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Wie funktionieren Seeminen?

Oil tankers and cargo ships line up in the Strait of Hormuz as seen from Khor Fakkan, United Arab Emirates, Wednesday, March 11, 2026. (AP Photo/Altaf Qadri)
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Die Strasse von Hormus: Der Iran hat anscheinend mehrere Seeminen in dieser strategisch und wirtschaftlich wichtigen Meerenge ausgebracht. Auch eine geringe Anzahl von Minen kann hier zum völligen Erliegen der Schifffahrt führen. Bild: keystone

So funktionieren Seeminen

Möglicherweise hat der Iran in der Strasse von Hormus Seeminen verlegt. Welche Typen dieser gefährlichen Waffe gibt es und wie funktionieren sie?
14.03.2026, 19:5314.03.2026, 20:32

Seeminen sind mit Sprengstoff gefüllte Körper, die im Wasser eingesetzt werden und bei Kontakt oder bei Annäherung eines Schiffs explodieren. Wie Landminen sind Seeminen eine billig produzierbare Waffe, die die Durchquerung eines bestimmten Gebietes so gefährlich machen kann, dass es dadurch faktisch gesperrt ist. Im militärischen Jargon werden sie daher als «Sperrwaffen» bezeichnet.

Die Sprengladung von Seeminen enthält TNT (Trinitrotoluol), das wasserunlöslich ist und über Jahrzehnte hinweg wirksam bleibt, sodass alte Minen noch immer explosiv sein können. Minen können eine Sprengladung von bis zu 1,5 Tonnen enthalten.

Aktuell gibt es Berichte, wonach der Iran, der über ein umfangreiches Arsenal verschiedener Typen von Seeminen verfügt, mehrere davon in der strategisch wichtigen Strasse von Hormus verlegt hat. Diese Minen werden eingesetzt, um Häfen zu blockieren, Seegebiete zu sperren oder wie hier Schifffahrtsrouten unpassierbar zu machen. Sie gelten als schwer zu entdecken und zu beseitigen.

Welche Typen von Seeminen gibt es?

Seeminen lassen sich nach der Art ihrer Positionierung oder nach der Art ihres Zünders in verschiedene Typen einteilen. Die meisten dieser herkömmlichen Minen können in bis zu 60 Meter Wassertiefe gelegt werden.

Zünderart

  • Kontaktzünder: Diese Zünder lösen aus, wenn der Schiffsrumpf die Mine berührt. Die Methode kann mechanisch, chemisch oder elektrisch sein.
  • Abstandszünder: Sie reagieren auf Veränderungen im Erdmagnetfeld, die durch grosse Schiffsrümpfe erzeugt werden; auf Schraubengeräusche oder den Wasserdruck, den ein vorbeifahrendes Schiff verursacht. Moderne Minen können sogar eine bestimmte Zahl von Schiffen vorbeifahren lassen und erst später zünden. Auf diese Weise erschweren sie die Räumung.
Seeminen-Typen.
https://x.com/cryptorand/status/2031823726107308438
Verschiedene Minentypen: Von der Treibmine links oben bis zur Torpedomine ganz rechts. Grafik: X

Positionierung

Eine Seemine kann auf Höhe der Wasserlinie platziert werden, zwischen der Wasserlinie und dem Meeresboden schweben oder sich auf dem Meeresboden befinden. Entsprechend unterscheidet man zwischen Treibminen, Ankertauminen und Grundminen:

  • Treibminen: Sie sind unverankerte Seeminen, die mit Kontaktzündern ausgestattet sind und leicht verlegt werden können. Sie treiben frei im Wasser und bewegen sich mit Strömung und Wind; ihre Bewegungen lassen sich daher nicht über einen längeren Zeitraum voraussagen. Treibminen sind völkerrechtlich verboten, wenn sie nicht automatisch eine Stunde nach dem Aussetzen unscharf werden.
  • Ankertauminen: Sie sind einfache Waffen, die auch von technologisch rückständigen Ländern preiswert hergestellt und eingesetzt werden können. Ankertauminen bestehen aus einem Minenwagen oder Anker, der auf den Meeresgrund sinkt, und dem Minengefäss, das mit einem Drahtseil, dem sogenannten Ankertau, am Minenwagen befestigt ist und aufgrund seines Auftriebs einige Meter unter der Meeresoberfläche schwimmt. Berührt ein Schiff den Zünder, detoniert die Mine. Diese Bauweise ermöglicht es, bestimmte Schifffahrtsrouten gezielt zu blockieren. Besonders in engen Seegebieten – etwa der Strasse von Hormus – kann ein Minenfeld so eine erhebliche Wirkung entfalten.
    In grösseren Tiefen werden Ankertauminen auch gegen U-Boote eingesetzt.​
Deutsche Ankertaumine im Transportzustand.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=927421
Deutsche Ankertaumine im Transportzustand.Bild: Wikimedia/Werner Willmann
  • Grundminen: Sie sind technisch anspruchsvoller und schwerer zu räumen als Ankertauminen. Sie liegen auf dem Meeresboden, oft in flacheren Gewässern, und reagieren nicht auf direkten Kontakt, sondern auf verschiedene Signale eines vorbeifahrenden Schiffes – etwa Magnetfelder grosser Stahlrümpfe, Geräusche von Schiffsschrauben oder Druckveränderungen im Wasser.
  • Torpedominen: Diese neuartigen Minen liegen zunächst wie Grundminen auf dem Meeresboden. Wenn die Sensoren ein Ziel erkennen, startet die Mine einen torpedoähnlichen Sprengkörper, der sein Ziel selbstsuchend angreift.
Grundmine, Gefechtsmine MK 36 25 der Bundesmarine.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2197892
Grundmine der deutschen Bundesmarine.Bild: Wikimedia/Klugschnacker

Warum werden Seeminen eingesetzt?

Dank ihrer relativ einfachen Konstruktion und der niedrigen Kosten erlauben Seeminen es auch Staaten, die nicht über hochgerüstete Seestreitkräfte verfügen, ganze Seegebiete zu blockieren. Für solche Staaten, zu denen auch der Iran zählt, sind Minen deshalb besonders attraktiv.

Selbst eine geringe Anzahl von Minen kann den Seeverkehr zum Erliegen bringen. In modernen Schifffahrtsmärkten übersteigt die wirtschaftliche Auswirkung von Minen oft deren militärische Wirkung. Die Versicherungsprämien steigen sprunghaft an, Häfen stellen ihren Betrieb ein und Reedereien weigern sich, Schiffe durch potenziell verminte Gewässer zu schicken, bis die Marine das Gebiet geräumt hat.

Während des sogenannten Tankerkriegs in den 1980er-Jahren, der Teil des Iran-Irak-Kriegs war, hat der Iran ebenfalls Minen im Persischen Golf gelegt. Eine davon beschädigte 1988 die Fregatte USS Samuel B. Roberts (FFG‑58), die einen kuwaitischen Öltanker eskortierte.

Wie lange bleiben Seeminen gefährlich?

Nach Schätzungen der deutschen Bundeswehr liegen in deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee noch etwa 1,6 Millionen Tonnen konventionelle Munition aus den beiden Weltkriegen – vor allem Seeminen und Fliegerbomben, die seit Jahrzehnten unter Wasser verrotten. Allein in der Ostsee sollen es geschätzt bis zu 100'000 Seeminen sein. Sie sind teilweise noch explosionsfähig und stellen nicht nur eine Gefahr für die Schifffahrt und den Bau von Offshore-Windparks dar, sondern setzen auch Giftstoffe im Meer frei, zum Beispiel Phosphor. Diese Giftstoffe reichern sich durch die Nahrungskette an und landen schliesslich auf unseren Tellern.

Alte Seeminen am Strand der estnischen Insel Naissaar.
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=167054
Alte Seeminen am Strand der estnischen Insel Naissaar in der Ostsee.Bild: Wikimedia/Siim Sepp

Wenn Seeminen sich aus ihren Verankerungen lösen und durch Strömungen und Stürme abdriften, können sie zur unkontrollierten Gefahr werden. So wurden etwa im Frühjahr 2022 mehrfach vor der türkischen Küste treibende Seeminen entdeckt. Der Schiffsverkehr am Bosporus wurde teils ausgesetzt. Beobachter vermuteten einen Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg. Im Schwarzen Meer liegen unzählige Seeminen.

Wie werden Seeminen geräumt?

So einfach Seeminen ausgebracht werden können, so schwierig ist es, sie wieder zu entfernen – dies gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben moderner Seestreitkräfte. Unterschieden werden das Minenräumen und die Minenjagd. Die dafür eingesetzten Kriegsschiffe fasst man unter dem Oberbegriff «Minenabwehrfahrzeuge» zusammen.

Minenräumen

Beim Minenräumen werden Minen in einem bestimmten Suchgebiet mit technischen Mitteln unschädlich gemacht. Die Methoden unterscheiden sich nach Art der Minen:

  • Ankertauminen räumt man mit sogenannten Räumgeschirren, die von Minensuchbooten durch das Wasser gezogen werden und die Ankertaue der Minen zerschneiden. Die Minen schwimmen dann an die Oberfläche, wo sie zerstört werden.
  • Grundminen werden mit simulierten Magnetfeldern oder Geräuschen zur Explosion gebracht. Druckfelder lassen sich jedoch nicht simulieren; Minen mit Druckzündern können nur durch besonders geschützte Schiffe geräumt werden, die über die Minen fahren und sie zur Zündung bringen.
Mine hunters of Turkish Naval Forces are on duty for Blue Homeland BALIKESIR, TURKIYE - JUNE 26: Unmanned underwater vehicle UUV of Turkish Navys minesweeper ship belonging to Turkish Navy Mine Squadr ...
Türkisches Minenräumschiff mit einem unbemannten Unterwasserfahrzeug für die Minenjagd.Bild: www.imago-images.de

Minenjagd

Bei der Minenjagd werden spezialisierte Minenräumboote und ferngelenkte Unterwasserfahrzeuge eingesetzt, um einzelne Minen mithilfe von hochauflösenden Sonargeräten zu orten. Sie können dann entweder entschärft oder gezielt gesprengt werden. Für die Identifizierung der Minen und ihre Vernichtung müssen in einigen Fällen auch Minentaucher eingesetzt werden.

Doch auch mit moderner Technik bleibt die Minenjagd zeitaufwendig; es kann Stunden dauern, eine einzelne Mine zu finden und zu entschärfen. Auch hier fällt der wirtschaftliche Effekt ins Gewicht: Die Beseitigung einer Mine kostet ein Vielfaches der Kosten ihrer Herstellung und Verlegung.

A trainer, left, touches the nose of U.S. Navy dolphin "Shasta" during a demonstration at the U.S. Navy Marine Mammal Program facility at Naval Base Point Loma in San Diego, Thursday, April  ...
Auch Delfine wurden eingesetzt, um Minen aufzuspüren und Vernichtungsladungen zu den gefundenen Minen zu bringen. Moderne Minenjagddrohnen sind jedoch zuverlässiger bei geringerem Aufwand.Bild: AP

Im Persischen Golf werden nun vermutlich vor allem Einheiten der US Navy, der Royal Navy und weiterer Verbündeter der westlichen Mächte mit der Minenräumung beauftragt werden. (dhr)

«The Many Types of Naval Mines and How They Work | Sails and Salvos.»Video: YouTube/ConeOfArc
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quelle: keystone / altaf qadri
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