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Macron eröffnet Trump und Selenskyj die Notre-Dame

Macron eröffnet mit Trump und Selenskyj die Notre-Dame

07.12.2024, 06:1907.12.2024, 19:09
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Ja, ja, wir haben's selber gemerkt: aus noch unerfindlichen Gründen ist der angekündigte Livestream abgeschmiert. Wer brennend an der Notre-Dame-Eröffnung interessiert ist, wird angehalten, zur Konkurrenz zu gehen, für die anderen berichten wir im Nachhinein. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.

Anderthalb Monate vor seiner Amtseinführung macht der designierte US-Präsident Donald Trump an diesem Wochenende seine erste Auslandsreise seit dem Wahlsieg und besucht Frankreich. Auf Einladung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron wird Trump am Samstagabend in Paris bei der feierlichen Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame erwartet. Bereits am Nachmittag wollen sich Macron und Trump im Élysée-Palast für ein bilaterales Gespräch zusammensetzen, wie die französische Seite ankündigte. Im Anschluss wolle Macron dort auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen.

Die politischen Gespräche

Trumps Anwesenheit bei der Notre-Dame-Zeremonie und die politischen Gespräche am Rande dürften viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ob Handel, Klimaschutz oder Sicherheit: In Europa weiss man sehr genau, wie dramatisch Trump die transatlantischen Beziehungen verändern kann. Noch dazu fällt der Besuch mit einer innenpolitischen Krise in Frankreich zusammen, die Macron erheblich unter Druck setzt. Ob Trump den Besuch in Paris für separate Treffen mit anderen Staats- und Regierungschefs nutzen wird, ist offen. Denkbar wäre etwa, dass er und Macron sich gemeinsam mit Selenskyj zusammensetzen.

Trump hatte im Präsidentschaftswahlkampf wiederholt behauptet, er könne den russischen Angriffskrieg in der Ukraine binnen 24 Stunden beenden – auch dank seiner guten Kontakte zu Russlands Präsident Wladimir Putin. Er brüstete sich bei einer Kundgebung sogar damit, er könne den Konflikt sogar noch vor seinem Amtsantritt beilegen. Wie – das sagte er nicht. Im Wahlkampf signalisierte Trump, dass er im Fall einer Wiederwahl die – bisher gewaltige – Unterstützung der USA mit militärischer Ausrüstung für die Ukraine drastisch zurückfahren oder ganz einstellen würde. Doch lässt er seinen Worten auch Taten folgen?

epa11762658 French President Emmanuel Macron (C), US president-elect Donald J. Trump (R) and Ukrainian President Volodymyr Zelensky (L) leave Elysee Palace to attend the reopening ceremony of the Notr ...
Bild: keystone

Trump trifft Prinz William

Der britische Thronfolger Prinz William trifft sich vor der Wiedereröffnung der Pariser Kathedrale Notre-Dame mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump. Dabei wolle der 42-Jährige die Wichtigkeit der «besonderen Beziehung» zwischen Grossbritannien und den USA besprechen, war in London zu hören. Der Termin gilt auch als weiterer Schritt, den Sohn von König Charles III. als Staatsmann aufzubauen.

Royale Treffen mit ausländischen Politikern werden in der Regel von der britischen Regierung vereinbart. London hofft darauf, dass die königliche Familie eine wichtige Rolle dabei spielen wird, gute Beziehungen mit Trump aufzubauen und schwere Folgen durch dessen angekündigte Handels- und Zollpolitik zu vermeiden. Trump hat sich wiederholt bewundernd über König Charles, dessen Ehefrau Königin Camilla und die Royals geäussert.

Die Notre-Dame-Feierlichkeiten

Am 20. Januar wird Trump als Präsident vereidigt und übernimmt die Amtsgeschäfte von Joe Biden. Der Demokrat wird bei der Notre-Dame-Wiedereröffnung nicht erwartet – wohl aber dessen Ehefrau, First Lady Jill Biden. Bei der Eröffnungsfeier am Samstagabend sind auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Grossbritanniens Thronfolger Prinz William, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie etliche Staats- und Regierungschefs aus anderen Ländern dabei – darunter die Könige von Marokko und Jordanien, Mohammed VI. und Abdullah II..

Die Kathedrale war bei einem Brand vor fünf Jahren schwer beschädigt und seither saniert worden. Für Macron ist die Wiedereröffnung des Pariser Wahrzeichens ein Höhepunkt seiner inzwischen siebenjährigen Amtszeit. Als der Präsident nach der Brandkatastrophe den Wiederaufbau der Notre-Dame binnen fünf Jahren versprach, hatten viele das für unmöglich gehalten. Bei der national bedeutenden Feier zur Wiedereröffnung auch gleich den künftigen US-Präsidenten zu empfangen, dürfte Macron als besonderen Coup verstehen.

Die politische Krise in Frankreich

Trump trifft nun aber inmitten einer politischen Krise in Frankreich ein, die auch Macron in die Bredouille bringt. Im Streit um einen Sparhaushalt stürzte die Opposition am Mittwochabend die Mitte-Rechts-Regierung des bisherigen Premierministers Michel Barnier. Teile der Opposition fordern seitdem auch Macrons Rücktritt. Nun will der Präsident im Eiltempo einen neuen Premier installieren, der mit den zerstrittenen Lagern im Parlament eine neue Regierung aufstellen muss.

Buhlen um Trumps Gunst

Während Trumps erster Amtszeit hatte sich Macron auffallend um eine gute Beziehung zu dem Republikaner bemüht – allen politischen Meinungsverschiedenheiten zum Trotz. Dabei inszenierte sich der Franzose öffentlich als starker europäischer Gegenpart des wohl mächtigsten Mannes der Welt. Auch nach dessen Wiederwahl ist Macron nun vorn dabei, wenn es darum, sich mit Trump gut zu stellen.

Seit dessen Sieg bei der Präsidentenwahl Anfang November bemühen sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt, den Kontakt zu Trump wieder aufzubauen, nachdem dieser in seiner ersten Amtszeit aussenpolitisch grosse Verwerfungen ausgelöst hatte. Spitzenvertreter mancher Staaten – wie zuletzt der kanadische Premierminister Justin Trudeau – wurden auch persönlich in Trumps Anwesen Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida vorstellig. (sda/dpa)

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Haarspalter
07.12.2024 08:09registriert Oktober 2020
Macron ist Präsident einer Atommacht und ein bekennender Putin-Gegner, welcher schon laut über die Möglichkeit nachgedacht hat, Französische Truppen in die Ukraine zu entsenden.

Solche selbstbewusste Betonung von Stärke gefällt dem Donald.

Es schadet nichts, wenn Macron sich mit Trump austauscht - und wenn Selensky dabei ist, umso besser.

Der Anführer der Terrororganisation K.R.E.M.L. wird sich auf jeden Fall ärgern, nicht dabei sein zu dürfen.
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naturwald
07.12.2024 08:32registriert Oktober 2023
Macron scheut sich nicht auch "unbeliebte" Akteure zu treffen. Er war ja einer der letzen der ununterbrochen mit Putin in Kontakt war um den absehbaren Ukrainekrieg zu verhindern. Viel Probleme mit links und rechts im eigenen Land mit ihm als einzigem Klebstoff. Aus meiner Sicht noch eine staatsmännische Persönlichkeit die es in einer sehr polarisierten Welt eigentlich zu schätzen gilt.
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Sisyphus
07.12.2024 07:18registriert Dezember 2021
Das waren noch Zeiten als sich die Erde um die Sonne drehte. In letzter Zeit, wenn ich solche Nachrichten lese, habe ich immer mehr das Gefühl, dass sich unser Planet um Trump dreht. Die Wiedereröffnung von Notre Dame ist nur eine Randnotiz, wichtiger ist das Trump der Eröffnung beiwohnt.
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