International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Robert Menard, candidate for the mayor of Beziers, supported by the far-right National Front party, casts his ballot during the municipal elections in Beziers, southwestern France, Sunday March 30, 2014. Voters in Paris and across France are going to the polls Sunday in municipal elections seen as a referendum on embattled President Francois Hollande's first two years in office. The far-right National Front aims to build on its surprisingly strong finish in the first round of voting last week. The anti-immigration party made advances across the country amid record-low voter turnout and is poised to make significant gains in the voting for mayors and municipal counselors in 36,000 villages, cities and towns. (AP Photo/Jean-Paul Bonincontro)

Robert Ménard bei seiner Wahl ins Stadtpräsidentenamt. Bild: Jean-Paul Bonincontro/AP/KEYSTONE

Rechtsextremer Stadtpräsident legt Listen muslimischer Schüler an

Mit Listen angeblich muslimischer Schüler hat ein rechtsextremer Stadtpräsident in Frankreich für Empörung gesorgt. Auch die Justiz wird nun aktiv.



Gegen den Stadtpräsident der nahe Montpellier gelegenen Stadt Béziers, Robert Ménard, wurden am Dienstag nach Angaben der Staatsanwaltschaft Vorermittlungen eingeleitet.

Ménard, der im vergangenen Jahr mit Hilfe der rechtsextremen Front National (FN) zum Stadtpräsidenten von Béziers gewählt worden war, hatte am Montagabend eingeräumt, dass er Statistiken über die Religionszugehörigkeit von Schülerinnen und Schülern anlegen lässt.

Für die Listen bediene er sich der Vornamen der Kinder, sagte der ehemalige Vorsitzende der Journalistenorganisation Reporters sans Frontières (Reporter ohne Grenzen) im Fernsehsender France 2. Wie Staatsanwalt Yvon Calvet mitteilte, wurden Vorermittlungen wegen illegalen Sammelns von Daten nach ethnischen Kriterien eingeleitet.

«Schande für den Stadtpräsidenten», schrieb der sozialistische Premierminister Manuel Valls im Kurznachrichtendienst Twitter. «Die Republik macht keinerlei Unterscheidung bei ihren Kindern.»

«Zurück in düstersten Stunden unserer Geschichte»

«Kinder nach ihrer Religion in Listen einzutragen, bringt uns in die düstersten Stunden unserer Geschichte zurück.»

Innenminister Bernard Cazeneuve

Eine solche Datensammlung sei gesetzlich verboten, betonte Innenminister Bernard Cazeneuve. «Kinder nach ihrer Religion in Listen einzutragen, bringt uns in die düstersten Stunden unserer Geschichte zurück.» Auch Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem sprach von «illegalen» und «anti-republikanischen» Praktiken.

Der Vorsitzende der sozialistischen Partei, Jean-Christophe Cambadélis, betonte, was Ménard betreibe sei «rassistische Diskriminierung». «Monsieur Ménard steht nicht mehr für Reporter ohne Grenzen, er steht nun für Rassismus ohne Grenzen.»

«Monsieur Ménard steht nicht mehr für Reporter ohne Grenzen, er steht nun für Rassismus ohne Grenzen.»

PS-Präsident Jean-Christophe Cambadélis

Der Fraktionsvorsitzende der konservativen Oppositionspartei UMP in der Nationalversammlung, Christian Jacob, schloss sich der Kritik an. Eine Erhebung der Schüler nach ihrer Religionszugehörigkeit sei in Frankreich «vollkommen verboten». Es sei eine «gute Sache», dass sich die Justiz mit dem Fall befasse. Auch der Vorsitzende der Beobachtungsstelle gegen Islamfeindlichkeit meldete sich zu Wort. «Ich bin empört, angeekelt», erklärte Abdallah Zekri.

«Ich weiss, dass ich dazu kein Recht habe»

Ménard hatte am Vortag auf France 2 gesagt, in Béziers seien «64,6 Prozent der Schüler» Muslime. Auf die Frage eines Internetnutzers, wie er zu dieser Zahl gelangt sei, erläuterte Ménard, «Schulklasse für Schulklasse» würden die Vornamen der Kinder erhoben.

«Ich weiss, dass ich dazu kein Recht habe», räumte er ein. «Aber – pardon, dass ich das sage – die Vornamen geben Aufschluss über die Religion.» Wer das Gegenteil behaupte, ignoriere das Offenkundige. (pma/sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die Corona-Krise sorgt für einen «bitteren Sommer» für Europas Rechtspopulisten

Weniger EU, weniger Migration - vor der Pandemie handelten Europas rechtspopulistische Parteien mehr oder weniger nach dem gleichen Muster. In der Corona-Krise ist das anders. Strenge Grenzkontrollen als probates Mittel zur Eindämmung der Pandemie halten sie aber alle für richtig.

Während sich rechte Parteien in den von Covid-19 stark betroffenen Staaten bisher eher darauf beschränken, das Krisenmanagement der Regierung zu kritisieren, solidarisiert sich ein Teil der Rechtspopulisten in …

Artikel lesen
Link zum Artikel