International
Energie

Tag vier der COP28: Gastgeber irritiert die Klimakonferenz

epa11008542 Environmental activist Alice McGown wears a costume during the fourth day of the 2023 United Nations Climate Change Conference (COP28) at Expo City Dubai in Dubai, UAE, 03 December 2023. T ...
Die Umweltaktivistin Alice McGown protestiert am vierten Tag der Klimakonferenz in Dubai im Kostüm gegen fossile Energie, 3. Dezember 2023. Bild: EPA

Gastgeber irritiert die Klimakonferenz, Aufwind für AKW – Tag vier der COP28

03.12.2023, 19:1103.12.2023, 19:35
Mehr «International»

Auf der Weltklimakonferenz zeichnet sich ein hartes Ringen um den weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas ab. Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz forderte diese Abkehr von fossilen Energieträgern bei seiner Stippvisite in Dubai am Wochenende ausdrücklich ein.

epa11006738 German Cancellor Olaf Scholz speaks during the UN Climate Change Conference COP28, in Dubai, United Arab Emirates, 02 December 2023. The 2023 United Nations Climate Change Conference (COP2 ...
Der deutsche Bundeskanzler bei seiner Rede an der Klimakonferenz in Dubai, am 2. Dezember 2023. Bild: keystone

Der Gastgeber der COP28 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zweifelt einem Bericht zufolge aber an, dass der Ausstieg aus wissenschaftlicher Sicht notwendig ist, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Beobachter und Klimaaktivistinnen reagierten empört. Und vom SPD-Kanzler, der als «Klimakanzler» Wahlkampf machte, wünschen sie sich mehr Entschlossenheit im Kampf gegen die Erderwärmung.

Mehrere Umweltverbände begrüssten Scholz’ Signal zum Ausstieg aus den fossilen Energien. Der deutsche Kanzler hatte am Samstag gesagt:

«Wir müssen jetzt alle die feste Entschlossenheit an den Tag legen, aus den fossilen Energieträgern auszusteigen – zuallererst aus der Kohle. Dafür können wir bei dieser Klimakonferenz die Segel setzen.»

Klimaschützer sehen Lücke zwischen Worten und Taten

Zu diesen Worten passe aber nicht, «dass die Bundesregierung mit der Errichtung neuer fossiler Infrastruktur für den Import von Flüssiggas gegen das Pariser Abkommen arbeitet und parallel dazu das Klimaschutzgesetz aushöhlt», sagte Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam. «Das hat der Bundeskanzler wohlweislich verschwiegen.»

WWF-Klimachefin Viviane Raddatz fügte hinzu, bei der Klimakonferenz mit rund 200 Staaten gehe es nicht nur um Signale, sondern vor allem um die Umsetzung.

«Dringlichkeit und Scholz’ Gelassenheit passen hier nicht zusammen.»

Die deutsche Sektion von Fridays for Future, mit mehreren Aktivistinnen und Aktivisten in Dubai, stellte es als Erfolg dar, Scholz bei einem persönlichen Treffen zur Erwähnung des fossilen Ausstiegs gedrängt zu haben. Luisa Neubauer forderte ausserdem vom Kanzler «ein 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Klimaschutz und sozialgerechte Transformation».

Fossiler Ausstieg sehr umstritten

Dass sich die Staaten der Welt jedoch in Dubai wirklich auf einen weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas einigen können, ist unwahrscheinlich – zumal der Konferenzpräsident Sultan Al-Dschaber als Chef des staatlichen Ölkonzerns eine fragwürdige Rolle spielt.

epa11007344 Dr. Sultan Ahmed Al Jaber, President-Designate of COP28 and UAE's Minister for Industry and Advanced Technology, speaks during the UN Climate Change Conference COP28, in Dubai, United ...
Der umstrittene Konferenzpräsident Sultan Al-Dschaber an der Klimakonferenz in Dubai, am 2. Dezember 2023.Bild: keystone

Der britische «Guardian» und das «Centre for Climate Reporting» berichteten am Sonntag, er habe im November in einer Videoschalte unter anderem mit UN-Vertretern gesagt, es gebe «keine Wissenschaft», die belege, dass der Ausstieg aus fossilen Energieträgern notwendig sei, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Ausserdem habe er behauptet, Entwicklung ohne die Nutzung fossiler Energien sei nicht möglich, «wenn man die Welt nicht in die Steinzeit katapultieren will». Klimaforscher und Aktivisten reagierten empört, einige stellten erneut seine Eignung als Gastgeber infrage.

«Diese Geschichte ist nur ein weiterer Versuch, die Agenda der Präsidentschaft zu untergraben, die klar und transparent ist» und «greifbare Erfolge» verbuche, teilte ein Sprecher der COP28 am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. «Wir sind uns nicht sicher, was diese Meldung eigentlich aussagen soll. Nichts darin ist neu oder Breaking News.» Weiter hiess es: «Der COP-Präsident ist sich darüber im Klaren, dass der schrittweise Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe unvermeidlich ist und dass wir das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite halten müssen.»

In einer vorherigen Reaktion auf den Bericht des «Guardian» hiess es von der Präsidentschaft noch, Al-Dschaber habe sich darauf bezogen, dass auch der Weltklimarat in seinen Szenarien davon ausgehe, dass fossile Energien im Energiesystem der Zukunft weiter eine Rolle spielten – wenn auch eine kleinere.

Öl- und Gasproduzenten blockieren

Auch unter den verhandelnden Staaten zeichnet sich bereits eine Front ab, die den Ausstieg unbedingt verhindern will: Saudi-Arabien, Russland und der Irak stemmen sich als Öl- und Gasexporteure nach Angaben von Aktivisten dagegen. Die Länder hätten in ersten Verhandlungen ihre Ablehnung offen geäussert, hiess es von der Nichtregierungsorganisation Destination Zero und anderen Beobachtern.

Für pazifische Inselstaaten wie Tuvalu geht es beim fossilen Ausstieg um Existenzen: Der Premierminister des Staates mit gut 11'000 Einwohnern, Kausea Natano, forderte den sofortigen Stopp aller neuen Öl- und Gasbohrungen – gefolgt von einem zügigen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern.

Tuvalu Prime Minister Kausea Natano speaks during a plenary session at the COP28 U.N. Climate Summit, Saturday, Dec. 2, 2023, in Dubai, United Arab Emirates. (AP Photo/Rafiq Maqbool)
Kausea Natano, der Premierminister des Inselstaates Tuvalu spricht am 2. Dezember 2023 an der Klimakonferenz in Dubai. Für seinen Staat geht es hier um das Überleben.Bild: keystone

Der höchste Punkt Tuvalus liege nur zwei Meter über dem Meeresspiegel, schon jetzt würden des Öfteren bis zu 40 Prozent der Landesfläche überspült. Seine Bürgerinnen und Bürger wünschten sich, auch in Zukunft weiter auf ihrem Land leben zu können.

Der Premierminister des karibischen Inselstaats Antigua und Barbuda, Gaston Browne, fügte hinzu:

«Die Massenvernichtungswaffen von heute sind keine Bomben, sondern steigende Temperaturen, sengende Dürren und stetiger Meeresspiegelanstieg – alles Konsequenzen von Gier und Gleichgültigkeit.»

Statt Kohle, Öl und Gas: Erneuerbare Energie und Atomkraft

Weniger umstritten als der Abschied von den Fossilen ist das Ziel, die Energieerzeugung aus Erneuerbaren bis zum Jahr 2030 weltweit zu verdreifachen und die Rate der Energieeffizienz zu verdoppeln.

World leaders attend an event on nuclear energy at the COP28 U.N. Climate Summit, Saturday, Dec. 2, 2023, in Dubai, United Arab Emirates. (AP Photo/Peter Dejong)
Ein Gruppenfoto von Staatsoberhäuptern, die im Rahmen der Klimakonferenz an einer Veranstaltung zu nuklearer Energie teilnahmen, 2. Dezember 2023. Bild: keystone

Viele Länder wollen jedoch auch verstärkt auf Atomkraft setzen, um ihren Energiebedarf in der Zukunft zu decken: Unter anderem alle G7-Staaten ausser Deutschland und Italien kündigten an, bis zum Jahr 2050 ihre Kapazitäten hier verdreifachen zu wollen. Insgesamt unterzeichneten mehr als 20 Staaten die gemeinsame Erklärung.

(hah/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Braunalgen verpesten Meere von der Karibik bis nach Afrika
1 / 11
Braunalgen verpesten Meere von der Karibik bis nach Afrika
Von wegen weisser Strand und tief blaues Meer: In Cancun, Mexiko, sind die Strände kilometerlang mit Braunalgen bedeckt.
quelle: ap/ap / israel leal
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Es hat mit Wehmut zu tun» – wie der Klimawandel die Schweizer Bergwelt verändert
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
42 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
James McNew
03.12.2023 22:00registriert Februar 2014
Wer hätte auch nur ahnen können, dass es eventuell eine schlechte Idee sein könnte, eine Konferenz zum Ausstieg aus den Fossilen unter der Leitung eines Fossil-Staates zu machen. Wirklich extrem überraschend. 🤷🏻‍♂️
421
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jep.
03.12.2023 20:55registriert Januar 2022
"Klimaschützer sehen Lücke zwischen Worten und Taten."

Die gesamte Bevölkerung hat das bei (fast) allen Politikern seit Jahrhunderten schon bemerkt. Eine Überraschung diesbezüglich wäre aber trotzdem mal ganz nett.
262
Melden
Zum Kommentar
avatar
@Jeff
03.12.2023 19:58registriert Juli 2023
Gering Mengen Fossiler wird es immer brauchen für die Herstellung von gewissen Industriegütern wie z.B. Farben, Lacke. Auch für autarke Energieerzeugung in abgelegen Gebieten, z.B. in Sibirien, die weder mit Stromleitungen noch mit Strassen erschlossen sind, werden ein fossiler Anwendungfall bleiben.

In reichen Industrieländer wird die Transformation weg von Fossilen vielleicht in 30 Jahren gelingen, aber in ärmeren Ländern, wo die Infrastruktur schlechter ist, die Distanzen grösser und Güter wie Fahrzeuge vielleicht 40 oder mehr Jahre benutzt werden, wird das noch lange gehen.
224
Melden
Zum Kommentar
42
Illegale Migranten werden nach Ruanda ausgeschafft – der britische Asylpakt in 5 Punkten
Nach wochenlangen Diskussionen hat der britische Premierminister Rishi Sunak ein Gesetz zum umstrittenen Asylpakt mit Ruanda durchs Parlament gebracht. Eine Übersicht.

Grossbritannien will seine Asylpolitik komplett neu ausrichten. Illegale Migranten sollen künftig nach Ruanda in Ostafrika deportiert werden. Nach monatelangem Hin und Her hat Premierminister Rishi Sunak ein entsprechendes Gesetz durch das britische Parlament gebracht.

Zur Story