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Krach bei Timmy-Rettern: US-Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe

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Mitglieder des Rettungsteams beim Wal am Dienstag, 21. April 2026.Bild: www.imago-images.de

Krach bei Timmy-Crew: US-Tierärztin erhebt schwere Vorwürfe gegen beteiligten Influencer

Eine US-Tierärztin verlässt die Walrettung auf Poel – und erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei Beteiligte. Es geht um Ego, Fehlentscheidungen und die Frage, ob der Einsatz dem Tier noch hilft.
22.04.2026, 04:5322.04.2026, 06:24
Anna-Lena Janzen / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die US-Tierärztin Jenna Wallace hat am Montag die Walrettung vor der Insel Poel verlassen und wirft zwei Beteiligten vor, durch ihr Verhalten die Rettung des Buckelwals gefährdet zu haben. Sie habe sich zwischen ihrem Job und dem Einsatz entscheiden müssen und sei deshalb abgereist, erklärte sie in einem Facebook-Beitrag.

Wallace betont, sie sehe weiterhin eine Überlebenschance für den Wal «Hope» (in deutschsprachigen Medien wird er «Timmy» genannt). Gleichzeitig schildert sie massive Konflikte im Team. Zwei Männer hätten eine «erste, echte Chance auf Freiheit» zunichtegemacht. Namentlich nennt sie «Sergio» sowie «Mr. Firstclass».

Jenna Wallace veterinary
Jenna Wallace: Die aus Hawaii eingeflogene Tierärztin hat das Team verlassen.Bild: instagram/jenna wallace

Nach Recherchen mehrerer Medien, unter anderem der «Ostsee-Zeitung» handelt es sich dabei um den Autor Sergio Bambaren und den Influencer Danny Hilse («Denny Firstclass»). Beide sind Teil der privaten Rettungsinitiative.

Wallace beschreibt, sie habe angeordnet, dem erschöpften Tier Ruhe zu geben – dies sei ignoriert worden. Einer der Beteiligten habe den Wal stattdessen wiederholt in Richtung flacheres Wasser gelenkt.

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Ziel der Kritik: Der Influencer Danny Hilse.Bild: screenshot x

In ihrem Beitrag beschreibt sie das Verhalten eines Beteiligten so: Er sei «so sehr damit beschäftigt gewesen, sich selbst zu filmen, zu telefonieren, mit Hope zu sprechen und ihm in die Augen zu sehen, dass er genau das Gegenteil von dem getan habe, was Hope gebraucht hätte». Weiter heisst es: «Er hätte beinahe mit dem Propeller seines Boots Timmys Schwanzflosse überfahren.»

Gegen «Sergio» erhebt sie konkrete Vorwürfe. Eine Anweisung, nicht sofort zu den Booten zu gehen, bewertet sie im Nachhinein scharf: «Das war ein Fehler! Sergio hat uns das gekostet!» Grundsätzlich formuliert sie ihre Kritik so: «Tiere lügen nicht – Menschen schon» und «Tiere vor Ego».

Vorwürfe gegen weiteren Beteiligten

Der Influencer Danny Hilse, der auf TikTok rund 71'000 Abonnenten hat und sich nach eigenen Angaben für Tierschutz, Kinderschutz und Kampf gegen Armut einsetzt, steht auch aus anderen Gründen im Fokus.

Nach Recherchen der «Ostsee-Zeitung» trat er zuvor als Organisator von Demonstrationen rund um den Wal auf und bewegte sich dabei in einem Umfeld, zu dem auch Akteure aus der rechten Szene gezählt werden. Die «Bild» berichtet zudem über frühere Verbindungen Hilses ins Rockermilieu. Zu entsprechenden Vorwürfen habe er sich bislang nicht geäussert.

Grundsatzkritik: «Tiere vor Ego»

Karin Walter-Mommert stellte die Gründe für Wallaces Abreise in einem Interview mit dem NDR klar. Die Tierärztin habe demnach nur eine befristete Genehmigung gehabt, vor Ort zu arbeiten. Sie sei «nur bis Montagabend» vom zuständigen Ministerium zugelassen gewesen und habe deshalb abreisen müssen.

Zugleich betont Walter-Mommert die Bedeutung von Helfern ohne Spezialausbildung. Auf die Frage, warum auch Nichtexperten eingebunden seien, entgegnet sie: «Was qualifiziert Helfer zu helfen?» Viele Aufgaben seien organisatorisch – vom Aufbau der Infrastruktur bis zur Versorgung des Teams.

Kritik am Influencer Hilse wies die Mitinitiatorin der Rettungsaktion zurück. «Der Mann hat eine unfassbare Bindung zu dem Wal. Ich glaube, dass viele Aktionen nicht möglich gewesen wären, wenn dieser Mann nicht mit am Wal gewesen wäre.» Dass Hilse eine enge Bindung zum Tier entwickelt habe, bewertete sie positiv: Das empfinde sie «persönlich als grossen Glücksfall».

Zu den Vorwürfen, Hilse habe sich selbst gefilmt und den Wal falsch gelenkt, erklärt sie:

«Das werden wir selbstverständlich mit Videomaterial aufarbeiten. Wir haben alles dokumentiert.»

Die Situation habe sich ihr anders dargestellt, aber er habe eine Rüge erhalten, zudem habe es die klare Anweisung gegeben, dass niemand filmt. Reibungen im Team in einer solchen Stresssituation seien aus ihrer Sicht nicht ungewöhnlich: Missverständnisse entstünden, «wo jeder seine Aufgabe hat», das sei menschlich.

Erklärung von Bambaren-Management

Auch aus dem Umfeld von Sergio Bambaren gab es eine Reaktion. In einem Facebook-Statement seines Managements heisst es, man befinde sich in einer «aussergewöhnlichen Situation», das Team arbeite seit Tagen unter extremen Bedingungen – «getragen von einem gemeinsamen Ziel: dem Wohl von Hope».

Weiter heisst es: «Sergio Bambaren wird sich nicht an öffentlichen Diskussionen beteiligen. Sein Fokus ist klar und unerschütterlich: die bestmögliche Unterstützung für den Wal.» Er sei «seit dem ersten Tag dort, wo er am meisten bewirken kann – im Wasser, direkt an der Seite von Hope». Zudem vertraue er «auf die Kraft der Verbindung zum Tier sowie auf die Expertise des gesamten Teams».

Rettung unter Druck

Die Vorwürfe treffen auf ein ohnehin angespanntes Umfeld. Mehrere Beteiligte hatten sich zeitweise zurückgezogen, eine Tierärztin musste nach einem medizinischen Notfall ins Krankenhaus. Um kurz nach 16 Uhr am Dienstag landete ein Rettungshubschrauber auf der Insel Poel, um sie in eine Spezialklinik zu fliegen.

Trotz der Konflikte läuft die Rettungsaktion weiter. Intern seien Differenzen aufgearbeitet worden, das Team arbeite weiter daran, den Wal aus dem flachen Wasser in Richtung offenes Meer zu führen, hiess es aus dem Umfeld der Initiative.

Wallace beschrieb ihren Abschied als emotional – sie habe «so sehr geweint» und werde die Situation «für immer mit Schuld und Trauer im Herzen tragen», schreibt sie und verbindet das mit der Hoffnung, dass der Wal auch ohne sie überlebt.

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26 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Die Lauchin
22.04.2026 06:43registriert Oktober 2015
Ist das jetzt ein Bootcamp für Leute mit Helfersyndrom auf dem Buckel des Wales?

Möchte mal hören, was der Wal dazu sagt.
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stookie
22.04.2026 06:44registriert Oktober 2014
Und RML war der unnötige “next YouTube star” der “zu 90, vielleicht sugar 100% falsche entscheidungen” gemacht hat.
(Not so)Fun Fact: Im Nachbarland Dänemark gäbe es, meines Wissens sogar vom Staat, professionelle Unterstützung von Walrettungsteams. Schon mal dran gedacht dort anzurufen? Zumal ja auch der wegen die Nordsee/Atlantik an dem Dänischen Hoheitsgebiet vorbei geht. Nur so als (verrückte) Idee….
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Weltbürgerin
22.04.2026 07:30registriert Mai 2019
einfach nur krank. Und ich meine nicht den Wal.
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