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Trump will 200 Mia. blockierte Russen-Gelder – Europa taumelt

FILE - President Donald Trump, right, shakes the hand of Russia's President Vladimir Putin during a joint press conference at Joint Base Elmendorf-Richardson, Alaska, Aug. 15, 2025. (AP Photo/Jae ...
Wollen die Zentralbankmilliarden in gemeinsame Wirtschafsprojekte stecken: Russlands Machthaber Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump.Bild: keystone

Trump will 200 Mia. blockierte Russen-Gelder – Europa taumelt

US-Präsident Donald Trump will am Frieden in der Ukraine mitverdienen. Um die eingefrorenen Zentralbankgelder Russlands ist ein heftiger Streit entbrannt. Europa droht, über den Tisch gezogen zu werden.
29.11.2025, 07:5429.11.2025, 07:54
Remo Hess, Brüssel / ch media

Politik ist oft ein sprödes, ja langweiliges Geschäft. Aber manchmal kippt sie in einen echten Krimi.

Jetzt ist es wieder einmal so weit: Es geht um die rund 210 Milliarden Euro der russischen Zentralbank, eingefroren in den europäischen Staaten. Um sie ist ein heftiger Streit entbrannt. Es tobt ein Machtkampf voller Intrigen, Deals im Halbdunkel und rätselhafter Motive. Aber der Reihe nach.

Der Löwenanteil des Geldes liegt beim belgischen Finanzdienstleister Euroclear in Brüssel. Eigentlich wollten die EU-Staaten 140 Milliarden Euro davon in einem «Darlehen» an die Ukrainer überweisen, damit diese ihren Staat und ihr Militär in den kommenden zwei Jahren über Wasser halten können. Die Zeit drängt: Spätestens zu Frühlingsbeginn droht den Ukrainern, das Geld auszugehen.

Aber jetzt hat neben dem allgemeinen Zeitdruck auch noch US-Präsident Donald Trump ein Auge auf Putins Zentralbank-Schatz geworfen. Oder anders ausgedrückt: «Trump will sich die Zentralbankgelder unter den Nagel reissen», bringt es ein EU-Diplomat auf den Punkt.

Mit Trump will Putin Geschäfte machen, Europa schüchtert er ein

Klar geworden ist das im 28-Punkte-Friedensplan, der von Trumps Sonder-Gesandten Steve Witkoff und dem engen Putin-Berater Juri Uschakow in trautem Einvernehmen ausgearbeitet wurde. Darin heisst es in Punkt 14, dass 100 Milliarden der eingefrorenen Gelder zum Profit von US-Unternehmen in der Ukraine investiert werden sollen.

Der Rest soll in ein Finanz-Vehikel verschoben werden, um amerikanisch-russische Wirtschaftsprojekte zu finanzieren. Trump, so scheint es, will am Frieden in der Ukraine kräftig mitverdienen – und der Kreml hat damit kein Problem.

Das setzt Europa unter Zugzwang. Will es die russischen Staatsgelder für die Ukraine nutzbar machen, muss es nun schnell gehen. Das Problem ist, dass nicht nur Trump auf der einen Seite lauert, sondern auch Putin auf der anderen Seite droht. Er spricht von «Diebstahl» und versucht, Europa einzuschüchtern. Seine Regierung würde bereits harte Vergeltungsmassnahmen vorbereiten, drohte Putin bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

epa12549563 Belgian Prime Minister Bart de Wever speaks during his State of General Policy speech in Brussels, Belgium, 26 November 2025. Two days after reaching an agreement on the federal budget, th ...
Warnt vor Vergeltungsmassnahmen Russlands gegen sein Land: Der belgische Premier Bart De Wever.Bild: keystone

Treffen würden diese zuallererst Belgien, wo das Geld liegt. Das befürchtet zumindest der belgische Premierminister Bart De Wever. Der flämische Nationalist mag in der Nacht von einer Abspaltung des niederländischsprachigen Teils seines Landes träumen. Tagsüber warnt er einstweilig vor dem Untergang Belgiens durch russische Racheakte.

Am Mittwoch schickte De Wever der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen vierseitigen Brief, worin er nochmals in aller Deutlichkeit davor warnte, die Russen-Gelder anzurühren.

Die Risiken sind gross – aber nichts zu tun ist völlig ausgeschlossen

Tatsächlich hat der Belgier einen Punkt. Staaten geniessen völkerrechtliche Immunität. Die Abschöpfung der russischen Zentralbankgelder wäre aber Neuland in der Geschichte. Für Belgien käme sie mit unkalkulierbaren Risiken. Aber auch für Europa.

Andere Länder könnten das Vertrauen verlieren und ihre in der EU deponierten Staatsgelder abziehen. Es wäre wie ein Banken-Run, einfach auf staatlicher Ebene. Im schlimmsten Fall könnte der Kontinent in eine Finanzkrise gedrängt werden, welche den Euro zum Abstürzen bringen würde. Das seien keine «akademischen», sondern ganz «reale Risiken», warnt De Wever. Er fordert deshalb «eisenharte» Garantien. Wenn es zur Eskalation komme, womit er fest rechnet, müsse sein Land auf die ungeteilte Solidarität der Europäer zählen können.

Stellen Trump und Putin die EU vor vollendete Tatsachen?

Natürlich ist sich auch die EU-Kommission, welche den Plan für die Mitgliedstaaten umsetzen muss, bewusst, welche Risiken es mit dem Anzapfen des Zentralbank-Schatzes gibt. Es gibt aber ein Argument, welches alle anderen aussticht: Es gibt keine Alternativen.

Die Staatskassen in Europa sind leer und die über 100 Milliarden, welche die Ukraine bis 2027 braucht, lassen sich aus den nationalen Budgets nicht mehr auftreiben. Neue gemeinsame Schulden aufzunehmen, ist nicht nur politisch hochexplosiv. Sondern auch in der Praxis fast unmöglich, da es dafür Einstimmigkeit benötigt und der Putin-freundliche ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán alles blockiert, was der Ukraine hilft.

Es bleibt also keine andere Wahl, als bis spätestens zum EU-Gipfeltreffen am 18. Dezember doch noch eine Lösung zu erzwingen und die russischen Zentralbankreserven für die Ukraine nutzbar zu machen. Am besten wäre es noch früher – bevor Putin und Trump einen Deal präsentieren, der Europa vor vollendete Tatsachen stellt und das russische Staatsgeld bereits anderweitig verteilt.

Am Freitag betonte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erneut, man müsse bei der Verwendung des russischen Staatsvermögens jetzt vorankommen. Er sieht es als Mittel, «um Russland an den Verhandlungstisch zu zwingen», so Merz.

Wird es also klappen und wird sich Europa zu einer Lösung durchringen können? Es muss. Fast vier Jahre lang wiederholte die EU, man werde die Ukraine «solange unterstützen, wie es nötig ist». Sie nun hängenzulassen ist schlicht unmöglich. Das sagen alle, inklusive Bart De Wever. (aargauerzeitung.ch)

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37 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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butlerparker
29.11.2025 08:09registriert März 2022
Jetzt kommt es zum Lackmustest. Europa muss zeigen, dass es eine selbständige Macht ist. Ein Einknicken hier hätte noch schlimmere Folgen als der vorgebliche Vertrauensverlust, wenn die RUS Geld angefasst werden. Aber es muss eine Diskussion in der CH geben um die RUS Gelder, die hier bei uns liegen.
Für die EU geht es hier um viel, sehr viel. Hätte man die RUS Gelder schon früher verwendet, gäbe es jetzt keine Diskussion mehr.
Geld könnte man schon noch auftreiben. Die EU könnte alle Zahlungen an Ungarn, Slowakei und neuerdings auch Tschechien komplett einstellen, bis sie voll mitziehen !
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CH-Bürger
29.11.2025 08:19registriert Juni 2018
Zwei Figuren wie Putin und Trump maßen sich an, Regeln zu missachten und grundlegende Prinzipien zu verletzen. Unverständlich bleibt, weshalb die EU und Europa konsequent an Normen gebunden sein sollen, während korrupte Akteure ungehindert profitieren. Dieses Ungleichgewicht wirft die Frage nach der Sinnhaftigkeit strikter Regelbefolgung auf, wenn sie letztlich nur dazu dient, Machtmissbrauch und Bereicherung Einzelner zu ermöglichen.
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malu 64
29.11.2025 08:26registriert September 2014
Russland zerstört Eigentum und Infrastruktur eines Landes. Greift ein Land militärisch an. Da ist es doch völlig normal, dass man beschlagnahmtes Geld für die Verteidigung und den Aufbau des angegriffenen Landes verwendet. Und nicht für einstige amerikanische Projekte.
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