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François und Penelope Fillon an der Kundgebung vom Sonntag.
François und Penelope Fillon an der Kundgebung vom Sonntag.Bild: PHILIPPE WOJAZER/REUTERS

Fillon macht den Trump: Medien sollen Suizid seiner Frau «erfunden» haben

06.03.2017, 11:0506.03.2017, 12:28

Für François Fillon sieht es düster aus. Seit die Justiz gegen den konservativen Präsidentschaftskandidaten ermittelt, wenden sich immer mehr Mitstreiter von ihm ab. Seine republikanische Partei bereitet hinter den Kulissen einen Kandidatenwechsel vor. Denn am 17. März läuft die Meldefrist für die Wahl ab.

Juppé lehnt Ersatzkandidatur für Fillon endgültig ab
Im Streit um den französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon hat Ex-Premierminister Alain Juppé endgültig eine Ersatzkandidatur abgelehnt. «Ich bestätige ein für alle Mal, dass ich nicht Präsidentschaftskandidat sein werde», sagte Juppé am Montag. Zahlreiche Parteifreunde hatten gehofft, dass Juppé für seinen wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre angeschlagenen Rivalen einspringen könnte.

Der bei vielen Franzosen beliebte Bürgermeister von Bordeaux, der Fillon bei der Vorwahl der konservativen Republikaner im November klar unterlegen war, hatte Ende vergangener Woche selbst Bereitschaft dazu signalisiert. Am Montag schloss er einen solchen Schritt aber endgültig aus. «Für mich ist es zu spät», sagte Juppé weniger als sieben Wochen vor der Präsidentschaftswahl.

Er sei nicht mehr in der Lage, das konservativ-bürgerliche Lager hinter sich zu vereinen. Mit seinen 71 Jahren stehe er auch nicht für die notwendige «Erneuerung». Zugleich warf Juppé Fillon vor, in eine «Sackgasse» geraten zu sein. Er kritisierte insbesondere Fillons Verteidigungsstrategie, sich als Opfer eines «Komplotts» und eines versuchten «politischen Mordes» darzustellen. Der harte Kern der Anhänger des konservativen Präsidentschaftskandidaten habe sich inzwischen «radikalisiert», sagte Juppé.

Am Sonntag versuchte Fillon den Befreiungsschlag, mit einer Grosskundgebung auf der Place du Trocadéro beim Pariser Eiffelturm. Am Abend trat er in der Tagesschau des Fernsehsenders France 2 auf. Dort machte er eine Aussage, die an einen anderen prominenten Republikaner erinnert: US-Präsident Donald Trump.

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«Am Mittwochmorgen haben Fernsehsender den Suizid meiner Frau verkündet», behauptete François Fillon. Penelope Fillon, eine gebürtige Waliserin, steht im Zentrum der Affäre, die ihrem Gatten das Genick zu brechen droht. Er soll sie jahrelang zum Schein auf Parlamentskosten als Mitarbeiterin beschäftigt haben.

Was aber ist dran an den angeblichen Fake News um ihren Suizid? Die einzige Quelle scheint ein Tweet von Madeleine de Jessey zu sein, einer Fillon-Vertrauten und Sprecherin des Vereins Sens Commun, der sich gegen die Homo-Ehe engagiert. Sie hatte am Mittwoch eine entsprechenden Vorwurf an die Medien verbreitet.

Konkrete Belege gibt es jedoch nicht. Der Privatsender BFMTV hatte am Mittwoch von einem «ziemlich gravierenden Ereignis» gesprochen, das Fillon am Besuch der Landwirtschaftsmesse in Paris gehindert habe, einem Pflichttermin für französische Spitzenpolitiker. Von Suizid aber war keine Rede. Er habe sich auf die Ermittlungen der Justiz bezogen, meinte der BFMTV-Journalist auf Twitter.

Recherchen von französischen Medien mit Google Trends belegen, dass die Kombination «Penelope» und «Suizid» im Internet faktisch inexistent war. Einen heftigen Ausschlag gab es erst am Sonntagabend, nachdem François Fillon seine Behauptung aufgestellt hatte.

Die Organisatoren sprachen von 200'000 Teilnehmern. Offziell fasst der Platz rund 45'000.
Die Organisatoren sprachen von 200'000 Teilnehmern. Offziell fasst der Platz rund 45'000.Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Statt um Fake News scheint es sich um alternative Fakten im Trump-Stil zu handeln. In die gleiche Kategorie fällt die Behauptung, an der sonntäglichen Kundgebung am Trocadéro hätten 200'000 Personen teilgenommen. Die Polizei kam auf rund 35'000, und die Organisatoren selbst gaben laut «L'Express» vor der Veranstaltung zu, dass der Platz nicht mehr als 45'000 Menschen zu fassen vermag.

François Fillons Versuche, seine Kandidatur mit Trump-Methoden am Leben zu erhalten, dürften zum Scheitern verurteilt sein. Ex-Regierungschef Alain Juppé, der ihm in der internen Vorwahl unterlegen war, nahm sich am Montag als Ersatzkandidat aus dem Rennen. Viel mehr als eine Gnadenfrist wird Fillon dadurch kaum erhalten. (pbl)

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