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Epstein-Skandal: Britischer Ex-Botschafter festgenommen

Peter Mandelson is seen outside his home in north west London, Saturday, Feb. 21, 2026. (James Manning/PA via AP)
Britain Epstein Mandelson
Peter Mandelson verlässt sein Haus in Wiltshire, England, am Freitag, 20. Februar 2026.Bild: keystone

Epstein-Skandal: Britischer Ex-Botschafter festgenommen

23.02.2026, 18:3223.02.2026, 20:58

Im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal ist der frühere britische US-Botschafter Peter Mandelson festgenommen worden. Das berichtete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf Scotland Yard. Der Verdacht lautet demnach auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt.

Mandelson war wegen seiner engen Beziehung zum inzwischen verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in den Fokus von Ermittlungen geraten. Der Fall hatte eine Regierungskrise in London ausgelöst, in deren Verlauf das Amt von Premierminister Keir Starmer zeitweise am seidenen Faden zu hängen schien.

Insider-Informationen an Epstein weitergegeben?

Hintergrund waren die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten des US-Justizministeriums. Daraus scheint hervorzugehen, dass Mandelson nicht nur enger mit dem US-Multimillionär Epstein verbandelt war als bislang bekannt, sondern diesem auch sensible Regierungsinformationen während der Finanz- und Wirtschaftskrise zugespielt haben könnte. Mandelson war von 2008 bis 2010 Wirtschaftsminister unter dem früheren Premierminister Gordon Brown.

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Ausgedruckte Kopien der Jeffrey-Epstein-Akten in Miami, Florida, 10. Februar 2026.Bild: keystone

Demnach soll Mandelson unter anderem die Entscheidung für einen 500-Milliarden-Euro-Rettungsschirm in der Euro-Krise einen Tag vor deren Verkündung an Epstein weitergegeben haben.

Starmer wusste von Freundschaft mit Epstein

Für Starmer wurde es brenzlig, weil er zugeben musste, von der Freundschaft zwischen Mandelson und Epstein gewusst zu haben, als er ihn im vergangenen Jahr zum britischen Botschafter in Washington machte. Diesen Posten musste Mandelson nur Monate später im September wieder räumen. Kritisch war vor allem, dass Mandelson die Freundschaft zu Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen erzwungener Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhielt. Auch das war Starmer bekannt.

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Der britische Premierminister Keir Starmer im Amtssitz des Premierministers in der Downing Street 10 in London.Bild: keystone

Vor gut zwei Wochen waren mehrere Vertraute des Regierungschefs von der sozialdemokratischen Labour-Partei wegen der Ernennung Mandelsons zurückgetreten - darunter sein Stabschef und enger politischer Berater Morgan McSweeney. Zudem musste Starmer der Veröffentlichung von Dokumenten und Korrespondenz zu der Ernennung zustimmen. Eine erste Tranche soll bereits Anfang März veröffentlicht werden.

Der frühere Minister und EU-Kommissar Mandelson trat seinen Posten als Botschafter vor einem guten Jahr an. Damals galt der skandalträchtige 72-Jährige als taktisch kluge Wahl, um britische Interessen bei US-Präsident Donald Trump durchzusetzen. Doch das war ein Zeitpunkt, bevor die Veröffentlichung von Epstein-Akten in den USA die Schlagzeilen dominierte.

Mandelson verlor im Laufe der Affäre auch seinen Sitz im britischen Oberhaus. Seine Mitgliedschaft in der Labour-Partei legte er nieder. Auch der Titel Lord soll ihm nach dem Willen des Regierungschefs entzogen werden.

A police officer guards the entrance to Chruchyard of the Sandringham Royal Estate in Sandringham, Thursday, Feb. 19, 2026 after Andrew Mountbatten-Windsor has been arrested by British police on suspi ...
Ein Polizeibeamter bewacht am Donnerstag, 19. Februar 2026, den Eingang zum Friedhof des königlichen Anwesens Sandringham in Sandringham, nachdem Andrew Mountbatten-Windsor von der britischen Polizei wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch festgenommen wurde.Bild: keystone

Ähnliche Vorwürfe gegen Ex-Prinz Andrew

Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär Epstein hatte über Jahre einen Missbrauchsring mit einer bis heute unbekannten hohen Zahl an Opfern betrieben. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Adel.

In Grossbritannien hält der Epstein-Skandal schon seit Wochen Regierung und Palast in Atem. Erst in der vergangenen Woche war auch der frühere Prinz Andrew wegen ähnlicher Vorwürfe festgenommen worden. Auch er wird verdächtigt, vertrauliche Regierungsinformationen an Epstein weitergeleitet zu haben. (sda/dpa)

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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D.Enk-Zettel
23.02.2026 19:30registriert Oktober 2021
die Briten machen Nägel mit Köpfen während die Amis nicht mal wissen oder nicht wissen wollen, wie man einen Hammer in die Hand nimmt.
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bokl
23.02.2026 19:18registriert Februar 2014
Was lernen wir daraus? Geht es um Missbrauch von Frauen passiert jahrelang nichts. Bei Geheimnisverrat kommt die Justiz sofort in die Gänge.
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Der Micha
23.02.2026 19:19registriert Februar 2021
Was man wohl noch herausfinden könnte, wenn die Republikaner die Verbrecher nicht schützen würde. Es ist immerhin gut, dass etwas Bewegung ins Spiel kommt. Denn noch ist das viel zu wenig.
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