bitte unterlassen Sie die Spekulationen und Anfeindungen in jegliche Richtung!»

Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul rief nach dem Angriff zum Zusammenhalt auf. Er sagte dem WDR, für das Zusammenleben sei es wichtig, «dass wir nicht in Angst und Schrecken verfallen, auch nicht in Schuldzuweisungen, sondern dass wir einfach selber stark bleiben und zusammenhalten». Er hielt sich zu einem ohnehin geplanten Besuch anlässlich des Stadtfests vor Ort auf.

Die Tatverdächtige hatte am Freitagabend in einem Bus in Siegen-Eiserfeld auf mehrere Fahrgäste eingestochen und sechs Menschen verletzt – drei von ihnen lebensgefährlich. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, gab es keine Hinweise auf ein politisches oder religiöses oder terroristisches Tatmotiv. Nach AFP-Informationen gibt es bei der Frau hingegen Hinweise auf psychische Auffälligkeiten in der Vergangenheit. Die Tatverdächtige ist polizeibekannt und festgenommen worden, sodass «keine weitere Gefahr» bestehe, wie die Polizei am Freitagabend mitteilte.

Erinnerungen an Anschlag von Solingen

Die Tat weckt Erinnerungen an den Anschlag von Solingen vor genau einer Woche. Dort hatte ein Mann auf einem Stadtfest drei Menschen mit einem Messer getötet und acht weitere verletzt. Der mutmassliche Täter, ein 26-jähriger Syrer, sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen ihn unter anderem wegen Mordes und des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Kreispolizei Siegen-Wittgenstein appellierte bereits am Freitagabend: «Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger darum, in sozialen Netzwerken oder auf anderen Kanälen keine Falschmeldungen zu verbreiten, insbesondere keinen Bezug zu einem Terroranschlag herzustellen. Der Polizei liegen dazu keine Erkenntnisse vor.»

Busfahrer reagierte geistesgegenwärtig

Die sechs Verletzten sind den Angaben zufolge zwischen 16 und 30 Jahre alt und stammen aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein. Der Bus ist als Sonderlinie eingesetzt gewesen, um die Passagiere zu einem Stadtfest in Siegen zu bringen. Ausser dem Verletzten waren rund 30 weitere Personen an Bord. Gegen 19.40 Uhr kam es zu dem Messerangriff. Mehrere Fahrgäste alarmierten die Polizei, Beamte nahmen die deutsche Verdächtige fest.

Ein Sprecher der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd sagte der «Siegener Zeitung», der Busfahrer habe geistesgegenwärtig reagiert, den Bus sofort nach dem ersten Tumult im Fahrzeug zum Stehen gebracht und alle Türen geöffnet. Das hätte den Fahrgästen eine schnelle Flucht aus dem Bus ermöglicht und vielleicht noch Schlimmeres verhindert. Dem Zeitungsbericht zufolge befanden sich auch Kinder und Jugendliche in dem Bus.

Sicherheitskonzept überprüft

Die Stadt Siegen feiert an diesem Wochenende ihren 800. Geburtstag. Die Organisatoren hatten sich nach der Tat von Solingen Gedanken um die Sicherheit gemacht. Das bereits vorhandene Sicherheitskonzept und die Einsatzplanung seien nochmals genau überprüft worden, wurde Bürgermeister Steffen Mues auf der Homepage der Stadt zitiert. «Das Stadtfest nicht abzusagen, ist auch ein Zeichen für Demokratie und Freiheit.»

Besucher des Stadtfestes dürften keine Messer bei sich tragen, heisst es auf der Homepage. Verstösse würden mit einem sofortigen Aufenthaltsverbot einschliesslich Platzverweis für die gesamte Dauer des Stadtfestes geahndet. (sda/dpa/lyn)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Verliert Trump seine Mehrheit? Die Umfragen eine Woche vor den Midterms
Am 3. November wählen die USA ein neues Parlament. Können sich Donald Trumps Republikaner behaupten oder verlieren sie ihre Mehrheiten im Repräsentantenhaus und dem Senat? Die Umfragen eine Woche vor den Midterms:
Glaubt man den Umfragen für das Repräsentantenhaus deutet einiges darauf hin, dass die Demokraten eine Mehrheit erreichen.
Zur Story