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Aung San Suu Kyi spricht an einer Wahlveranstaltung in Yangon (1. November 2015).<br data-editable="remove">
Aung San Suu Kyi spricht an einer Wahlveranstaltung in Yangon (1. November 2015).
Bild: SOE ZEYA TUN/REUTERS

Breite Unterstützung für Aung San Suu Kyi vor den Wahlen in Myanmar

03.11.2015, 09:2303.11.2015, 09:35

Zwar ist Suu Kyi im In- und Ausland zunehmend in die Kritik geraten. Manche werfen ihr autoritäres Gebaren vor, andere vermissen klare Aussagen zum Schicksal der verfolgten Minderheit der Rohingya. Die Wahlchancen der Nobelpreisträgerin dürfte das indes nicht mindern.

Die Strahlkraft von Aung San Suu Kyi hat nachgelassen: Politische Wegbegleiter in Myanmar kritisieren ihren Führungsstil und ihre Entscheidungen, Anhänger im Ausland sind enttäuscht über das Schweigen der Friedensnobelpreisträgerin zu Menschenrechtsverletzungen.

Doch in den Dörfern ihres Wahlkreises und in weiten Teilen des Landes ist sie so populär wie eh und je. Die rote Flagge von Suu Kyis oppositioneller Nationalen Liga für Demokratie (NLD) ist in den Strassen viel häufiger zu sehen als Unterstützungsbekundungen für die Regierungspartei.

«Suu ist unsere Heldin»

Es wird erwartet, dass Suu Kyi die NLD bei der Parlamentswahl am 8. November zum Sieg führt, obwohl die 70-Jährige laut der Verfassung von 2008 nicht selbst Präsidentin werden darf. Eine Klausel, die wohl eigens mit Blick auf sie geschaffen wurde, verwehrt jedem das Amt, dessen Ehegatte oder Kinder Ausländer sind. Suu Kyis verstorbener Mann war Brite, auch ihre beiden Söhne sind Briten. Wer das Präsidentenamt übernimmt, wenn ihre Partei gewinnt, ist unklar.

Überall im Land sind die roten Fahnen der Opposition zu sehen, hier in Yangon.<br data-editable="remove">
Überall im Land sind die roten Fahnen der Opposition zu sehen, hier in Yangon.
Bild: LYNN BO BO/EPA/KEYSTONE

«Suu ist unsere Heldin. Wir wollen, dass sie uns führt», sagt Myint Thein, ein 54-jähriger Reisbauer in Kawhmu, Suu Kyis Wahlkreis südlich von Rangun.

Suu Kyi ist die Tochter des Unabhängigkeitshelden General Aung San, der 1947 einem Anschlag von politischen Gegnern zum Opfer fiel. Damals war sie zwei Jahre alt. Nach vielen Jahren im Ausland kehrte sie 1988 ins damalige Birma zurück und erlebte blutige Aufstände gegen die Militärregierung mit. Sie gelangte an die Spitze der Demokratiebewegung, die von der Junta niedergeschlagen wurde. 15 der folgenden 23 Jahre stand Suu Kyi unter Hausarrest, was ihre Popularität letztlich möglicherweise beförderte.

«Ich werde die Regierung führen»

«Mutter Suu» wird sie von vielen in Anspielung darauf genannt, dass sie auf Kosten ihrer eigenen Familie in schwieriger Zeit nach Myanmar zurückkehrte. Ihr Mann und ihre Söhne blieben in Grossbritannien zurück.

Während der beiden letzten Parlamentswahlen 1990 und 2010 stand sie unter Hausarrest. Die NLD gewann erstere, doch die Streitkräfte annullierten das Ergebnis und weigerten sich, die Macht abzugeben. Die Wahl 2010 boykottierte Suu Kyis Partei. Nachdem die Junta eine Reihe von politischen Reformen in die Wege leitete, beteiligte sich die NLD 2012 an Nachwahlen, in der Suu Kyi einen Parlamentssitz errang.

Sie habe einen Plan, um das Land von hinter den Kulissen zu führen, sagte Suu Kyi kürzlich in einem Interview. «Wenn die NLD die Wahl gewinnt und wir eine Regierung bilden, werde ich diese Regierung führen, egal, ob ich Präsidentin bin oder nicht», sagte sie dem indischen Fernsehsender India Today. Doch sie wird dafür kritisiert, dass sie in ihrem Streben nach politischer Macht ihre Prinzipien geopfert habe.

Rohingya dürfen am Sontag nicht wählen

Ihre vielen Anhänger im Ausland bemängeln, dass sie sich kaum zum Schicksal der muslimischen Minderheit der Rohingya geäussert hat. Diese werden seit Jahrzehnten verfolgt, und seit dem Ende der Militärherrschaft geht es ihnen noch schlechter. Mehr als 200 Rohingya wurden von radikalen Buddhisten getötet, über 100'000 aus ihren Häusern vertrieben. 2010 durften sie wählen, am kommenden Sonntag dürfen sie es nicht.

Suu Kyi verteidigt ihre Haltung als Mittel zum politischen Überleben in einem überwiegend buddhistischen Land, in dem den 1.3 Millionen Rohingya viel Feindseligkeit entgegenschlägt. Trotz ihres Friedensnobelpreises sei sie eine Politikerin, keine Menschenrechtsaktivistin.

Auch bezüglich der Kandidatenwahl stand ihre Partei in der Kritik. Völlig ausgeschlossen waren Muslime, weitgehend unberücksichtigt blieben frühere politische Gefangene der Gruppe der sogenannten 88-Generation. Sie hatte 1988 die Proteste organisiert, die Suu Kyis Karriere begründeten, und viele ihrer Mitglieder zählen zu den im Land am meisten respektierten Kämpfern für Demokratie. Dies wurde als einer von mehreren Schritten Suu Kyis gewertet, mögliche Konkurrenten auszuschalten.

Doch die Kritik an Suu Kyi werde nicht von vielen Wählern geteilt, sagt der prominente Kommentator Yan Myo Thein aus Rangun. «Die Mehrheit der Menschen in Myanmar will einen Wandel.» Und für diese Menschen sei Suu Kyi die einzige Option.

(erf/sda/ap)

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