International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08819102 US President Donald J. Trump returns to the Oval Office after delivering an update on Operation Warp Speed during a press conference on the South Lawn of the White House, Washington, DC, USA, 13 November 2020. Operation Warp Speed is a public/private partnership, initiated by the Trump administration, to facilitate and accelerate the development, manufacturing, and distribution of COVID-19 vaccines, therapeutics, and diagnostics.  EPA/Chris Kleponis / POOL

Donald Trump letzte Woche im Oval Office. Das Weisse Haus verlässt er kaum noch. Bild: keystone

Bunkermentalität im Weissen Haus: So macht Trump seinem Nachfolger das Leben schwer

Donald Trump schwankt zwischen Resignation und Trotz. Innerlich hat er sich wohl mit der Niederlage gegen Joe Biden abgefunden. Deshalb will er vor dem Machtwechsel möglichst viele vollendete Tatsachen schaffen.



Donald Trump hat sich im Weissen Haus verkrochen. In seiner Agenda stehen kaum noch öffentliche Termine. Sogar den geplanten Thanksgiving-Trip in sein Golfresort Mar-a-Lago in Florida nächste Woche hat der US-Präsident gemäss CNN abgesagt. Ein Beamter bezeichnete die Stimmung gegenüber dem TV-Sender als «Bunkermentalität».

Seit die grossen US-Medien inklusive Fox News Joe Biden zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt haben, schwankt Trump zwischen Resignation und Trotz. Ab und zu lässt er durchblicken, dass er sich mit der Niederlage abgefunden hat. «Er weiss, dass es vorbei ist», sagte einer seiner Berater der «New York Times». Offiziell eingestehen aber will er sie nicht.

FILE - In this May 22, 2019 file photo, Department of Homeland Security Cybersecurity and Infrastructure Security Agency Director Christopher Krebs testifies on Capitol Hill in Washington. â??I have confidence that your vote is secure, that state and local election officials across this country are working day in and day out, 24/7, that the 2020 election is as secure as possible,â? Krebs said. (AP Photo/Carolyn Kaster, File)
Christopher Krebs

Christopher Krebs wurde am Dienstag von Trump gefeuert. Bild: keystone

Stattdessen wütet er auf Twitter weiter gegen die «getürkte» Wahl und verbreitet Verschwörungstheorien über eine angeblich manipulierte Wahlsoftware. Beweise gibt es keine, vielmehr verlief die Wahl gemessen an den prekären Corona-Umständen verblüffend störungsfrei, auch wenn sich die Auszählung über Tage hingezogen hatte.

«Die sicherste Wahl der Geschichte»

Christopher Krebs, ein ranghoher Beamter des Heimatschutzministeriums, wies die Manipulationsvorwürfe am Dienstag zurück und sprach von der «sichersten Wahl der amerikanischen Geschichte». Die Quittung folgte prompt: Donald Trump bezeichnete Krebs’ Darstellung auf Twitter als «hochgradig unzutreffend» und feuerte ihn per sofort.

An der Realität ändert dies nichts: Sämtliche Klagen von Trumps Anwälten gegen das Wahlergebnis wurden von den Gerichten bislang abgeschmettert. Ein dreister Versuch der Republikaner, die Beglaubigung des Resultats im grössten Wahlkreis von Michigan mit der Demokraten-Hochburg Detroit zu verhindern, scheiterte nach massiven Protesten.

Die Ergebnisse der Wahl müssen in den Bundesstaaten bis zum 8. Dezember zertifiziert werden, damit das Electoral College am 14. Dezember den Präsidenten wählen kann. Biden dürfte dort mit 306 zu 232 Stimmen gewinnen. Bis dann wird sich Donald Trump weiterhin weigern, seine Niederlage anzuerkennen. Vielleicht tut er das gar nie.

Fox News-Moderator bezichtigt US-Präsidenten der Falschaussage

Video: watson

Laut Politico ist es sogar unklar, ob der scheidende Präsident an Joe Bidens Amtseinführung am 20. Januar 2021 teilnehmen wird. Einen solchen Affront hat es seit mehr als 150 Jahren nicht gegeben. Auf jeden Fall tut Trump alles, um eine geordnete Amtsübergabe an seinen Nachfolger zu erschweren oder sogar zu verunmöglichen.

Kein Zugang zu Informationen

So erhält das Team des designierten Präsidenten nach wie vor keinen Zugang zu Ämtern und wichtigen Informationen. Selbst republikanische Senatoren kritisieren diese Blockade. Sie fordern, dass Biden zumindest die täglichen Geheimdienst-Briefings erhält.

Der Stillstand bei der «Transition» kontrastiert mit dem Aktivismus, den Trump in den letzten Tagen in verschiedenen Bereichen entwickelt hat. Offenbar versucht er, seinem Nachfolger vollendete Tatsachen zu hinterlassen und gleichzeitig seine Bilanz aufzupolieren:

Trump will zahlreiche US-Soldaten nach Hause holen. Bild: EPA

Ausserdem will Mike Pompeo offenbar noch diese Woche als erster US-Aussenminister eine israelische Siedlung im besetzten Westjordanland besuchen. Israel treibt auch den Bau von mehr als 1200 Wohnungen im annektierten Ost-Jerusalem voran. Joe Biden hatte entsprechende Pläne 2010 als damaliger Vizepräsident stark kritisiert.

Trump bezeichnet sich als «Realist»

Weitgehend untätig zeigt sich Donald Trump hingegen in der Coronakrise, obwohl die Fallzahlen in den USA neue Rekordwerte erreicht haben. Er verweigert Bidens Team auch in diesem Bereich die Zusammenarbeit. Diese müsse «so schnell wie möglich» erfolgen, forderte der designierte Präsident am Montag: «Wenn wir uns nicht abstimmen, könnten mehr Menschen sterben.»

So feiert Amerika den Wahlsieg von Joe Biden

Viel ausrichten kann Joe Biden nicht, obwohl eigentlich seit 1963 ein Gesetz existiert, das die Übergangsphase von einer alten zu einer neuen Regierung regelt. Revanchieren will er sich, indem er gleich am ersten Tag im Weissen Haus diverse Entscheidungen des Vorgängers rückgängig machen wird, kündigte sein Stabschef Ron Klain am Sonntag an.

Bis dann sind es noch zwei Monate, in denen Trump ihm einige Knüppel zwischen die Beine werfen kann. Am Ende wird er sich wohl seinem Schicksal fügen. Im Gespräch mit dem Fox-News-Moderator Geraldo Rivera soll er sich letzte Woche als «Realist» bezeichnet haben. Vielleicht verschwindet Donald Trump am Ende einfach durch die Hintertüre.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Diese Republikaner haben sich von Trump abgewandt

Die Highlights von Bidens Siegesrede

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Zum Fussballmatch dank des Corona-Impfpasses

Ein Impfstoff rückt näher. Sollen Personen, die sich gegen Covid-19 impfen lassen, mehr Freiheiten geniessen? Die Präsidentin der Gesundheitskommission Ruth Humbel lanciert die Debatte über einen Immunitätsausweis.

Fussballspiele mit vollen Stadien, Reisen ohne Quarantäne, Disco- und Restaurantbesuche ohne Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken: Die positiven Nachrichten von der Impfforschung nähren die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zu mehr Normalität. Und sie verleihen einer schon länger schwelenden Debatte neuen Auftrieb: Sollen Personen, die aufgrund einer Infektion Antikörper haben oder sich gegen Covid-19 impfen lassen, von gewissen Erleichterungen profitieren, wenn feststeht, …

Artikel lesen
Link zum Artikel