Trump über neue Iran-Angriffe: «Grosse Welle kommt bald» – das geschah in der Nacht
Republikaner mit neuer Begründung für Krieg
Führende US-Republikaner rücken zur Begründung für den eigenen Angriff auf den Iran nun zunehmend Israels Agieren in den Fokus. «Israel war entschlossen, hier zu seiner eigenen Verteidigung zu handeln, mit oder ohne amerikanische Unterstützung», sagte der republikanische Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson. US-Aussenminister Marco Rubio sagte gegenüber Journalisten: «Die unmittelbare Gefahr bestand darin, dass wir wussten, dass der Iran, wenn er angegriffen würde – und wir gingen davon aus, dass er angegriffen werden würde –, sofort gegen uns vorgehen würde.»
Mehr zum neuen gemeinsamen Narrativ der US-Amerikaner:
Netanjahu: Angriff auf den Iran war unumgänglich
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte dem US-Fernsehsender Fox News: «Der Grund, warum wir jetzt handeln mussten», sei, dass der Iran nach den Bombardierungen seiner Atomanlagen und seiner Raketenarsenale im vergangenen Jahr mit dem Bau «neuer Anlagen, unterirdischer Bunker» begonnen habe. Das Raketen- und «Atombombenprogramm» wäre sonst «innerhalb von Monaten» unangreifbar gewesen, behauptete Netanjahu. Wenn man jetzt nicht gehandelt hätte, «hätte man in Zukunft nichts mehr tun können.»
Auf die Frage von Fox-News, ob er US-Präsident Donald Trump in den Krieg «hineingezogen» habe, lachte der israelische Regierungschef und sagte, das sei «lächerlich». «Donald Trump ist der stärkste Führer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält», sagte Netanjahu. Damit widersprach er indirekt den Äusserungen der Republikaner.
Israel hatte den Iran bereits im Juni vergangenen Jahres angegriffen. Das US-Militär hatte sich knapp eine Woche später dem Verbündeten angeschlossen und die iranischen Atomanlagen bombardiert. «Man könnte meinen, sie hätten ihre Lektion gelernt, aber das haben sie nicht, denn sie sind unverbesserlich. Sie sind völlig fanatisch, was ihr Ziel angeht, Amerika zu zerstören», behauptete der israelische Ministerpräsident Netanjahu beim US-Fernsehsender Fox News.
Die aktuellen Entwicklungen im Krieg im Liveticker:
JD Vance hält Machtwechsel für nebensächlich
Derweil erklärte US-Vizepräsident JD Vance dem Sender Fox News, in einer «perfekten Welt» würden die USA es begrüssen, wenn jemand im Iran an die Macht käme, der bereit sei, mit den USA zu kooperieren. Das vorrangige Ziel Trumps sei aber, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelange. Dafür sei es letztlich nebensächlich, was mit der Führung in Teheran passiere, sagte er.
Israel greift im Iran und im Libanon weiter an
Die israelische Armee hatte zuvor nach eigenen Angaben bei einer weiteren Angriffswelle die staatliche iranische Rundfunkanstalt IRIB in der Hauptstadt Teheran bombardiert. Der Chef des Senders bestätigte den Angriff zwar, betonte aber zugleich, der Sendebetrieb gehe weiter. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts mitgeteilt. Die iranischen Behörden haben das Internet nach Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe am Samstag gesperrt.
Die israelische Armee griff zudem in der Nacht erneut im Libanon an. Ziel seien Kommandozentralen und Waffenlager der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz in der Hauptstadt Beirut, teilte die Armee mit. Als Reaktion auf die Tötung des obersten Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Hisbollah in der vorherigen Nacht Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär greift seitdem Ziele in dem nördlichen Nachbarland an, darunter in Beirut.
Auch USA und Iran kündigen Ausweitung der Angriffe an
Die USA wollen ihre eigenen Attacken im Iran nach den Worten von US-Präsident Trump deutlich verstärken, wie dieser ankündigte: «Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen», sagte er dem Sender CNN.
Er gehe von etwa vier bis fünf Wochen Krieg aus. Notfalls könne es aber auch länger dauern. Der Iran wäre nach seinen Worten schon bald in der Lage gewesen, mit seinen Raketen auch US-Territorium zu treffen.
Auch der Iran kündigte eine Ausweitung der Angriffe an. Die Revolutionsgarden, die Elitestreitmacht der Islamischen Republik, feuerten nach eigenen Angaben seit Beginn des Kriegs Hunderte ballistische Raketen und mehr als 700 Drohnen auf Ziele in Israel sowie auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion ab.
US-Botschaft in Riad getroffen
Die US-Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad wurde nach vorläufigen saudischen Angaben von zwei Drohnen angegriffen. Es sei ein «begrenztes Feuer» ausgebrochen, aber nur geringer Sachschaden entstanden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Acht weitere Drohnen seien nahe Riad und Al-Chardsch, rund 80 Kilometer südlich, abgefangen und zerstört worden. Das US-Aussenministerium ruft wegen der Eskalation die eigenen Landsleute in mehr als einem Dutzend Ländern im Nahen Osten auf, diese sofort zu verlassen. (sda/dpa/con)
