International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Francois Fillon, former French prime minister, member of The Republicans political party and 2017 presidential election candidate of the French centre-right and his wife Penelope (R) attend a meeting at the Trocadero square across from the Eiffel Tower in Paris, France, March 5, 2017. REUTERS/Philippe Wojazer

François und Penelope Fillon an der Kundgebung vom Sonntag. Bild: PHILIPPE WOJAZER/REUTERS

Fillon macht den Trump: Medien sollen Suizid seiner Frau «erfunden» haben



Für François Fillon sieht es düster aus. Seit die Justiz gegen den konservativen Präsidentschaftskandidaten ermittelt, wenden sich immer mehr Mitstreiter von ihm ab. Seine republikanische Partei bereitet hinter den Kulissen einen Kandidatenwechsel vor. Denn am 17. März läuft die Meldefrist für die Wahl ab.

Juppé lehnt Ersatzkandidatur für Fillon endgültig ab

Im Streit um den französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon hat Ex-Premierminister Alain Juppé endgültig eine Ersatzkandidatur abgelehnt. «Ich bestätige ein für alle Mal, dass ich nicht Präsidentschaftskandidat sein werde», sagte Juppé am Montag. Zahlreiche Parteifreunde hatten gehofft, dass Juppé für seinen wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre angeschlagenen Rivalen einspringen könnte.

Der bei vielen Franzosen beliebte Bürgermeister von Bordeaux, der Fillon bei der Vorwahl der konservativen Republikaner im November klar unterlegen war, hatte Ende vergangener Woche selbst Bereitschaft dazu signalisiert. Am Montag schloss er einen solchen Schritt aber endgültig aus. «Für mich ist es zu spät», sagte Juppé weniger als sieben Wochen vor der Präsidentschaftswahl.

Er sei nicht mehr in der Lage, das konservativ-bürgerliche Lager hinter sich zu vereinen. Mit seinen 71 Jahren stehe er auch nicht für die notwendige «Erneuerung». Zugleich warf Juppé Fillon vor, in eine «Sackgasse» geraten zu sein. Er kritisierte insbesondere Fillons Verteidigungsstrategie, sich als Opfer eines «Komplotts» und eines versuchten «politischen Mordes» darzustellen. Der harte Kern der Anhänger des konservativen Präsidentschaftskandidaten habe sich inzwischen «radikalisiert», sagte Juppé.

Am Sonntag versuchte Fillon den Befreiungsschlag, mit einer Grosskundgebung auf der Place du Trocadéro beim Pariser Eiffelturm. Am Abend trat er in der Tagesschau des Fernsehsenders France 2 auf. Dort machte er eine Aussage, die an einen anderen prominenten Republikaner erinnert: US-Präsident Donald Trump.

Play Icon

François Fillon klammert sich an seine Kandidatur. Video: watson.ch

«Am Mittwochmorgen haben Fernsehsender den Suizid meiner Frau verkündet», behauptete François Fillon. Penelope Fillon, eine gebürtige Waliserin, steht im Zentrum der Affäre, die ihrem Gatten das Genick zu brechen droht. Er soll sie jahrelang zum Schein auf Parlamentskosten als Mitarbeiterin beschäftigt haben.

Was aber ist dran an den angeblichen Fake News um ihren Suizid? Die einzige Quelle scheint ein Tweet von Madeleine de Jessey zu sein, einer Fillon-Vertrauten und Sprecherin des Vereins Sens Commun, der sich gegen die Homo-Ehe engagiert. Sie hatte am Mittwoch eine entsprechenden Vorwurf an die Medien verbreitet.

Konkrete Belege gibt es jedoch nicht. Der Privatsender BFMTV hatte am Mittwoch von einem «ziemlich gravierenden Ereignis» gesprochen, das Fillon am Besuch der Landwirtschaftsmesse in Paris gehindert habe, einem Pflichttermin für französische Spitzenpolitiker. Von Suizid aber war keine Rede. Er habe sich auf die Ermittlungen der Justiz bezogen, meinte der BFMTV-Journalist auf Twitter.

Recherchen von französischen Medien mit Google Trends belegen, dass die Kombination «Penelope» und «Suizid» im Internet faktisch inexistent war. Einen heftigen Ausschlag gab es erst am Sonntagabend, nachdem François Fillon seine Behauptung aufgestellt hatte.

epa05831479 Supporters react as 'Les Republicains' party candidate for the 2017 French presidential elections, Francois Fillon delivers a speech during a meeting organized to support him on the Place du Trocadero in Paris, France, 05 March 2017. For the past few days, the candidate has seen most of his supporters leaving as he is under justice scrutiny. France holds the first round of the 2017 presidential elections on 23 April 2017.  EPA/ETIENNE LAURENT

Die Organisatoren sprachen von 200'000 Teilnehmern. Offziell fasst der Platz rund 45'000. Bild: ETIENNE LAURENT/EPA/KEYSTONE

Statt um Fake News scheint es sich um alternative Fakten im Trump-Stil zu handeln. In die gleiche Kategorie fällt die Behauptung, an der sonntäglichen Kundgebung am Trocadéro hätten 200'000 Personen teilgenommen. Die Polizei kam auf rund 35'000, und die Organisatoren selbst gaben laut «L'Express» vor der Veranstaltung zu, dass der Platz nicht mehr als 45'000 Menschen zu fassen vermag.

François Fillons Versuche, seine Kandidatur mit Trump-Methoden am Leben zu erhalten, dürften zum Scheitern verurteilt sein. Ex-Regierungschef Alain Juppé, der ihm in der internen Vorwahl unterlegen war, nahm sich am Montag als Ersatzkandidat aus dem Rennen. Viel mehr als eine Gnadenfrist wird Fillon dadurch kaum erhalten. (pbl)

Frankreich und Europa

Wer ist der kranke Mann Europas? Nicht Italien, auch nicht Frankreich – und nein, auch nicht Deutschland!

Link to Article

Marine Le Pen: Wenn sie Frankreichs Präsidentin wird, ist Europa am Ende

Link to Article

Geht es nach dem deutschen Verfassungsgericht, droht Euroland endgültig zu zerfallen

Link to Article

Die Herrschaft des Mobs: Wie «Wohl und Wille des Volkes» unseren Wohlstand gefährden

Link to Article

Abonniere unseren Newsletter

12
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 06.03.2017 17:16
    Highlight Highlight Ich kenne keinen einzigen französischen (eigentlich keinen westeuropäischen) Politiker, der sich derart dezidiert ausspricht gegen den radikalen Islamismus - gegen den Salafismus und die Islam-Bruderschaft.
    (vgl. video)

    Fillon weiss auch, mit wem er bzw. Frankreich sich verbünden sollte, um diesen Kampf in aller Konsequenz zu führen.

    Und Fillon spricht sich dafür aus die Verbindungen zu Saudi-Arabien und Katar genau zu prüfen und zu revidieren.

    Leider wird das unter den Teppich gekehrt. Warum?
    Play Icon
    • Richu 06.03.2017 17:46
      Highlight Highlight Tatsache ist, dass Fillon den franz. Staat durch "Scheinbeschäftigung" oder nur durch wenig geleistete Teilzeit-Std. seiner Ehefrau sowie seines Sohnes und seiner Tochter (zudem fand die Beschäftigung seiner Kinder während ihres Studiums statt!) "betrogen" hat. Vor einer Verurteilung durch Gerichte herrscht zwar noch die Unschuldsvermutung. Bei Fillon sind aber die Fakten so klar, dass er sicher schuldig gesprochen wird! Frankreich hat einen besseren und ehrlicheren Präsidenten verdient.
      Zudem kann aus meiner Sicht ausgeschlossen werden, dass Frau Le Pen zur franz. Präsidentin gewählt wird!
    • Beobachter24 07.03.2017 03:59
      Highlight Highlight Ich hoffe auch, dass die Le Pen *nicht* die Wahl gewinnt. Aber ausschliessen kann man gar nichts. Siehe Trump.

      Dass FR einen aufrichtigen Präsidenten verdient hätte, da stimme ich zu. Die Frage ist, ob ein solcher zur Auswahl steht.
      Fillon war nicht aufrichtig, so heisst es. Ich fürchte aber, die ganze "classe politique" ist verlogen.
      Mir ist es fast schon egal, wer gewinnt. Hauptsache nicht Le Pen.

      Und was ich weiter open zu Fillon gesagt habe: Wenn FR ihr Terror-Problem loswerden will, dann braucht es jemand, der die wahren Gründe zu benennen wagt. Und das hat bisher nur Fillon getan.
  • Beobachter24 06.03.2017 16:49
    Highlight Highlight Die mediale Demontage Fillons geht wacker weiter.
    Am Ende bleiben noch ein Wunschkandidat des Establishment plus Le Pen ...
    ... und plötzlich werden sich die Leute wundern, warum es nur eine derat besch...eidene Auswahl gibt.

    P.S. Die "Verfehlungen" Fillons waren längst bekannt. Zwar unschön, aber fast schon "courrant normale" im franzöischen Polit-System. Spannender imho ist der Zeitpunkt, zu dem die Medien das breit getreten haben.

    P.P.S. Demokratie ist, wenn die Leute glaiuben eine Wahl zu haben.
    • Sophia 06.03.2017 17:25
      Highlight Highlight Nein, Beobachter, das haben wir doch hinter uns! Die Medien sind an allem Schuld!
      Der arme Fillon war nur zu dumm, sein Scheffeln auf Kosten der Franzosen geschickter zu verbergen.
      Haste auch beobachtet, dass dem Fillon die eigenen Leute davonlaufen? Sicher auch von den Medien vertrieben, oder, Beobachter?
      Aber sicher sorgen so Typen wie der Fillon dafür, dass eine wie die LePen am Ende triumphiert! Aber an der sind ja die Medien auch gerade dran, vielleicht fällen sie auch diese Ober-Betrügerin, was sagste dazu? Sitzt im EU Parlament, bezieht 15 000 Euro monatlich und will die EU abschaffen!
    • Beobachter24 06.03.2017 17:45
      Highlight Highlight @Sophia

      Die Medien sind nicht an allem Schuld, aber sie haben einen grossen Einfluss.

      Eine der Quizfragen ist, warum der Fillon-"Skandal" erst medial ausgebreitet wurde, *nach* dem die Vorwahlen vorbei waren. Die Vorwürfe wurden aber längst *vor* diesen Vorwahlen erhoben.

      Hast Du darauf eine Antwort?
  • Sophia 06.03.2017 13:54
    Highlight Highlight Manchmal glaube ich, im falschen Fim zu sein. Der Trump kann nicht zwischen Fakten und Fakes unterscheiden, der Fillon bescheisst seine Franzosen und will dafür ihr Präsident werden, der Erdogan lässt jeden seiner Kritiker in Gefängnis werfen, er aber meint, er hätte das Recht, in Deutschland wann und wo auch immer seine obskuren Ansichten verbreiten zu dürfen, die Britin May glaubt ernsthaft, das Königreich wieder zur Weltmacht, na ja, zu einer Wirtschaftsmacht machen zu können usw. Ich glaub, ich muss zum Psycho, das muss an mir hängen, die ganze Welt verrückt, nur ich nicht??
    • Waedliman 06.03.2017 16:57
      Highlight Highlight Das Phänomen findet man nicht nur bei Politikern. Auch viele, die mit ihren Bachelor-Abgängen glauben, sie hätten nun die unglaubliche Erkenntnis über das Leben gewonnen, lassen Firmenchefs zunehmend die Haare raufen. Selbstüberschätzung und ein gewisser Grössenwahn sind häufig die Folge, das Erkennen simpelster Zusammenhänge nur noch schwer nachvollziehbar. Es kommt zu emotionalen Reaktionen und nicht mehr zu logischen Schlussfolgerungen. Das Ende ist dann, dass "krasse News" wichtiger sind als Fakten.
    • Sophia 06.03.2017 17:10
      Highlight Highlight Waedliman, ich bin zu jedem Bankrott bereit, wenn es mir nur ein paar Millionen brächte!
    • go for it 06.03.2017 19:11
      Highlight Highlight Du bist nicht verrückt, Sophia.
  • Richu 06.03.2017 13:25
    Highlight Highlight Es ist zu hoffen, dass Fillon von der franz. Justiz nach den Wahlen für seine "Verfehlungen" hart bestraft wird. Dass Fillon nicht selber merkt, dass er infolge den verschieden Vorkommnissen absolut keine Chance hat, in das "Finale" der franz. Präsidentschaftswahlen zu kommen, zeigt seine Sturheit und die fehlende Intelligenz!
    • Waedliman 06.03.2017 16:59
      Highlight Highlight Das mit der fehlenden Intelligenz ist doch das Problem der jüngeren französischen Präseidenten ohnehin. Es sind häufig Lachfiguren und man hat das Gefühl, dass diese Inzestgebilde der Ecoles nun am Ende sind.

Linksautonome Schweizer marschierten an «Gilets-jaunes»-Protesten mit

Unter die «gilets jaunes» in Paris mischten sich am Samstag auch Mitglieder der linksradikalen «Revolutionären Jugend». Sie wollten Solidarität bekunden, «Erfahrungen in Strassenkämpfen» sammeln und «untersuchen, inwiefern sich Rechtsextreme an den Protesten beteiligen.»

Proteste der «Gelbwesten» mit Krawallen und Ausschreitungen haben Frankreich an diesem Wochenende erneut in Atem gehalten. Unter die Demonstranten mischten sich anscheinend auch Schweizer Linksautonome.

Mitglieder der Revolutionären Jugend Bern schreiben auf Facebook, sie hätten sich in Paris ein Bild der Bewegung machen können, das «sehr positiv und motivierend» ausfalle. Darunter publizieren sie ein Foto eines brennenden Autos. 

Auch die Zürcher Sektion der Bewegung berichtet von …

Artikel lesen
Link to Article