DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Warum sich der Drogen-Schmuggel nicht stoppen lässt



epa05237447 A police officer wearing blue gloves holds seized blocks of cocaine at a press conference in Darmstadt, Germany, 31 March 2016. Searchers with the South Hessian police headquarters uncovered intentional narcotics smuggling during random police checks on the federal highway, and arrested two men who had hidden 22 kilograms of cocaine and 13 kilograms of amphetamines in their vehicle.  EPA/ANDREAS ARNOLD

Bild: EPA/DPA

Die Beschlagnahmung grosser Kokainlieferungen bringt gemäss einer Studie nicht viel. Diese Strategie ist ineffizient und mithin sogar kontraproduktiv.

«Unsere Arbeit zeigt, dass angebotsorientierte Anti-Drogen-Strategien allein bestenfalls ineffektiv sind und schlimmstenfalls das Problem des Drogenhandels sogar noch verschärfen», sagt Nicholas Magliocca von der Universität von Alabama. Er hat die in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS») veröffentlichte Studie geleitet.

Insgesamt zwölf Tonnen Kokain hat die US-Küstenwache in den ersten drei Monaten des Jahres vor den Küsten von Mexiko, Mittelamerika und Südamerika beschlagnahmt. «Wenn wir die Drogen tonnenweise auf dem Meer beschlagnahmen können, müssen wir sie nicht kiloweise auf den Strassen von Miami suchen», sagt Vizeadmiral Daniel Abel. Polizisten und Drogenschmuggler liefern sich in Mittelamerika seit Jahrzehnten ein Katz-und-Maus-Spiel.

In this Feb. 22, 2017 photo, a U.S. Coast Guard sailor scans the horizon with his binoculars just outside the bridge of the USCG cutter Stratton as it navigates the eastern Pacific Ocean near the coast of Central America. The Coast Guard set a record in 2016, seizing more than 240 tons of cocaine, but its victories seem doomed to be short-lived. That's because hundreds of miles to the south, in the jungles of Colombia, there's a bumper harvest taking place. And Colombia is virtually the only source of cocaine smuggled by sea in small vessels.(AP Photo/Dario Lopez-Mills)

Bild: AP/AP

Gemeinsam mit Kollegen hat Nicholas Magliocca das Computermodell NarcoLogic entwickelt. Es zeigt, dass Verbrechersyndikate nach dem Abfangen von Drogenlieferungen schnell ihre Schmuggelrouten ändern. Dadurch vergrössern sich die für den Drogenschmuggel genutzten Gebiete, was wiederum das Aufspüren und Beschlagnahmen weiterer Lieferungen erschwert.

Produktion steigt

«Wir müssen diese Anpassungsfähigkeit der Drogenhändler verstehen, um über die auf Beschlagnahmungen konzentrierte Anti-Drogen-Strategie hinwegzukommen», sagte Magliocca.

Die Beschlagnahmung von Suchtgift ist einer der wichtigsten Pfeiler der US-Drogenpolitik. Mit 4.7 Milliarden Dollar flossen zuletzt 18 Prozent der Gesamtausgaben für Anti-Drogen-Massnahmen in diesen Bereich. Der Versuch, den Schmuggel durch Razzien oder Beschlagnahmungen in Mittelamerika zu stoppen, kann trotzdem als gescheitert angesehenen werden: Immer mehr Kokain gelangt in die USA.

10 Promis, von denen du nie gedacht hättest, dass sie gekifft haben

1 / 12
10 Promis, von denen du nie gedacht hättest, dass sie gekifft haben
quelle: ny public lib. picture collectio / gilbert stuart
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Verstärkt wird das Problem durch immer mehr produziertes Kokain. Die Anbaufläche von Koka-Pflanzen in den Haupterzeugerländern Kolumbien, Peru und Bolivien stieg gemäss dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC) 2016 gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent auf 213'000 Hektar. Die Zunahme dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass in Kolumbien die Behörden nach einer Gerichtsentscheidung Koka-Felder nicht mehr mit Pflanzenvernichtungsmitteln zerstören dürfen.

Die weltweite Kokainproduktion stieg um 25 Prozent auf 1410 Tonnen pures Kokain. Beschlagnahmt wurden 1129 Tonnen Kokain, allerdings in gestreckter Form. Wie viel Kokain wirklich auf dem Schwarzmarkt in den USA und Europa landet, ist unklar.

Immer mehr Kollateral-Schäden

Nur elf Prozent des weltweit beschlagnahmten Kokains wird in Mittelamerika gefunden. Durch die in der Studie beschriebenen Ausweicheffekte dürfte es in der Zukunft noch schwieriger werden, spektakuläre Funde zu erzielen. Je grösser das Gebiet, desto schwieriger die Überwachung.

Chronologie der Schweizer Drogenpolitik

1 / 31
Chronologie der Schweizer Drogenpolitik (17.8.2016)
quelle: keystone / michele limina
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wenn die Polizeieinsätze an den Schmuggelrouten dazu führen, dass die Drogenhändler ihr Operationsgebiet weiter ausweiten, leiden zudem immer mehr Menschen in den betroffenen Gebieten unter den Begleiterscheinungen der illegalen Geschäfte. «Diese Ausdehnung führt zu einer ganzen Reihe von Kollateral-Schäden», hiess es in der Studie. «Wo Drogen geschmuggelt werden, kommt es oft zu Gewalt und Korruption, Enteignung von Ländereien und Umweltzerstörung.»

Bessere Strategie dank Prognose

Solange eine Nachfrage nach Kokain besteht und der Suchtgifthandel enorme Gewinne abwirft, werden die Kartelle weiterhin ein Weg finden, den Stoff zu den Konsumenten zu bringen. Das Modell NarcoLogic könnte dabei helfen, künftig Personal und Ressourcen im Kampf gegen den Drogenschmuggel effizienter einzusetzen.

Magliocca und sein Team schrieb: «Wir bieten ein Werkzeug an, um verschiedene Politikansätze zu testen sowie deren mögliche Auswirkungen auf das Verhalten der Drogenhändler und die Kollateral-Schäden des militärischen Anti-Drogen-Kriegs vorauszusagen.» (aeg/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Musiker, die an einer Überdosis gestorben sind

1 / 9
Musiker, die an einer Überdosis gestorben sind
quelle: ap / matt dunham
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Vodka: Die häufigste Todesursache unter Russlands Männern

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Mehrere Tote bei Protesten in Kolumbien – UN verurteilen Polizeigewalt

Nach tagelangen Protesten in Kolumbien gegen eine umstrittene Steuerreform und dem Rücktritt des Wirtschaftsministers zeigen sich die Vereinten Nationen alarmiert wegen Berichten über exzessive Polizeigewalt. «Wir sind äusserst besorgt über die Informationen, die wir heute über eine unbestätigte Anzahl von getöteten und verletzten Menschen in Cali erhalten», schrieb die Vertreterin der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte in dem südamerikanischen Land, Juliette de Rivero, am Dienstag …

Artikel lesen
Link zum Artikel