Neuer Ansatz – so begründen Trumps Leute den Angriff auf den Iran jetzt
Zerstörung des iranischen Waffenarsenals, Verhinderung einer künftigen Atomwaffe in Mullah-Besitz, und ein Machtwechsel wäre schön, aber nicht erste Priorität: Auf diese Ziele scheinen sich die US-Vertreter mittlerweile geeinigt zu haben. Das legen zumindest Äusserungen von Marco Rubio, JD Vance und Mike Johnson, drei führende Figuren aus Donald Trumps engem Zirkel, in der Nacht auf Dienstag (Schweizer Zeit) nahe. Sowohl Trump als auch seine Minister gaben zuvor widersprüchliche und immer wieder andere Begründungen und Ziele für den Angriff an.
Diese Dinge haben die Trump-Republikaner nun zum Krieg erklärt:
Marco Rubio
Eng verknüpft mit den Zielen der Intervention ist die Begründung dafür. Diese lieferte US-Aussenminister Marco Rubio in der Nacht auf Dienstag gegenüber Journalisten: Man habe gewusst, dass Israel einen Schlag gegen den Iran ausführen werde. Wäre das passiert, hätten die Iraner unweigerlich US-Ziele in der Region angegriffen, auch wenn man nicht am Schlag beteiligt gewesen wäre, so die Theorie der US-Regierung.
Deshalb habe man sich entschlossen, sich dem «Präventivschlag» Israels anzuschliessen.
Bisher kamen sechs US-Soldaten seit Kriegsausbruch ums Leben, sie wurden in Kuwait von iranischen Raketen getroffen.
JD Vance
Der US-Vizepräsident hat sich ebenfalls zu den Kriegsabsichten geäussert. Er sagte gegenüber Fox News, in einer «perfekten Welt» würden die USA es begrüssen, wenn jemand im Iran an die Macht käme, der bereit sei, mit den USA zu kooperieren. Das vorrangige Ziel Trumps sei aber, dass der Iran niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelange. Dafür sei es letztlich nebensächlich, was mit der Führung in Teheran passiere, so Vance.
Trump hatte diese Perspektive zwischenzeitlich auch als Begründung für den Beginn der Angriffe angeführt. Später sprach er auch von einem Regimewechsel, ehe er in der Nacht auf Montag zurückruderte und eine Venezuela-Szenario als «perfekte» Option beschrieb. In Venezuela wurde mit Nicolas Maduro die Spitze des Regimes eliminiert, die bestehende Regierung zeigte sich anschliessend aber bereit, mit den USA zu kooperieren. Geht es nach Vance, dann scheint Trumps «perfektes Szenario» nun unrealistisch.
Mike Johnson
Der republikanische Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, rechtfertigte den Angriff auf Iran ähnlich wie Marco Rubio.
Er sagte nach einem Briefing, die US-Regierung habe wegen Israels Entschlossenheit zum Angriff eine schwierige Entscheidung treffen müssen. Er sei überzeugt, dass die US-Regierung das Richtige getan habe, sagte Johnson.
Vielmehr stünden die Zerstörung des Raketenprogramms sowie der Marine des Irans im Fokus, stützte Johnson die Argumentation von JD Vance.
Interessant ist im Kontext von Johnsons und Rubios Aussagen: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu widersprach der Darstellung, dass Israel, die USA quasi zum Handeln gezwungen habe. Auf die Frage von Fox News, ob er US-Präsident Donald Trump in den Krieg «hineingezogen» habe, lachte der israelische Regierungschef und sagte, das sei «lächerlich». «Donald Trump ist der stärkste Führer der Welt. Er tut das, was er für richtig für Amerika hält», so Netanjahu. (con/sda/dpa)
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