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Frankreich

27 Festnahmen wegen Internetinhalten nach Lehrermord in Frankreich

27 Festnahmen wegen Internetinhalten nach Lehrermord in Frankreich

23.10.2020, 15:0123.10.2020, 15:16
epa08767651 French Prime Minister Jean Castex delivers a statement after a Defense Council at the Elysee Palace in Paris, France, 23 October 2020. EPA/IAN LANGSDON/ POOL
Jean Castex.Bild: keystone

Nach dem brutalen Mord an einem Lehrer in Frankreich haben Sicherheitskräfte 27 Menschen wegen mutmasslich illegaler Internetinhalte festgenommen.

«Die Überwachung der sozialen Netzwerke und der Kampf gegen den Online-Hass werden verstärkt», kündigte Regierungschef Jean Castex am Freitag nach einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats in Paris an. Dazu solle es künftig auch schärfere Gesetze geben.

Der 47-jährige Lehrer Samuel Paty war vor einer Woche in einem Pariser Vorort den Ermittlern zufolge von einem 18-Jährigen getötet und dann enthauptet worden. Der mutmassliche Terrorist mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde später von Sicherheitskräften erschossen. Sein Motiv war nach bisherigen Erkenntnissen, dass Paty im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Zu den Verdächtigen, gegen die die Justiz ein Ermittlungsverfahren eröffnete, gehört ein Vater, der im Netz Stimmung gegen Paty gemacht hatte.

Nach dem Angriff auf den Lehrer gab es laut Castex 56 Hausdurchsuchungen. Details dazu blieben offen. Es werde in einem – bereits länger geplanten – Gesetz gegen den radikalen Islamismus zusätzliche Bestimmungen geben. So solle eine Gefährdung durch Veröffentlichung persönlicher Daten zur Straftat werden. Auch der Druck auf Beamte – wie beispielsweise den Lehrer oder die Schuldirektorin in dem Pariser Vorort – könnte dann bestraft werden. Das Gesetz gegen den «Separatismus» und den «radikalen Islamismus» soll nach früheren Angaben von Staatschef Emmanuel Macron Anfang Dezember im Kabinett debattiert werden.

Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Am Wochenende gingen Zehntausende auf die Strasse, um sich solidarisch zu zeigen. Am Mittwoch gab es eine Gedenkfeier in der Sorbonne-Universität mit Macron. (aeg/sda/dpa)

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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John Henry Eden
23.10.2020 15:17registriert Januar 2014
Wird allerhöchste Zeit. Auch der kürzlich erfolgte Mord und Mordversuch in Dresden durch einen IS-Fan zeigt eindrücklich, dass solche Leute in unseren Breitengraden nichts verloren haben. Wer sein Leben durch eine Religion bestimmen lässt, und die Trennung von Kirche und Staat nicht akzeptiert, ist in Europa nicht willkommen.
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Boomer & Boomer GmbH.
24.10.2020 06:52registriert Juli 2019
Das kann es doch nicht sein. Mann kann ja irgend eine Meinung über die Welt haben (Ja, Religiöse Ideologie ist auch nur eine Meinung) aber keine Meinung rechtfertigt die tötung von Mitmenschen. Und schon gar nicht in eine Gesellschaft die dir x Möglichkeiten auf ein anständiges Leben bietet.
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Hoci
23.10.2020 16:30registriert September 2019
Zumindest Frankreich kommt in dieGänge.
Sorry aber für mich gibts nur eins, ab nach Hause geht gar nicht.
Und nur tun dann nur die Lönder leid, die die zurücknehmen.
Soviel man hört weigern dich auch viele.
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